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Abschied von Altbürgermeister Josef Vennes

Heimatfreund und Kompass der Politik

Coesfeld. Josef Vennes ist tot. Viele Bürgerinnen und Bürger, Freunde, Bekannte und Weggefährten müssen nun gemeinsam mit der Familie Abschied nehmen, Abschied von einem wahren Mitmenschen. Ich erinnere mich noch gut an 1971, an meinen ersten Besuch auf der vollen Tribüne des Rathauses und damit an den Tag, an dem Josef Vennes zum Bürgermeister unserer und seiner geliebten Stadt Coesfeld gewählt wurde. Da war er bereits zehn Jahre in der Kommunalpolitik engagiert, hatte den wichtigen Zusammenschluss des Kirchspiels und der Stadt Coesfeld wesentlich mitgestaltet. Man spürte bei ihm die Überzeugung, wie wichtig es ist, sich in das Gemeinwesen einzubringen, Position zu beziehen, aber auch den Kompromiss zu suchen. Das war sicher auch eine gute Voraussetzung, den nächsten Zusammenschluss 1975 zwischen Lette und Coesfeld zu begleiten.

Allgemeine Zeitung

Josef Vennes hat sich in vielerlei Hinsicht um die Stadt Coesfeld verdient gemacht: als Altbürgermeister, Vorsitzender des Heimatvereins und Pädagoge an der Brinker Schule, um nur einige Stationen seiner Vita zu nennen. Nun ist Josef Vennes am 11. Januar im Alter von 92 Jahren verstorben. Foto: Archiv

In diesen Jahren meiner politischen Lauflernschaft durfte ich Josef Vennes in ungezählten Bürgerversammlungen erleben, wie er immer wieder die Belange der Menschen aufnahm und in seiner besonnenen und ruhigen Art Akzeptanz fand. Bürgerbeteiligung war aber dabei keine Einbahnstraße. Immer wieder ermutigte er zum Machen und Mitmachen. In der Phase der großen Umbrüche in der Innenstadt: der Errichtung der Marktgarage, der Fußgängerzone oder auch der durchaus virulenten Begleitung des Baus der Kupferpassage war er in der Politik auch ein Kompass, der die Richtung anzeigte oder aber eben vermittelte. So war es auch durchaus seine Rolle in den Kreisen der Kommunalpolitik, zwischen den verschiedenen Parteien und der Verwaltungsführung den besten Weg für Coesfeld auszuloten, um sich möglichst einvernehmlich auf den Weg zu machen. 22 Jahre, so lange wie kein Bürgermeister vor und bisher auch nicht nach ihm in Coesfeld, hat er dieses Amt ausgefüllt!

Dabei hatte er nicht nur Coesfeld im Blick. Der Blick über den Tellerrand eröffnete auch die Erkenntnis über die wichtige Rolle der Völkerfreundschaft. Unter seiner Initiative und Führung erblickte die Partnerschaft mit der niederländischen Stadt De Bilt das Licht der Welt. In zwei Schritten. Wie er später öfter sagte: „Erst gab es die Verlobung und dann die Hochzeit“, so wie das zumeist in dieser Zeit im Münsterland so war. In der Folge hat er sich unermüdlich für diese Partnerschaft engagiert, und das bei Jung und Alt und weit über den Zeitraum seiner politischen Tätigkeit hinaus. Viele Jahre habe ich erleben können, wie er sich – solange es seine Gesundheit erlaubte – Zeit nahm, um die Schüler der Patio-Schule De Bilt bei Ausflügen in und um den Kreis Coesfeld zu begleiten, wenn diese ihre jährliche Klassenfahrt in der „Sirksfelder Schule“ verbrachten, immer sachkundig und gut vorbereitet, was sicherlich auch seiner langjährigen Tätigkeit als Lehrer und Schulleiter der Brinker Schule, häufig im Volksmund auch als Bürgermeisterschule bezeichnet, geschuldet war.

Dabei hatte das Thema Völkerverständigung bei ihm durchaus einen breiteren Fokus. So stand er gleichermaßen hinter der Partnerschaft der Letteraner mit Pleguer und war auch häufiger Gast, wenn die Kinder aus dem belarussischen Svensk zu Gast in Coesfeld waren. Viele Schulklassen, die ausländische Gäste hatten, empfing er im Rathaus, um die Bedeutung dieser Kontakte zu unterstreichen. Und hier und da kommen heute noch Erinnerungen hoch, wenn von der Aktion für den Bau von Häusern für das SOS-Kinderdorf im griechischen Vari gesprochen wird. Eine Initiative, die Josef Vennes von Herzen unterstützte.

Auch das gehörte zu seinem Markenkern: Überzeugt zu sein, von dem was er tat. Das zeigte sich auch im Beruf. Mit Begeisterung und allen Sinnen war er Pädagoge. Vielleicht hatte er ja auch deshalb sein Haus direkt am Schulgelände. Durch das Gartentor hatte er einen kurzen „Dienstweg“ zu „seiner Schule“. Er übernahm dafür gerne Verantwortung unbeschadet von Feierabend und Wochenenden. So war auch gut zu verstehen, dass es für ihn ein schmerzlicher Einschnitt war, als im Rahmen der Schulorganisation die Schule aufgelöst wurde. Er hatte ja nun mehrere Schulreformen mitgemacht und war der festen Überzeugung, dass auch die kleinen Grundschulen ihre Rolle finden konnten.

Unvergessen sind auch die Verdienste des Heimatfreundes Josef Vennes. Vielleicht war es sein Interesse und das Geschichtsbewusstsein des Lehrers oder aber auch seine Verantwortung als Stadtvater, die ihn 1982 antrieb, sich dem Heimatverein zuzuwenden. Dieser befand sich in einer schweren Krise. Die Arbeit war in der Zeit zuvor fast eingestellt, als Josef Vennes den Vorsitz übernahm, den er in der Folge 29 Jahre bis 2011 innehatte. Vielleicht 50 Mitglieder zählte anfangs der Verein und nur wenige aktive. In seiner Ägide stieg diese Zahl rapide auf heute ungefähr 500. Es war eine Zeit des Neuaufbaus, den er mit Rat, Tat und vor allem mit Weitblick anging. Der erste Schritt war die Bildung von themenbezogenen Arbeitsgruppen, die fortan die Geschichte und Geschicke der Heimat und des Vereins zu neuem Leben erweckten.

Höhepunkt war sicher dabei die Übernahme des maroden Pulverturms im Jahre 2002 und dessen Renovierung und Umgestaltung zum dauerhaften Domizil des Heimatvereins, den man heute sicher als eine Visitenkarte der Stadt Coesfeld bezeichnen darf. So war es auch Vennes, der zur Einweihung des renovierten Turmes das erste Historienspiel zu den Hexenprozessen schrieb, dessen Uraufführung im Rahmen der Feierlichkeiten viel Beachtung fand. Der Erfolg spornte ihn an, weitere Stücke zu schreiben und deren Aufführung zu begleiten, die nicht minder beachtet wurden, u.a. über den Kaufmann Köbbing oder auch den umstrittenen Stadtrichter Kord Kamphues. Es war für den Heimatverein dann 2011, als er den Vorsitz in die Hände von Edith Eckert legte, auch keine Frage, Josef Vennes angesichts der vielen Verdienste zum „Ehrenmitglied“ zu ernennen. Diese große Verbundenheit zeigt sich auch jetzt, indem der Heimatverein am Pulverturm an diesem Wochenende ein Kondolenzbuch auslegt, damit sich die Menschen, viele von ihnen Weggefährten, von Josef Vennes verabschieden können. Er wird in Coesfeld unvergessen sein. Viele Gedanken sind nun bei seiner Frau und Familie und Gott möge ihm, der immer auf den Herrn vertraut hat, die ewige Ruhe geben! Thomas Bücking

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