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Coesfelderin Veronika Demes veröffentlicht Kinderfachbuch über Pflegefamilien

„Kindern soll dieses Buch gut tun“

Coesfeld

„Den hier habe ich neulich zufällig gefunden“, sagt Veronika Demes und lächelt. In ihrem Arm platziert sie den kleinen Astronauten, der bereit zu sein scheint, die weite Galaxie und ferne Planeten zu erkunden. Wenn die Coesfelderin dem kleinen Racker einen Namen geben würde, dann würde ihre Wahl sicherlich auf Piet fallen. Denn Piet spielt die Hauptrolle in dem Buch, das Veronika Demes gemeinsam mit einer Psychologin veröffentlicht hat. Kindgerecht ist in dem Werk alles rund um das Thema Pflegefamilie beschrieben – und mitten drin Piet, der mit seinem Astronautenhelm selbst gern das Weltall erkunden möchte.

Von Leon Seyock

Veronika Demes erzählt in der Geschichte „Von Piet, Planeten und Pflegefamilien“ von dem kleinen Jungen Piet, der in eine Pflegefamilie wechselt. Angereichert ist das Buch mit einem Fachteil einer Psychologin. Das Werk soll eine Stütze sein für Familien und Kinder, die sich in einer Situation wie Piet befinden. Foto: Leon Seyock

Damals, erzählt Veronika Demes, sei sie selbst in einer Pflegefamilie aufgewachsen. Deshalb lag es ihr umso mehr am Herzen, dass Pflegekinder erfahren, dass sie nicht alleine sind und sie sich nicht scheuen müssen, über ihre Situation zu sprechen. Piet nimmt die kleinen und großen Leser mit auf seine ganz persönliche Reise. Er ist eigentlich ein gewöhnlicher Junge, der einen Kindergarten besucht und alles rund um die Raumfahrt liebt. Seine Mutter ist mit ihrer Situation aber überfordert und am Rande ihrer Kräfte. Piet bekommt Unterstützung von seiner Kindergärtnerin, die beschließt, dass die kleine Familie Hilfe vom Jugendamt in Anspruch nehmen soll. So kommt es, dass Piet – gemeinsam mit seinem Teddy Neptun – in eine Pflegefamilie wechselt. Für Piet fühlt es sich so an, als verlasse er seinen eigenen Planeten. „Es ist so, als würde er zur Erde zurückkehren“, beschreibt Veronika Demes. In der Pflegefamilie erlebt Piet allerhand Dinge, „vorrangig geht es aber auch um die Gefühle von Piet“, schildert die Autorin. Es geht um das Liebhaben, um Wut und Trauer, um Glücklichsein.

„Die Geschichte hatte ich schon früh im Kopf und habe sie immer weiter entwickelt. So kam mir auch die Idee, den Jungen Piet zu nennen. Solche Einfälle kommen mir oft beim Spazierengehen mit meinem Hund“, verrät Veronika Demes. Schließlich hat sie ihre Geschichte dem Mabuse-Verlag vorgestellt, in dem sie bereits 2020 ihr erstes Buch veröffentlicht hat. Mit ihrer Idee lief Demes offene Türen ein, da der Mabuse-Verlag ohnehin auf der Suche nach Literatur zum Thema Pflegefamilien gewesen sei.

Da der Mabuse-Verlag im Kinderbereich Fachbücher zu pädagogischen Themen publiziert, befindet sich in dem Buch „Von Piet, Planeten und Pflegefamilien“ neben der Geschichte aus Demes Feder ein Fachteil, der von Diplom-Psychologin Irmela Wiemann verfasst wurde.

„Ich freue mich ganz besonders darüber, dass dieser Teil so toll geworden ist“, meint Veronika Demes, während sie durch das Buch blättert. Was ist eine Herkunftsfamilie? Was macht ein Jugendamt? Was bedeutet es, in einer Pflegefamilie aufzuwachsen? Unter anderem diese Fragen werden in dem Fachteil in kindgerechter Sprache beantwortet, der darüber hinaus Arbeitsbögen, Steckbriefe zum Ausfüllen, Bastelmöglichkeiten und jede Menge weiteres Material bereithält, das Eltern oder Erzieher gemeinsam mit betroffenen Kindern bearbeiten können. Ein kleiner Teil richtet sich zudem auch an Herkunftseltern. „Die Psychologin hat dafür sehr einfühlsame Worte gefunden“, lässt Demes durchblicken. Illustriert wurde das Kinderfachbuch von Lena Walter. „Als ich die ersten Skizzen von ihr gesehen habe, wusste ich, dass es passt“, lächelt die Autorin.

Ein Buch, das man seinem Kind abends an der Bettkante vorliest, ist es nicht. Vielmehr soll es eine Stütze für Kinder und Familien sein, die sich in ähnlicher Situation wie Piet befinden. Fachliteratur zu Themen wie diesem gebe es reichlich, „und auf der anderen Seite gibt es für Kinder meistens nur Bilderbücher. Mit meinem Buch habe ich beides verbunden“, zeigt sich Demes – die in ihren Berufsjahren selbst als Erzieherin tätig war – zufrieden und ergänzt: „Kindern soll dieses Buch gut tun. Sie sollen sehen, dass sie nicht allein sind in ihrer Situation – und dass es vielen Kindern mehr so geht wie ihnen selbst.“ Und so wie Piet.

- Das Fachbuch „Von Piet, Planeten und Pflegefamilien“ ist für 22 Euro erhältlich im Leser-Shop der AZ (Rosenstraße 2). ISBN: 978-3-86321-606-1.

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