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Waldspaziergang mit Martin Kleining vom Regionalforstamt

Fichten haben es zunehmend schwer

Coesfeld

Die eiskalten Wintertage im Februar ließen bei Martin Kleining Hoffnung aufkeimen. Denn die Larven des winzigen, nur millimetergroßen Schädlings, würden hinter der Baumrinde überwintern – und infolge des starken Frosts absterben. Der Käfer selbst allerdings sitzt den Winter über in der Erde, die durch die Schneedecke nicht stark genug abkühlte, als dass es dem Getier hätte schaden können. Wie in den Vorjahren hat er jetzt erste deutlich sichtbare Schäden angerichtet: der Borkenkäfer.

Von Leon Seyock

Der Befall führt aber zum Absterben und Abholzen der Bäume, so wie hier im Letter Bruch. Auch in diesem Jahr ist der Borkenkäfer aktiv. Foto:

„Ich dachte, in diesem Jahr läuft es besser. Deshalb habe ich mich erschrocken, als ich vor drei Wochen durch das Waldstück streifte und gesehen habe, wie viele Fichten von dem Borkenkäfer befallen sind“, schildert Kleining vom Regionalforstamt Münsterland, der Waldbesitzer in Coesfeld, Lette, Billerbeck und Rosendahl betreut. Lichte Stellen sind in dem Areal im Letter Bruch zu sehen und der Duft von frischem Holz liegt noch in der Luft. „Erst vor ein paar Tagen haben wir hier alles abholzen müssen“, bedauert der Förster mit Blick über die Freifläche. Alle Fichten, die mit dem Buchdrucker – wie der Schädling dieses Nadelholzes genau genommen heißt – befallen sind, hat Kleining vorher markiert. „Gut erkennbar ist ein Befall an kleinen Löchern, durch die der Käfer sich unter die Rinde frisst“, erklärt Kleining. Manchmal laufe auch ein wenig Harz aus den Löchern als Abwehrmechanismus des Baumes heraus, „gegen so viele Tiere hat aber kein Baum eine Chance.“ Bevor sich die Population der Buchdrucker noch weiter vergrößere, „holen wir alle betroffenen Bäume aus den Wäldern“, schildert Kleining.

Am Waldesrand liegen bereits unterschiedlich lange Fichtenstämme zum Abtransport bereit. Von einem reißt Kleining ein Stück Rinde ab. „So kann man gut sehen, weshalb der Buchdrucker so heißt, wie er heißt“, sagt er und deutet auf das noch nasse Holz. Augenscheinlich schöne Muster frisst der Käfer in die Innenseite der Rinde und in das Holz. Alles andere als schön ist allerdings, was der Käfer damit anrichtet.

Die Borkenkäfer legen unter der Rinde die Eier ab. Die geschlüpften Larven fressen sich später durch Rinde und Holz. Dadurch werden wichtige Lebensadern des Baumes zerstört: er stirbt.

2018 habe es den ersten Borkenkäfer-Befall gegeben, „man sagt, dass eine Welle sechs Jahre andauert. In diesem Jahr sind wir also leider in der Hochzeit“, so Kleining. Obwohl der Flug der Käfer in diesem Jahr aufgrund des nassen und kühlen Frühjahrs deutlich später – erst vor wenigen Wochen anstatt im April – begonnen hat, sei es eine Frage der Borkenkäfer-Stückzahl, wie viele Fichten in den kommenden Monaten noch fallen werden. Seit vier Jahren befänden sich die Förster im „Katastrophenmodus“, der Holzeinschlag sei mittlerweile um das Zwei- bis Dreifache angestiegen.

Während Martin Kleining von der Aufforstung gerodeter Flächen erzählt (siehe Infobox), fällt ihm eine besondere Fichte ins Auge. „Dort“, sagt er und zeigt auf den Baum. Es sieht ein wenig so aus, als würde der Baum zahlreiche Tränen vergießen. Entschlossenen Schrittes stapft Martin Kleining durch das Grün. Ihm schwant bereits Böses, und mit seiner Vermutung sollte er Recht behalten. Zu hunderten, ja tausenden ist auch die Rinde dieser Fichte mit millimetergroßen Löchern übersät. Vielleicht könne das schon die zweite Generation der geschlüpften Larven sein.

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