1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Coesfeld
  6. >
  7. Familienzuwachs aus der Ukraine

  8. >

Coesfelder nehmen Geflüchtete herzlich auf und begleiten sie beim Neustart

Familienzuwachs aus der Ukraine

Coesfeld

Oksana (44) und ihre Kinder Oleksandr (19) und Olha (9) aus der Ukraine treffen sich mit ihrer Gastfamilie im zukünftigen Begegnungsraum im ehemaligen Gebäude der Martin-Luther-Schule am Köbbinghof. Sie sind erst tags zuvor in Coesfeld eingetroffen und haben bei Familie Engelmann Unterkunft gefunden. Nun wollen alle gemeinsam erste Schritte unternehmen, damit die drei Geflüchteten einen guten Start in ihrer neuen Heimat haben.

Von Manuela Reher

Die ehrenamtlichen Helfer um Norbert Lütkenhaus (2. v.l.) von der Flüchtlingsinitiative begrüßen die Geflüchteten aus der Ukraine und deren Gastfamilien vor den Räumen am Köbbinghof: (v.r.) Ansgar Engelmann, Natascha, Oleksandr, Oksana mit Olha (vorne), Heike Engelmann und Andrea Beerhorst. Foto: Foto: Manuela Reher

„Oksana und ihre beiden Kinder sind unsere neuen Familienmitglieder“, sagt Heike Engelmann, die immer noch unter dem Eindruck der ersten herzlichen Begegnung mit den dreien steht. „Wir haben sie ganz spontan bei uns aufgenommen“, erzählt Heike Engelmann. Sie habe sich bereits zwei Wochen zuvor bei der Stadt gemeldet und die Bereitschaft zur Aufnahme von Geflüchteten signalisiert.

„Doch als der Anruf kam, musste plötzlich alles sehr schnell gehen“, berichtet die Mutter zweier Söhne. Die aufkeimende Angst vor der eigenen Courage sei schnell überwunden gewesen, als sie die drei Menschen aus dem Kriegsgebiet in die Arme schließen konnten. Von Beginn an habe es eine Vertrautheit gegeben, als würde man sich bereits seit einer Ewigkeit kennen.

Deshalb tun sich Heike Engelmann und ihr Ehemann Ansgar schwer damit, die Neuankömmlinge nur als Gäste zu bezeichnen. Und tatsächlich zeugt der Umgang miteinander von einer tiefen Verbundenheit.

„Wir haben ein großes Haus“, sagt Heike Engelmann. „Unsere Söhne und auch wir sind in Frieden und behütet aufgewachsen“, erklärt sie die Gründe für die Aufnahme von Oksana, Oleksandr und Olha und kämpft dabei mit den Tränen. Es sei unbeschreiblich, was den drei Menschen und zahlreichen weiteren Landsleuten in der Ukraine widerfahren sei. Das Land sei viel näher, als man annehme. „Ein solches Schicksal könnte jederzeit auch uns treffen“, sagt Heike Engelmann.

Weil Oksana Englisch spreche, klappe es mit der Verständigung recht gut. Und Oleksandr habe mit Florenz (20), dem Sohn von Heike und Ansgar Engelmann einen gleichaltrigen Ansprechpartner. Oleksandr hatte gerade die Hälfte seiner Ausbildung als Physiotherapeut absolviert, als die Familie flüchten musste. Seinen Vater mussten sie in der Ukraine zurücklassen, weil er dort sein Land verteidigen muss. Und auch die Großmutter von Oleksandr und Olha ist dort zurückgeblieben. Die Angst um die beiden sei sehr groß.

Inzwischen treffen weitere Geflüchtete mit ihren Gastgebern am Köbbinghof ein, darunter auch Andrea Beerhorst. Deren Eltern haben Natascha und ihre Tochter Lilia, die wie Oksana und ihre Kinder aus der 700 000-Einwohner-Stadt Saporischschja stammen, aufgenommen.

Gemeinsam machen sie sich nun auf den Weg zum Bürgerbüro im Rathaus, um sich anzumelden. Die Registrierung beim Kreis Coesfeld sei bereits erfolgt. „Wir müssen uns auch um Seelsorge kümmern“, sagt Heike Engelmann. Denn trotz des dankbaren Lächelns dürfe man nicht vergessen, dass viele Geflüchtete zum Teil schwer traumatisiert seien. Und die kleine Olha soll so schnell wie möglich am Schulunterricht teilnehmen.

All das haben auch Norbert Lütkenhaus und das Team von der Flüchtlingsinitiative im Blick. Aktuell setzen er und die weiteren ehrenamtlichen Helfer sich nicht nur für die Geflüchteten vor Ort ein, sondern auch für die Menschen, die im Krieg in der Ukraine ausharren. Der dritte Hilfsgütertransport aus Coesfeld hat inzwischen seine Reise dorthin angetreten. In den Räumen am Köbbinghof soll ein Begegnungsraum eingerichtet werden, damit die Geflüchteten dort zusammenkommen und Kontakte knüpfen können.

Startseite
ANZEIGE