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Berkelsteine werden im Schlosspark gestaltet – unter anderem von angehenden Bildhauern

Eine Hommage an Coesfeld

Coesfeld

In seinen Händen hält er eine Skizze. Die Augen von Leon fallen auf seine Zeichnung, dann auf den Sandstein, der vor ihm auf einem Tisch liegt. Er legt den Zettel beiseite, greift zu Eisen und Klüpfel und haut vorsichtig – Schlag für Schlag – eine kleine Welle in die untere Ecke seines Steins. Zufrieden begutachtet Leon seine Arbeit. „Ich stelle den Berkelverlauf dar. Entlang des Flusses schlage ich die fünf Wappen der Städte in den Stein, durch die die Berkel in Deutschland fließt“, erklärt Leon. Gemeinsam mit 15 Mitschülern vom Hans-Schwier-Berufskolleg aus Gelsenkirchen ist er gestern Vormittag im Schlosspark zu Besuch. Jeder von ihnen – es sind angehende Steinmetze und Bildhauer im dritten Lehrjahr – gestalten einen Stein, die später im Zuge des Projekts „Urbane Berkel“ im und am Wasser eingebaut werden sollen.

Leon nimmt den Verlauf der Berkel unters Eisen: Er schlägt die fünf Wappen der Kommunen, durch die der Fluss in Deutschland fließt, in den Sandstein, der später den Fluss zieren wird. Die Aktion im Schlosspark läuft noch bis Mittwoch, allerdings sind alle Steine vergeben. Foto: Fotos: Leon Seyock

52 Steine sind es insgesamt, in die nicht die Schüler, sondern in die alle Coesfelder schöne Motive hauen können. „Wir freuen uns über eine sehr gute Resonanz“, erzählt Steinbildhauerin Rieke Orel, die im Sandsteinmuseum in Havixbeck arbeitet und seit einer Woche täglich im Schlosspark zugegen ist. Sie unterstützt Interessierte bei ihrer Arbeit mit den Steinen. Mittlerweile seien alle 52 vergeben. „Einige kommen, arbeiten eine Stunde an ihrem Stein und machen dann ein paar Tage später weiter“, sagt sie und deutet auf die Ecke des Zeltes, in der die halbfertigen Steine darauf warten, vollendet zu werden. Auf einem ist zum Beispiel ein Embryo zu sehen. Ein Embryo? „Diesen Stein hat eine Frau angefertigt, die direkt neben dem Schlosspark im Krankenhaus ihr Kind zur Welt brachte. Das verbindet sie mit Coesfeld“, schmunzelt Bildhauermeister Jörg Jauß. Auch er steht mit Rat und Tat zur Seite und berichtet, dass viele Passanten schon Ideen für ein Motiv mitbringen. „Wir erklären ihnen dann das Werkzeug und wie sie vorgehen müssen, damit sie später einen schön gehauenen Stein in den Händen halten können“, sagt er. Gearbeitet wird mit Baumberger und Obernkirchener Sandstein.

Wie gut, dass die Tische der Schüler heute im Schatten der Bäume aufgestellt sind. Aus allen Ecken klopft es, kleine Steinbröckchen liegen auf dem Boden. Jauß und Orel schauen den angehenden Bildhauern und Steinmetzen über die Schultern. Michelle setzt ihr Eisen konzentriert am Ohr eines Tieres an, um Feinarbeiten zu erledigen. Auch wenn ihr Motiv noch nicht fertig ist, ist unschwer zu erkennen, was es werden wird: „Der Coesfelder Ossenkopp“, lächelt die Nottulnerin. Und diesen hat sie sich nicht ohne Grund ausgesucht – denn ihre Ausbildung macht sie in Coesfeld. „Am Anfang ist da immer die Idee, wie ein Stein am Ende aussehen soll. Dann macht man erst eine Skizze und bringt sie auf den Stein“, wirft Leon ein.

Mit von der Partie ist ihr Lehrer Günter Scharte. „Es ist eine wunderbare Gelegenheit, gemeinsam zu werken. Wir versuchen, möglichst viele Projekte in den Unterricht einzubauen“, merkt er an. „Besser als bei diesem Wetter im Unterrichtsraum zu sitzen“, entgegnet Michelle grinsend. Dann setzt sie das Eisen am Ossenkopp an, jetzt am Horn. Sie haut weiter. Schlag für Schlag.

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