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90 Jahre Richter Lackierungen

In der großen Welt der Lacke zu Hause

Coesfeld

Uwe Heitz öffnet die Tür. Wenige Schritte trennen das Büro des Geschäftsführers von Richter Lackierungen und die Fertigungshalle, in der ein Dutzend Autos nebeneinander geparkt sind. Der Geruch von Lacken und Lösemitteln steigt unentwegt in die Nase. Fahrzeugteile werden abgeklebt, in einer separaten Kabine wird auf einer Stoßstange mit der Pistole Grundierfüller aufgetragen. Poliermaschinen drehen sich auf Autodächern – wie auch bei einem weißen Oldtimer, den Celine Derdack bearbeitet. Sie ist Auszubildende im dritten Lehrjahr und eine der wenigen Frauen, die den Beruf des Fahrzeuglackierers ergriffen hat. Heitz überlegt: „Wir haben sicherlich schon 100 junge Leute in unserem Betrieb ausgebildet“ – in den 90 Jahren, in dem das Unternehmen in diesem Jahr existiert.

Von Leon Seyock

Die Historie der Lackiererei führt zurück zu Josef Richter, der 1932 ein Malergeschäft in Holtwick gründete. Ganz nebenbei lackierte er vor allem Kutschwagen von Hand und verzierte diese, wie Heitz berichtet. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat Richter „mühsam und mit viel Energie und Ausdauer“ seinen Malerbetrieb wieder in die Spur gebracht, „seine Qualitätsarbeit hat sich rumgesprochen“, erzählt er. 1953 wurde als zweites Standbein die Autolackiererei Richter gegründet – das war die Geburtsstunde der heute fortbestehenden Lackiererei. „Es wurde eine kleine Werkstatt gebaut, sodass ab sofort dort die Kutschwagen und die ersten Autos repariert und lackiert wurden“, weiß der heutige Geschäftsführer.

Die Motorisierung hatte in den Folgejahren zugenommen, sodass der Sohn von Josef Richter – Otto Richter – nach Ablegung der Gesellen-Prüfung im Jahre 1955 sich nur noch in der Werkstatt mit der Oberflächenbehandlung von Pkw beschäftigte. „Da kristallisierte sich schon heraus, dass die Autolackiererei die Zukunft sein wird“, schildert Heitz, der wiederum der Neffe von Otto Richter ist. 1960 wurde der Betrieb in Holtwick vergrößert. Die Auftragslage war stark gestiegen, sodass zehn Jahre später eine neue Erweiterung in Planung genommen wurde. Für einen Neubau wurde ein neuer Standort in Coesfeld gefunden und dort von 1970 bis 1973 ein moderner Betrieb, unter anderem mit Lkw-Spritzkabine und Trockenkabine, gebaut. „Wir begannen in Coesfeld mit unserem kleinen Mitarbeiterstab 1973 eine neue Ära“, blickt Heitz zurück.

Im Jahr 2008 wurde die nächste Generation in die Geschäftsleitung mit einbezogen: Uwe Heitz gemeinsam mit seinem Bruder Ralf Heitz-Große Lembeck. Seitdem habe sich das Unternehmen immer weiterentwickelt. „Wir haben vieles modernisiert und fit gemacht für die Zukunft“, wie er bei einem Rundgang durch die Hallen erzählt. 20 Mitarbeiter zählt die Lackiererei heute. „Wir sind hier eine kleine Talentschmiede für Lackierer“, sagt er nicht ohne Stolz, da viele der Lehrlinge auch nach ihrer Ausbildung im Hause blieben. Heute legt die Lackiererei ihr Hauptaugenmerk auf Reparatur-Lackierungen für Werkstätten und Autohäuser. Aber auch auf Wünsche von Privatkunden gehen die Lackierer ein. „Und das macht unseren Beruf so abwechslungsreich und interessant“, lächelt Heitz.

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