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Hobbyautorin Martina Zimmermann hat zweites Buch herausgebracht

Gänsehaut beim Schreiben in der Klinik

Coesfeld

Ihre Geschichten handeln von Liebe und Tod, von Kriminalfällen und Intrigen, aber auch von Hexen und Zauberern sowie von Feen und vom Weihnachtshund. In dem einen Genre findet sich Martina Zimmermann noch nicht zu Hause. „Ich versuche, mich auszuprobieren“, sagt die Hobbyautorin. Überhaupt sieht sie sich auch eher als Geschichtenerzählerin. „Meine Freundin sagt immer, ich schreibe so, als ob ich neben ihr auf dem Sofa sitze und ihr davon erzähle“, schmunzelt die Coesfelderin, die regelmäßig mit ihren Texten an der Open Stage teilnimmt und kürzlich ihr zweites Buch veröffentlicht hat: „Die Klinik“.

Von Florian Schütte

Martina Zimmermann hat nach „Lisas Geschichte“ nun mit „Die Klinik“ ihren zweiten Roman herausgebracht. Besonders gerne schreibt sie jedoch auch Weihnachtsgeschichten wie „Der Weihnachtshund“, für den Familienhündin Nala Patin gestanden hat. Foto: Foto: Florian Schütte

Die Idee zu diesem Krimi kam Martina Zimmermann während eines Reha-Aufenthalts in einer Klinik, in der öfter mal ein Leichenwagen vor der Tür stand. „Wir sind letztlich dahintergekommen, dass es eine Station mit Schwerstkranken gab, von denen manchmal auch welche verstarben“, berichtet die Schriftstellerin. „Das hat dann aber meine Fantasie angeregt.“ So hat sich ein Krimi um Medikamentenhandel und eine mysteriöse Station entsponnen, in der Menschen ins Koma gelegt werden. „Ich habe über die Hälfte des Romans in der Klinik geschrieben und hatte nachts selbst Gänsehaut beim Schreiben“, lacht Martina Zimmermann.

Als sie dann wieder daheim war, sei sie jedoch wieder ganz raus gewesen. „Da habe ich monatelang nicht weitergeschrieben und musste erst wieder reinkommen“, erzählt die 55-Jährige. „Denn wenn ich eine Geschichte schreibe, ist das so, als ob ich fernsehe. Ich sehe die Personen direkt vor mir. Und wenn ich das alles nicht sehe, kann ich es lassen“, erklärt Zimmermann, deren erster Roman „Lisas Geschichte“ von Liebe, Stalking und Schikane bis hin zum Mord handelt.

Zurzeit verfasst Martina Zimmermann mit anderen Hobbyautoren beim Schreiblust-Verlag jeden Monat eine Geschichte zu einem anderen Thema. „Dabei bewertet man sich gegenseitig und bekommt wertvolle Tipps“, sagt sie über den Lernprozess. Im Gegensatz zu einem bestimmten Genre kristallisiert sich jedoch ein eigener Schreibstil bereits heraus: „Die Ich-Form liegt mir mehr, und es ist auch nicht meine Art, total auszuschweifen“, erklärt die Autorin. Ihr Mann und ihre Tochter sind in der Regel die ersten Rezipienten.

Geschrieben hat Martina Zimmermann schon immer gerne. „Vor vier Jahren bin ich aber erst wieder so richtig angefangen.“ Für eine Weihnachtsfeier im Marien-Quartier in Gescher hatte sie eine moderne Weihnachtsgeschichte über die Senioren-WG geschrieben. „Und alle kamen darin vor, sogar die Putzfrau“, lacht die Seniorenbegleiterin. Weihnachtsgeschichten und Märchen gehen der gelernten Bürokauffrau ohnehin leicht von der Hand.

Später folgte dann die Kurzgeschichte „Der Weihnachtshund“, für die Familienhündin Nala Patin gestanden hat. „Die Geschichte hab’ ich an die Nachbarn zusammen mit einer Flasche Eierlikör verschenkt“, sagt Zimmermann lachend. Das Feedback war rührend: „Wir haben das unserem Vater im Altenheim vorgelesen und der fand das so schön“, zitiert Zimmermann eine Nachbarin. Berührend auch das fast schon barock anmutende Gedicht „Die Liebe bleibt für immer“ – aus der Perspektive eines Verstorbenen geschrieben.

Doch auch bei der Open Stage lässt sie regelmäßig aufhorchen. „Ich habe dafür mal einen Text geschrieben, in dem ich sämtliche Song-Titel der 80er-Jahre untergebracht habe.“ Als Autorin in einer vollen Wirtschaft die volle Aufmerksamkeit zu bekommen, sei im Vergleich zu Musikern schwierig. „Aber da hatte ich die gesamte Kneipe gepackt“, strahlt Zimmermann.

Für sie ist das Schreiben auch ein Ventil für Emotionen. „Es entspannt mich einfach.“ Geld verdient Zimmermann mit der Schriftstellerei bislang nicht. Doch das ist für sie in Ordnung, solange sie mit ihren Storys anderen eine Freude machen kann. Sie ist eben vor allem eines: eine Geschichtenerzählerin. 7 Das Buch „Die Klinik“ von Martina Zimmermann ist erschienen im Verlag united p.c.; ISBN: 978-3710351662; 108 Seiten; Taschenbuch

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