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„Die wilden Hühner“ bringen Leben auf die Freilichtbühne

Emotionale Proben nach langer Pause

Coesfeld. „Nach einer gefühlt ewig langen Zeit dürfen wir endlich wieder auf der Bühne proben“, freut sich Pressesprecherin Carolin Böcker. Eigentlich würde bereits seit Wochen reges Leben auf dem Gelände der Freilichtbühne herrschen. Nicht nur würden die Vorbereitungen für die erste Premiere Ende Mai in die heiße Phase gehen, sondern es ständen auch besondere Feierlichkeiten für den 70. Geburtstag der Bühne an. Eigentlich sollten die bereits im vergangenen Jahr geplanten Musicals „Big Fish“ und „Jim Knopf“ auf dem Spielplan stehen – alles musste abgesagt und umgeschmissen werden.

Ursula Hoffmann

Ein sehr emotionaler Augenblick: Mit übersprudelnder Freude feiert das Ensemble des Familienstücks „Die wilden Hühner“ jetzt am Wochenende die erste Bühnenprobe nach über einem Jahr Pause. Fotos: Freilichtbühne Foto: az

Doch die Aktiven der Freilichtbühne stecken den Kopf nicht in den Sand, lassen sich nicht entmutigen und beweisen echte Kreativität. Zwei coronakonforme Stücke („Die wilden Hühner“ und „Acht Frauen“) werden seit Jahresbeginn einfach online geprobt – mit einer überschaubaren Zahl an Darstellern und dem Schwerpunkt auf dem Schauspiel. Der Mut, sich auf diese unkonventionelle Weise vorzubereiten, zahlt sich jetzt tatsächlich aus. Im Zuge der Modellregion darf die Freilichtbühne in die Saison starten (wir berichteten). „Es ist ein Wagnis, für das wir total dankbar sind, dass es uns anvertraut wird und wir versuchen alles, dem gerecht zu werden, zum Schutz für uns und unsere Zuschauer“, erklärt Böcker.

Die erste Probe auf der Bühne ist für das Ensemble eine sehr emotionale Begegnung nach über einem Jahr. Nach und nach trudeln die Darsteller des Familienstücks am Sonntag ein, voller Vorfreude auf diese besondere Probe, die anders ist als gewohnt. Alles wird wissenschaftlich begleitet, es gibt strenge Vorschriften. Alle müssen einen tagesaktuellen Schnelltest vorweisen, alle müssen sich mit der Luca-App einloggen, auf der Bühne müssen die Abstandsregeln eingehalten werden, nur Kinder und Erwachsene aus einem Haushalt dürfen sich näher kommen. Regisseurin Sabine Wulf erklärt dem Ensemble ganz genau die Verhaltensregeln und dann lassen sie – natürlich unter Einhaltung aller Regeln – mit Limo und Musik für einen Moment die Bühne und diesen Augenblick hochleben.

Die Freude über diesen Augenblick spiegelt sich deutlich sichtbar in den Augen der Spielerschar. Endlich kann es losgehen, endlich entkommen sie einmal der digitalen Welt. Tagsüber im Online-Unterricht vor dem Computer hocken, abends dann noch mal für die Proben, das ist anstrengend. Am letzten Donnerstag gab es einen Durchlauf des kompletten Stücks, das rund eineinhalb Stunden dauert, via Zoom, alle agierten vor ihren Kameras und es klappte, darf man ihren Aussagen glauben, tatsächlich gut. Trotzdem ist die Erleichterung groß, sich persönlich zu treffen und nach langem Warten zum Beispiel die Szenen richtig stellen zu können. „Das passierte bisher nur bei mir im Kopf“, schmunzelt Regisseurin Sabine Wulf. Jetzt hoffen alle, dass die Infektionszahlen in der Region weiter fallen und die Premiere wie geplant am 20. Juni steigen kann.

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