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Mehrheit im Bauausschuss für das Projekt Berkelgasse

Hingucker in Hinterhöfen

Coesfeld. Zugegeben: Ein bisschen verrückt klingt das alles, was Diplom-Ingenieur Matthias Franke von der SWUP GmbH aus Berlin da vorschlägt: „Wir lassen die Berkel überschwappen“, berichtet er im Planungsausschuss. Seine Augen leuchten, als er schildert, wie er sich das vorstellt – und zwar an einem Ort, der bislang nicht gerade zu den „Hotspots“ der Stadt gehört, sondern teilweise sogar nachts als „Angstraum“ wahrgenommen wird. Die hinter der ehemaligen Bärenapotheke beginnende und am St. Katharinenstift endende Gasse soll als letzter Baustein im Projekt „Urbane Berkel“ zu einem Wohlfühlort mit vielen Highlights umgestaltet werden. Mit „Überschwappen“ meint der Stadtplaner, dass die Berkel, die dort unter einem Betondeckel fließt, sichtbar gemacht werden soll: mit Mitmach-Installationen, Kunstwerken, pfiffiger Begrünung besonders grauer Ecken und natürlich: viel Wasser.

Detlef Scherle

Foto: az

Schon auf der Schüppenstraße will der SWUP-Mann, der schon für die Neugestaltung des Schlossparks und des Wiemannwegs mit verantwortlich zeichnete, zeigen, was da unter dem Pflaster verborgen ist. Er will einen Einblick in die „Unterwelt“ bieten. Stilisierte Figuren, in die Passanten sich hineinstellen können, markieren die Stelle. Als blaues Band zeigt er dann oberirdisch in der Gasse, wo die Berkel herkommt. Und bisweilen schwappt sie zwischendurch eben über: Da soll dann an der hässlichen Hinterwand von Woolworth in Wellenform geschwungenes, echtes Grün emporranken (ausgeklügeltes Bewässerungssystem inklusive). Viele lauschige Ecken bieten Aufenthaltsqualität – immer wieder mit Hinguckern wie einer Outside-Galerie und viel Spielerischem – alles abgestimmt mit den Anliegern.

„Die genaue Planung ist noch offen“, erklärt Stadtplaner Ludger Schmitz. Was Franke bisher zusammengetragen hat, sind Beispiele. So soll in der Berkelgasse der Verlauf des Flusses von der Quelle bis zur Mündung nachempfunden werden. Passend dazu soll am Katharinenstift mit Muskelkraft hochgepumptes Wasser sprudeln und durch eine Edelstahlrinne fließen. Ein Sommer-Spaß für Alt und Jung! Ebenso wie zwei Hörrohre am Anfang und Ende der Gasse, über die man Botschaften austauschen kann. An Ideen mangelt es Franke nicht.

Es ist kein Wunder, dass die Gestaltungsvorschläge im Planungsausschuss selbst bei bisherigen Kritikern des Berkel-Projektes auf Begeisterung stoßen. Wegen der Kosten von 1,4 Millionen Euro (von denen 60 % vom Land gefördert werden könnten) haben insbesondere die Wählergemeinschaften und Grünen bisher „Nein“ gesagt. Nach dem Vortrag von Franke erbittet sich Heinrich Volmer (Pro Coesfeld) nun Bedenkzeit: „Die Planung ist supertoll“, findet er aber schon mal lobende Worte. Johannes Warmbold (CDU) spricht sich für die Umgestaltung als letzten Baustein des Berkelprojekts aus, „sonst wären die Planungskosten umsonst gewesen“. „Die Berkel ist die DNA für Coesfeld“, wirbt Andre Kretschmer (SPD) für Zustimmung. Das Projekt biete auch einen Mehrwert für die in der Innenstadt lebenden Menschen, die keinen Garten besitzen. Mit Mehrheit von CDU und SPD (Gegenstimmen aus den Reihen von Aktiv für Coesfeld, Pro Coesfeld, Grünen, Enthaltungen von FDP- und Pro Coesfeld-Vertretern) wird dem Rat die Umsetzung empfohlen. Der entscheidet am 6. Mai. Die Zustimmung gilt als sicher, weil CDU und SPD eine Mehrheit haben.

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