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Sportfischereiverein nun Eigentümer des gesamten Kalksandsteinsees

„Glücksfall“ für Angler

Coesfeld

Wie ein kleines Paradies mutet der Kalksandsteinsee in Stevede mit seinem Umfeld an. Der Sportfischereiverein Coesfeld 1934 darf sich glücklich schätzen, dieses 24,36 Hektar große Areal nun endlich sein Eigen nennen zu dürfen. Der Kaufvertrag mit der ehemaligen Eigentümerin, der Xella Baustoffwerke Rhein-Ruhr GmbH, ist unterzeichnet.

Von Manuela Reher

So groß wie 34 Fußballfelder ist der Kalksandsteinsee mit seinem Umfeld. Das Gewässer selbst hat eine Fläche von 15 Hektar. Foto: Foto: Landesfischereiverband

„Wir haben lange darauf hingearbeitet, fast zwei Jahre“, sagt Vereinsvorsitzender Hubert Rietmann. Nachdem die Xella GmbH den Sandabbau viel früher als vorgesehen bereits Ostern 2021 eingestellt habe, habe sich die Möglichkeit ergeben, das gesamte Areal zu kaufen. „Das war ein Glücksfall für uns“, freut sich Christian Reiberg aus dem Vereinsvorstand.

Der Sportfischereiverein habe mit der Stadt Coesfeld vereinbart, dass diese im Bereich des Steilufers eine Aussichtsplattform errichten dürfe. „Auf diese Weise wollen wir das Gelände an dieser Stelle für die Öffentlichkeit erlebbar machen“, sagt Hubert Rietmann. Dazu müsse die Stadt allerdings noch ein Planungsbüro beauftragen. Das Seegrundstück werde der Öffentlichkeit aber nicht zugänglich gemacht.

Der Verein sei aktuell damit beschäftigt, durch den Erhalt und die Instandsetzung der Zaunanlage auf einem Teilstück von 670 Metern seiner Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Außerdem würden damit die Kolonien von Uferschwalben geschützt, die ihre Nester in die acht Meter hohe Steilwand aus Quarzsand am Ufer eingegraben haben. Mehr als 30 vereinsinterne Fischereiaufseher sowie eine professionelle Sicherheitskraft sorgen dafür, dass Unbefugte dem Gelände fernbleiben.

Die Mitglieder des Sportfischereivereins hätten bereits viel Arbeit und Zeit in den Naturschutz am Kalksandsteinsee investiert, betont Hubert Rietmann. „Als Angler fühlen wir uns dem Naturschutz verpflichtet“, fügt er hinzu.

Bis Ende dieses Jahres soll die Renaturierung des 34 Fußballfelder großen Geländes abgeschlossen sein. Die Unternehmen Xella und Boer werden Flachwasserzonen und sogenannte Sukzessionsflächen schaffen, auf denen der Natur das Land zurückgegeben werde. Dabei würden noch 8000 Tonnen Sand gewonnen. Auch weitere Anpflanzungen seien geplant. Ein Standfestigkeits-Gutachten für die Böschungen sei für die Entlassung aus dem Bergrecht erforderlich und von den Unternehmen Xella und Boer in Auftrag gegeben worden. Der Verein habe die Planungen maßgeblich mitgestalten dürfen. Hubert Rietmann fügt hinzu: „Alle Maßnahmen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde, der Stadt Coesfeld, dem Unternehmen Xella und der Firma Boer.“ Letzteres Unternehmen baute am Kalksandsteinsee den Sand ab. Es gehe auch darum, die bergbaulichen Einrichtungen zurückzubauen, zum Beispiel Rohre zu entfernen.

Hubert Rietmann räumt ein, dass der Kauf des Kalksandsteinsees eine große Investition für den Sportfischereiverein gewesen sei. Die einmalige Gelegenheit habe man sich nicht nehmen lassen wollen. Schließlich gebe es im Umkreis nur wenige Gewässer. Der Verein habe nun als Eigentümer viel mehr Handlungsspielraum, aber auch mehr Pflichten. Der Kauf sei einstimmig von der Mitgliederversammlung beschlossen worden. Für der Kauf sei eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge erforderlich gewesen. Die Zahl der Mitglieder sei wider Erwarten von 294 auf 350 angestiegen. „Daher haben wir nun einen Aufnahmestopp für auswärtige Interessenten“, teilt Rietmann mit. Nun würden sich alle mit Feuereifer und großer Freude daran machen, „ihren See der Natur zurückzugeben“, betont der Vereinsvorsitzende. Derweil tummeln sich im bis zu 15 Meter tiefen See zahlreiche Fische, die sich munter vermehren, ohne dass der Verein einen Besatz durchführen muss.

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