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Schlechtes Wetter sorgt für verzögerten Start der Erdbeerernte

„Kälte macht uns enorm zu schaffen“

Coesfeld. Wenn Andreas Rahmann seine Erdbeeren aus dem Tunnel und vom Feld vergleicht, könnten die optischen Unterschiede kaum größer sein. Während erstere rund und saftig rot sind, weisen letztere viele Dellen und unregelmäßigen Wuchs auf. „Die Beeren, die wir bisher im Freiland gepflückt haben, waren vielleicht zu fünf Prozent verkaufsfähige Ware. Es gab im Frühjahr viele Schäden durch Frost, Regen und Vögel“, zieht er eine bislang weniger gute Bilanz zur Erdbeerernte und nennt ein Beispiel: „In drei Stunden haben wir neulich mit 18 Personen gerade mal 1,5 Kisten gute Erdbeeren sammeln können. Wenn es richtig gut läuft, holen wir sonst 700 Kisten am Tag vom Feld. Diese Einnahmen fehlen uns zurzeit komplett, das ist ein herber Rückschlag.“ Pfingsten sei eigentlich eines der Hauptverkaufswochenenden der Saison, „aber da hatten wir schon unsere liebe Not, genug Früchte zu ernten. Wir haben nur Schrott gepflückt“, findet Rahmann klare Worte. Immerhin: Die Erdbeeren aus dem Tunnel sähen gut aus, 30 Kisten könnten sie am Tag ernten.

Ulrike Deusch und Jessica Demmer

Andreas Rahmann wirft einen Blick auf die ersten Erdbeeren, die er im Tunnel angebaut hat. Weil sie geschützt wachsen konnten, sehen sie schon groß, rund und saftig aus. Rund 30 Kisten kann er am Tag ernten. Foto: az

Es brauche nun aber dauerhaft gutes Wetter. „Unsere Mitarbeiter aus Rumänien können im strömenden Regen nicht auf den Feldern arbeiten. Weil es noch nicht genug zu tun gibt, warten einige sogar noch in Rumänien auf ihren Einsatz, suchen sich teils schon andere Arbeitgeber“, nennt er ein weiteres Problem. Die Verkaufshütten habe er trotzdem schon aufgestellt. „Damit die Kunden merken, dass wir auch irgendwann noch anfangen.“ Und auch hier sei es schwierig, alle Verkäufer, die sich beworben haben, zu halten. „Durch die Verzögerungen kündigen die ersten schon wieder. Der 40-Jährige sagt aber auch: „Durch die letzten zwei Jahre sind wir auch sehr verwöhnt, weil wir drei Wochen früher loslegen konnten als sonst. Also eigentlich sind wir im langjährigen Mittel erst rund eine Woche später.“ Dennoch hoffe er, jetzt Anfang Juni durchstarten zu können.

Hoffnung heißt auch die Devise beim Obstbaubetrieb Wigger in Lette. „Am Mittwoch haben wir erstmals pflücken können“, sagt Agnes Wigger. „Zum Heulen“ sei die Situation in diesem Jahr. „Die Kälte macht uns enorm zu schaffen.“ Die Saisonkräfte, von denen einige schon seit Jahren bei Wigger tätig sind, haben sich in den vergangenen Wochen auf Spargel und Rhabarber konzentriert, weil es auf den Erdbeerfeldern noch nichts zu tun gab.

Agnes Wigger hofft, dass zum Wochenende erstmals eine halbwegs ansehnliche Zahl der roten Früchte im Körbchen landet. Die Familie Wigger setzt auf ihren eigenen Flächen auf Freiland-Früchte, bekommt aber zusätzlich auch Ware, die im Tunnel gereift ist. Draußen wachsen Pflanzen, die zu verschiedenen Zeiten reife Früchte tragen, damit die Erdbeer-Liebhaber mindestens acht bis neun Wochen ihre Freude an frischen Früchten haben. Wigger: „Wir hoffen, dass wir durch den verzögerten Start nicht irgendwann eine Erdbeerschwemme bekommen.“ Auch wegen dieser Unwägbarkeiten kann sie noch nicht sagen, wie sich die Situation finanziell auswirken könnte.

Christoph Drees rechnet mit relativ hohen Preisen – zumindest zum Saisonauftakt. Er hat beim Freilandanbau in seinem Betrieb auf Sorten gesetzt, die frühestens in zwei Wochen reif sein werden. „Zum Glück können wir seit ein paar Tagen Erdbeeren aus dem Gewächshaus ernten“, sagt er. Auch während der Saison setzt er auf diese Mischung aus Gewächshaus-, Tunnel- und Freiland-Anbau: „So bleiben wir flexibel“, sagt er – und hofft wie die Kollegen, dass sie doch noch wachsen: dicke aromatische Früchte.

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