1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Coesfeld
  6. >
  7. Igeln im richtigen Augenblick helfen

  8. >

Coesfeld

Igeln im richtigen Augenblick helfen

Coesfeld (jd/pd). Die Frage, wann ein Igel wirklich Hilfe braucht, wird in diesen Tagen oft an Elke Kühn vom Tierschutzverein Coesfeld, Dülmen und Umgebung herangetragen. „Dabei sollte man wirklich ganz genau hinschauen, denn durch falsch verstandene Fürsorge schadet man dem Tier mitunter mehr, als dass man ihm hilft.“ Da zwischen August und September noch Igelkinder geboren wurden, seien aktuell auch kleinere Tiere unterwegs. „Die wiegen jetzt im Oktober zwischen 250 und 400 Gramm“, so Elke Kühn, die sich ehrenamtlich für die Igelhilfe engagiert.

Allgemeine Zeitung

Elke Kühn kümmert sich ehrenamtlich um Igel. Foto: Archiv

Hilfe sei nur angebracht, wenn ein Igel wirklich verletzt oder krank ist. „Das sieht man daran, dass sie apathisch sind und sich bei Berührungen eben nicht mehr einrollen. Auch sind sie häufig mager, was man an Einbuchtungen an Hals und Schultern erkennen kann.“ Die Augen seien dann nicht mehr rund und klar, sondern schlitzförmig und eingefallen. „Auch wenn sich ein Igel in Lichtschächte oder Kellereingänge verirrt hat, ist Hilfe angebracht.“ Die verletzten oder kranken Tiere können zu einem Tierarzt gebracht werden, die Wildtiere meistens kostenlos behandeln. „Das Tierheim in Lette darf keine Igel aufnehmen“, informiert die Expertin. „Wildtiere können Parasiten und Krankheiten auf die dort untergebrachten Tiere übertragen.“ Die Igel-auffangstation hat nur begrenzt Platz, deshalb sollten nur Notfälle abgegeben werden. Denn: „Der Igel ist ein Wildtier und die Überwinterung in einem kleinen Käfig bedeutet für ihn enormen Stress.“ Zudem sei es in Deutschland auch generell verboten, Igel aus der Natur zu nehmen.

Prinzipiell seien sie nachtaktiv, aber bis die Temperaturen dauerhaft auf unter fünf Grad fallen, sieht man sie auch tagsüber nach Nahrung suchen. „Das ist ein völlig normales Verhalten“, so Elke Kühn. Eine Möglichkeit, ihnen zu helfen, sei es, Futter bereitzustellen. „Zum Beispiel Katzendosenfutter (ohne Soßen), ein ungewürztes gekochtes Ei, ungewürztes angebratenes Hackfleisch oder Igeltrockenfutter aus dem Fachhandel, das man dann mit Nassfutter vermischt.“ Außerdem sollte man im Garten immer auch ein Schälchen mit Wasser anbieten. „Man darf niemals rohes Fleisch oder gar Milch geben, davon bekommen die Tiere Durchfall und sterben oft sogar daran.“ Dies solle aber spätestens eingestellt werden, wenn die Temperaturen dauerhaft unter null Grad fallen oder es anfängt zu schneien. Denn: „Der Nahrungsmangel ist ein wichtiges Zeichen für die Tiere, um rechtzeitig in den Winterschlaf zu gehen. Füttert man weiter, hält man den Igel künstlich wach und er würde den Winter wahrscheinlich nicht überleben“, warnt Elke Kühn.

Eine weitere Möglichkeit, die Igel zu unterstützen, sei es, ihren Lebensraum zu erhalten. „Im eigenen Garten kann man zum Beispiel Laub oder Zweige in einer Ecke oder auch unter Sträuchern liegen lassen.“ Damit baue sich der Igel dann sein Winterquartier und dort finde er auch Insekten und Würmer, um sich den Winterspeck anzufressen.

Elke Kühn appelliert noch einmal: „Nicht jeder Igel braucht unsere Hilfe, er ist ein Wildtier und bestens an seinen Lebensraum angepasst. Durch den Klimawandel und die somit viel zu warmen Winter geht der Igel auch immer später in seinen Winterschlaf.“ Zunächst beobachten, ob das Tier wirklich Hilfe braucht und im Zweifelsfall Tierärzte, das Tierheim oder die Igelstation um Rat bitten. Weitere Infos auch unter | www.tsv-coesfeld-duelmen.de

Startseite
ANZEIGE