Überraschender Wechsel im Fraktionsvorstand der Wählergemeinschaft Pro Coesfeld

Hallay macht vorzeitig Platz für Dicke

Coesfeld. Der Schritt kommt überraschend. Eigentlich wollte der im Herbst 2020 gerade erst wiedergewählte Günter Hallay den Vorsitz der Fraktion von Pro Coesfeld im Stadtrat zur Halbzeit der neuen Periode, im Jahr 2022, abgeben. 17 Jahre hat er die Politik der „Unabhängigen“ nachhaltig geprägt – jetzt soll schon vorzeitig Schluss sein. Warum? Gab es Ärger? Solcherlei Gerüchte weist er gemeinsam mit Eberhard Ernsting, dem Vorsitzenden der Wählergemeinschaft, im AZ-Gespräch deutlich zurück: Es habe immer mal wieder, wie das ganz normal sei, Meinungsverschiedenheiten gegeben, die Entscheidung, das Amt abzugeben, habe damit aber nichts zu tun: „Das Feuer ist nicht mehr zu 100 Prozent da“, erklärt der 67-Jährige in für Politiker ungewohnter Offenheit den Grund. Nach so einer langen Tätigkeit in führender Position mache sich die Anstrengung einfach bemerkbar – „die Motivation fällt manchmal etwas schwerer als früher“. Den Anspruch an sich selbst könne er so nicht mehr erfüllen. Und da sei es gut, wenn jemand anderes, mit frischem Mut, den Staffelstab übernimmt, sagt er.

Detlef Scherle

Virtuelle Staffelstabübergabe im Garten der Familie Pago: v. l. der langjährige Fraktionsvorsitzende Günter Hallay, seine Nachfolgerin Nicole Dicke und ihr Stellvertreter Heinz Volmer. Foto: az

Das soll nach dem Willen der siebenköpfigen Fraktion, die den Rückzug von Hallay einmütig bedauerte, Nicole Dicke, seine bisherige Stellvertreterin, sein. Die 46-jährige Juristin ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Prüfungsassistentin bei einem Steuer- und Wirtschaftsberater. Sie ist ebenso wie ihr Stellvertreter Heinz Volmer (56 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, technischer Angestellter im öffentlichen Dienst) bei einer außerordentlichen Versammlung einstimmig gewählt worden. Um die Lasten auf mehrere Schultern zu verteilen, hat die Fraktion auch noch einen zusätzlichen Posten im Vorstand geschaffen: den der Fraktionsgeschäftsführerin, den die 41-jährige Rechtsanwältin Patricia Vogel aus Lette (verheiratet, ein Kind) übernimmt.

„Günter Hallay hat außerordentlich viel für Pro Coesfeld geleistet“, unterstreicht Eberhard Ernsting. Viele Fraktionsmitglieder hätten bei der Sondersitzung gelobt, wie großartig er Pro Coesfeld vertreten habe. Mit seiner Verwaltungserfahrung habe er „eine effiziente Ratsarbeit ganz wesentlich ermöglicht“. Ernsting freut sich, dass Hallay der Fraktion mit seiner großen Fachkenntnis und Erfahrung zumindest als Mitglied erhalten bleibt. Er ist aber auch sicher, dass der Übergang im Vorstand mit den neuen Köpfen gut gelingen wird. Alle drei seien „entschiedene Vertreter einer neuen und unabhängigen Politik“, unterstreicht der Pro-Coesfeld-Chef. In Zeiten, in denen die traditionellen und teilweise von Skandalen erschütterten Volksparteien immer schwächer würden, würden freie Wählergemeinschaften immer wichtiger, weil sie sachbezogen agieren könnten und nicht in übergeordnete Strukturen eingebunden seien. Da könne sich dann auch kein Filz ergeben. An diesem Erfolgsrezept von Pro Coesfeld soll festgehalten werden.

Mit vollem Engagement, unterstreicht Hallay, wolle er sein Ratsmandat weiter wahrnehmen. Ansonsten soll aber auch künftig mehr Zeit sein für andere Interessen: seine Enkelkinder, sein Reisemobil. Und: „Meine Modelleisenbahn wartet auf mich“, lächelt der Ruheständler.

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