1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Coesfeld
  6. >
  7. Kein Verzicht, nur eine Umstellung

  8. >

Familie Müther lebt seit drei Jahren plastikreduziert

Kein Verzicht, nur eine Umstellung

COESFELD

Eine Million Tonnen Plastikmüll gehen teilweise in Länder, die in völliger Armut leben. „Das geht wirklich gar nicht“, sagt Marion Müther. „Wenn man selber etwas tut, wandelt sich auch die Welt“, ist sie überzeugt. Die Mutter von zwei Kindern lebt seit ungefähr drei Jahren sehr plastikreduziert und versucht, wo es geht, darauf zu verzichten. Denn sie ist schockiert von den Mengen an Plastik, die der Mensch produziert, obwohl es vermeidbar ist. „Natürlich dürfen unsere Kinder auch mit Plastikspielzeugen spielen“, betont die 37-Jährige. Aber auch hier handelt sie nachhaltig und oftmals wird das Spielzeug gebraucht gekauft. Und auch bei den Brotdosen ist Plastik vorhanden, allerdings sind viele von ihren Dosen bereits lange in Gebrauch.

Von Franziska Ix

Marion Müther versucht, wo es geht, auf Plastik zu verzichten. Doch natürlich ist das noch nicht an allen Stellen möglich. Wie beispielsweise beim Kaufen von Kernen und Samen fürs Backen. Foto: Foto: fix

Doch bedeutet kein Plastik immer gleich ein Verzicht? Laut Müther definitiv nicht: „Es ist eine Umstellung, aber man merkt eigentlich, dass man Plastik gar nicht braucht, und die Coesfelder Klimachallenge im August ist eine Möglichkeit, das Ganze mal auszuprobieren.“ Beim Einkaufen können Netze und selbst genähte Stoffbeutel verwendet werden. „Die gibt es inzwischen ja auch überall“, erklärt die Mutter. Außerdem könne man als Kunde Mehrwegverpackungen kaufen, wie bei Milch oder Joghurt. Und aus diesen Verpackungen könne etwas Neues entstehen.

„Ich habe mit einer Freundin aus Altglas Adventskalender gemacht und auch mit meinen Kindern bastele ich oft mit altem Glas“, erzählt Müther. Des Weiteren kann auch im Badezimmer einiges umgestellt werden. Zum Beispiel verwendet die Coesfelderin feste Seife und Shampoo. „Es sind Kleinigkeiten, die man ganz leicht umsetzen kann“, betont sie. Natürlich hat auch die Familie klein angefangen, aber Schritt für Schritt kann man etwas verändern. „Wir machen auch ganz viel selber. Wir haben uns einen Pizzaofen gegönnt und so sparen wir natürlich auch viel an Verpackungen“, lächelt die Mutter. Denn in der Familie wird gerne und oft Pizza gegessen. Außerdem backt die Coesfelderin gerne und macht viel selbst, wie zum Beispiel Brot.

Und das ist tatsächlich auch ein Punkt, der sich als schwierig herausstellt. „Viele Kerne und Samen bekommt man nur in Plastikverpackungen. Deswegen freue ich mich auch sehr auf den Unverpackt-Laden hier in Coesfeld“, sagt Müther.

Eigentlich sollte Plastik also nicht mehr so selbstverständlich und unbewusst behandelt werden, findet Müther. Doch das sei oftmals schwer. Denn es sei günstig, leicht und „überall vor unseren Nasen“. Aber für viele spielen sicherlich der Aufwand und die Kosten eine Rolle. Wenn man nicht viel Einkommen hat, wird eben oftmals zur Milch in der handelsüblichen Verpackung gegriffen als zum Mehrwegprodukt. „Die Milch ist dann halt ungefähr um die Hälfte günstiger“, betont die Mutter.

Deswegen ist einer von ihren Wünschen für die Zukunft, dass es mehr politisches Eingreifen gibt. Zum Beispiel das direkte Eingreifen bei der Herstellung. Aber auch ein Mehrwegpfandsystem ist ihr wichtig. „Auch in Coesfeld in der Gastronomie wäre so ein System umsetzbar“, erklärt Müther. Und ein weiterer Wunsch ist der Exportstopp von Plastik. „Denn das, was nicht da ist, wird auch nicht vermisst“, meint sie überzeugt. 7 Zum Mitdenken und Nachlesen gibt es Infos unter | www.wissenmachtklima.de

Startseite