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Bürgerwindpark offiziell eröffnet

Flamschen treibt Energiewende voran

Coesfeld

„Dieses Projekt hat Vorbildcharakter für die ganze Bundesrepublik. Wo gibt es schon so ein Projekt ohne Einwände?“ Bürgermeisterin Eliza Diekmann freut sich über die neuen Windkraftanlagen in Flamschen. Im Dialog mit den Anwohnern sei es gelungen, das Projekt ohne Gegenklagen und große Einwände zu realisieren. Simone Peter, Präsidentin des Bundesamtes für Erneuerbare Energien, zeigt sich davon beeindruckt: „Bürgerprojekte sind sehr wichtig, weil die Akzeptanz der zentrale Schlüssel für die Energiewende ist.“ Peter schreibt dem Park eine Vorreiterrolle für die Region zu: „Die Technologien sind da, um viele saubere Kilowattstunden zu produzieren.“

Von Marek Walde

Entschlossenen Schrittes der Energiewende entgegen (v.l.) Heiner Schwaaf, August Krampe, Oliver Keßler, Simone Peter (Bundesverband Erneuerbare Energien), Eliza Diekmann, Michael Rawert-Messing, Christoph Woltering und Martin Richter freuen sich über die Windparkeröffnung. Foto:

Bis zu 240 Meter ragen die Windräder in die Höhe. Neun Anlagen stehen im Coesfelder Außenbereich. 50 bis 60 Millionen Kilowattstunden produzieren die Windräder in jedem Jahr. Oliver Keßler, Geschäftsführer von WI-Windinvest, rechnet vor: „Legt man einen Verbrauch von 3000 Kilowattstunden pro Jahr zugrunde, können mit dem Strom rechnerisch bis zu 20 000 Haushalte versorgt werden.“ Praktisch alle Coesfelder könnten daher theoretisch den Strom aus Flamschen beziehen.

Bereits seit einigen Monaten speisen die Anlagen ihren Strom ins Netz ein. Wegen der Coronapandemie fand die offizielle Eröffnungsfeier aber erst an diesem Sonntag statt. Nachdem 2012 die Planungen begonnen hatten, wollten mehrere Interessenten Windräder errichten, berichtet Bürgermeisterin Diekmann. Lokale Investoren haben dann den Zuschlag bekommen. Es handle sich um einen echten Bürgerwindpark, weil nicht nur das Investment zu großen Teilen von den Anwohnern und Grundstückseigentümern gestemmt wurde, sondern auch viel privates Engagement in den Anlagen stecke. So wurden die Planung und die Antragsverfahren von einer privaten Planungsgruppe gestemmt. Das hat Kosten für ein externes Planungsbüro gespart. Insgesamt stehen rund 30 private Investoren hinter den Windkraftwerken.

Für das Aufstellen der Anlagen im Außenbereich musste eine Fläche von rund 2,5 Hektar versiegelt werden. In diesem Raum hatten bis dahin Tiere wie der Wespenbussard, die Waldschnepfe, der Kiebitz und der Uhu einen Teil ihres Lebensraumes. Zum Ausgleich wurde eine circa neun Hektar große Fläche in der Nähe der Kaserne geschaffen. Darüber hinaus stehen die Windkraftanlagen im Flugbereich der Fledermäuse. Diese sind besonders in den Abendstunden aktiv, in denen es dämmert. „Zum Schutz der Tiere werden die Anlagen in dieser Zeit abgeschaltet“, erklärt Oliver Keßler vom Bürgerwindpark.

Bürgermeisterin Diekmann möchte in einem nächsten Schritt die Speicherung des Stroms vorantreiben. Entsprechende Konzepte würden im Rahmen der kommunalen Wasserstoffstrategie ausgearbeitet. Und auch Keßler wirft einen Blick in die Zukunft. Nach den Windrädern möchte er den Ausbau von Solarenergie und Wasserstoff im Außenbereich in Angriff nehmen, genaue Pläne bestünden dazu aber noch nicht.

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