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Realschule wirbt für fest installierte Anlage

Eltern wollen Luftfilter nicht aufgeben

Coesfeld

Der Ärger unter den Elternvertretern der Freiherr-vom-Stein-Realschule war groß. Die Coesfelder Lokalpolitik hatte wie berichtet im Rat Luftfilter für Klassenräume erneut abgelehnt. Für die Vertreter bei der Schulkonferenz völlig unverständlich, sagt Schulpflegschafts-Stellvertreter Carsten Richard. Ein „Riesenthema“ sei dies unter den Eltern. „Kinder sind mal wieder nicht so wichtig“, ärgert sich Richard.

Von Falko Bastos

Für eine fest installierte Luftfilteranlage wirbt die Schulpflegschaft an der Freiherr-vom-Stein-Realschule. Foto:  Archiv

Dabei könne er die Ablehnung mobiler Luftfilter sogar verstehen, denn eine solche Anschaffung sei wenig nachhaltig. Für sinnvoller halte er dagegen eine fest installierte Lüftungsanlage. Das sieht auch Konrektor Frank Rotering so, der zu dem Thema recherchiert hatte. „Mobile Luftfilter wären ein Schnellschuss und sind vom Gesamteffekt überschaubar.“ Denn diese würden die Luft nur umwälzen und filtern. Die regelmäßige Lüftung könnten sie nicht ersetzen.
Eine fest installierte Anlage dagegen tausche durchgehend die Luft aus, bei besserer Filterleistung. So spare man sich Decken und Handschuhe im Winter. Interessant sei eine solche Anlage aber auch aus Gründen des Klimaschutzes. Denn mittels eines Wärmetauschers könne bis zu 90 Prozent der Energie zurückgewonnen werden. Gerade in einem vollen Klassenzimmer gebe es aufgrund der Körperabwärme der Schüler kaum noch Heizbedarf. Rotering als Physiklehrer kennt seine Argumente.
Er ist aber auch Mathelehrer und kennt das Gegenargument. Mit rund 500 000 Euro Gesamtinvestition rechne er für die gesamte Schule. „Das darf man nicht schönrechnen.“ 80 Prozent der Investitionssumme könnten durch Fördergelder gedeckt werden. Aber auch der Rest wäre erst nach 20 Jahren amortisiert. Und dann müsse man die Anlage auch schon wieder ersetzen. Andererseits: Die Anlage trage sich selbst und schaffe dabei noch positive Effekte für Gesundheit und Klima.
Für Carsten Richard ist das Argument genug. Besonders das Lüften im Winter sei anders als die Maske ein Problem für viele Schüler. Sein Sohn habe sich schon eine warme Winterjacke gewünscht, um im Klassenzimmer nicht frieren zu müssen. „Da wird einem schon anders.“ Die Verwaltung hatte im Zuge der Ratssitzung auch gegen Raumluftanlagen argumentiert. Eine künstliche Belüftung mache nur bei Neubauten oder umfangreicher energetischer Sanierung Sinn, wie an der Laurentiusschule, Theodor-Heuss-Realschule, Kreuzschule und Martin-Luther-Schule geschehen. Beim Schulzentrum habe man sich aber gegen eine Lüftung entschieden, unter anderem wegen hoher Investitions- und Folgekosten. Und der CDU-Antrag im Rat fand bekanntlich auch keine Mehrheit.
Aufgeben will Richard aber nicht. Gemeinsam mit Schülervertretern will er demnächst zur Sprechstunde der Bürgermeisterin und noch einmal über das Thema reden. „Wenn es dann gute Argumente dagegen gibt, muss man das akzeptieren. Aber im Moment gibt es unter den Eltern mehr Fragezeichen als Antworten.“

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