1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Coesfeld
  6. >
  7. Entscheidung stößt Händlern sauer auf

  8. >

Mehraufwand und Einbußen durch Schließung der Kfz-Zulassungsstelle zum Jahresende befürchtet

Entscheidung stößt Händlern sauer auf

Coesfeld

Die Entscheidung des Kreises, die Kfz-Zulassungsstelle in Coesfeld zum Jahresende zu schließen, ruft in den örtlichen Autohäusern ein deutliches Echo hervor. Dabei ist es weniger der Mehraufwand durch künftige Fahrten nach Dülmen, der den Autohändlern sauer aufstößt. Vielmehr befürchten sie massive Einbußen sowohl bei der Servicequalität als auch ganz konkret finanziell. „Die Kapazitäten sind das Nadelöhr. Und wenn durch die Konzentration auf Dülmen und Lüdinghausen die Kapazitäten geringer werden, fände ich das schon bedenklich“, mahnt Jochen Tönnemann.

Von Florian Schütte

Wer ein neues oder gebrauchtes Auto zulassen will, kann dies nur noch bis Jahresende in der Kfz-Zulassungsstelle im Kreishaus I tun. Dann schließt die Behörde vor Ort. Ab Januar müssen Autofahrer und -händler dann bis nach Dülmen oder Lüdinghausen fahren. Foto: Foto: Florian Schütte

Besonders ärgerlich sei obendrein, dass die drei Kfz-Zulassungsstellen im Kreis auch noch zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen sind. „Ob wir nach Coesfeld oder Dülmen fahren, ist für uns unerheblich“, sagt Tönnemann, dessen gleichnamiges Autohaus ohnehin mit einem Zulassungsdienst zusammenarbeitet, der sich um die Bürokratie kümmert. „Wenn wir Autos aber nicht rechtzeitig zulassen können, kostet das richtig viel Geld“, betont der Geschäftsführer. Konkret betreffe dies zum einen Boni, die die Hersteller den Händlern zahlen. Zum anderen gibt es staatliche Förderungen wie die Bafa-Prämie für Hybrid-Autos auch nur noch bis Jahresende. Was das für das Autohaus Leifkes bedeutet, bringt Geschäftsführer Steffen Leifkes auf den Punkt: „Das ist ein großer wirtschaftlicher Schaden.“ Dieser beläuft sich schnell auf mehrere Tausend Euro und geht entweder zulasten des Kunden oder werde aus Kulanz vom Autohaus übernommen. Das wiederum schmälere dann jedoch den Ertrag und am Ende auch die Gewerbesteuer der Stadt, gibt Leifkes zu bedenken.

Genau dieses Szenario soll jedoch nicht eintreten, wie Stephan-Matthias Hoffmann vom Kreis versichert. „Es wird zwischen den Feiertagen zentral in Dülmen ein Notdienst eingerichtet, damit Neuwagen-Haltern auch die Bafa-Prämie nicht entgeht“, verspricht der Leiter der Straßenverkehrsbehörde. Auch für andere nicht planbare Notfälle solle es in dieser Zeit Termine geben.

Fürs Autohaus AHAG ist die Schließung der Zulassungsstelle in Coesfeld zum Jahresende ebenfalls „keine gute Nachricht“, wie David Seggewiß, Assistent der Geschäftsführung, berichtet. Auch wenn mindestens 95 Prozent der Zulassungen über einen Zulassungsdienst liefen, werde „der kurze Dienstweg und der direkte Draht“ fehlen, so Seggewiß – besonders in Spezialfällen, wenn eine Zulassung oder eine Korrektur schnell erforderlich seien.

Schon jetzt sei die Servicequalität der Zulassungsstellen nicht die Beste, wie Martina Franzsander aus eigener Erfahrung weiß. Sie arbeitet (noch) nicht mit einem Zulassungsdienst zusammen und meldet Fahrzeuge für ihre Kunden noch höchstpersönlich an. „Wenn man jetzt ein Auto verkauft, kann man dem Kunden nicht zusagen, dass es dieses Jahr noch zugelassen werden kann. Sie wäre schon froh, wenn sie in Dülmen einen Termin bekäme, weiß aber von Privatleuten, die 14 Tage auf die Zulassung eines Lkw gewartet hätten. Abgesehen von der Wartezeit und der Fahrerei bis nach Dülmen – unter Umständen zweimal für eine Zulassung – sieht Franzsander für die Zukunft schwarz: „Meine Befürchtung ist, dass das alles chaotisch endet.“

Das sieht Hoffmann anders. Die Schließung der Stelle in Coesfeld diene dazu, dass „das Angebot an den verbleibenden Standorten gestärkt“ werde. Auf Nachfrage bei der Stadt Coesfeld will sich Bürgermeisterin Eliza Diekmann zu der Thematik nicht äußern. | Kommentar

Startseite
ANZEIGE