Ältestes, wertvollstes, schwerstes und kuriosestes Exponat – ein Gang durch die neue Abteilung des Stadtmuseums

Kirche, Kanone, Kamphues-Legende

Coesfeld. Ihr persönliches Lieblingsexponat in der gerade eröffneten dritten Abteilung des Stadtmuseums? „Puh, lassen Sie mich überlegen. Wir haben so viele tolle Stücke“, sagt Museumsleiterin Dr. Kristina Sievers-Fleer und zeigt nach kurzer Bedenkzeit auf die Marienstatue, die der Bildhauer Johann Rendeles – nach ihm ist in Coesfeld der Rendelesweg benannt – um 1700 aus Lindenholz fertigte. „Das ist eine wunderschöne Arbeit, die sich ursprünglich in der Jesuitenkirche, der heutigen Evangelischen Kirche, befand“, so Sievers-Fleer. Den Grundstein zu dieser Kirche legte Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1606 bis 1678), ein Förderer der Jesuiten, der in Coesfeld – seiner Residenz – viele Spuren hinterlassen hat.

Christine Tibroni

Museumsleiterin Dr. Kristina Sievers-Fleer zeigte beim Rundgang durch die neuen Ausstellungsräume besondere Exponate. Zu den wertvollsten gehören eine prunkvolle Monstranz und ein Gemälde von Wolfgang Heimbach. Ihr persönliches Lieblingsstück ist die Mutter-Gottes-Figur des Bildhauers Johann Rendeles. Fotos: Christine Tibroni Foto: az

Diesen Spuren kann man im neuen Ausstellungsbereich nachgehen und kommt gleich zu Beginn zu den wertvollsten Ausstellungsstücken, was den materiellen Wert angeht: ein Antiphonar, also ein liturgisches Buch für das Stundengebet, von 1537, das der Bischof den Jesuiten schenkte, eine prunkvolle Monstranz, Teil des Coesfelder „Jesuitensilbers“, sowie das Ölgemälde „Die Taufe Christi im Jordan“, das Wolfgang Heimbach im Auftrag von Galens malte. Doch von Galen war nicht nur frommer Bischof, er war auch kriegerischer Landesherr, „nicht umsonst trägt er den Spitznamen Bomben Bernd“, sagt Kristina Sievers-Fleer und lenkt die Aufmerksamkeit auf das mit über 200 Kilogramm Kampfgewicht wohl schwerste Exponat der Ausstellung – ein Mörser mit den Initialen von Galens und der Jahresangabe 1663, der in der Nähe des CoeBads gefunden wurde. Und wer wissen möchte, wie schwer die Kugeln waren, die mit diesem Mörser abgefeuert wurden, kann ein mit dem entsprechenden Gewicht beschwertes Modell heben.

Vom schwersten zum ältesten Stück, das im Original gezeigt wird: Zwei Jadebeile, die ihren Ursprung in den italienischen Alpen haben und die in der Unterabteilung „Handel und Hanse“ belegen, dass die Region schon vor über 4000 Jahren am kontinentalen Handel beteiligt war.

Die letzte Etappe der Ausstellung führt zum museal wertvollsten Exponat, Sivers-Fleer spricht auch vom „heiligen Gral der Stadtgeschichte“ – zur Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte (1197), deren Original allerdings im Stadtarchiv liegt. „Aber wir können hier eine sehr gute Nachbildung zeigen“, so die Museumsleiterin, die zum Schluss auf die wohl kuriosesten Sehenswürdigkeiten weist. Lunten, die angeblich aus dem Haus von Cord Kamphues stammen. Diese schillernde Figur der Stadtgeschichte wurde für den Brandanschlag auf Coesfeld im Jahr 1578 verantwortlich gemacht und im selben Jahr hingerichtet.

Nicht nur diese besonderen Exponate, auch viele andere sorgsam ausgewählte und in Szene gesetzte Zeitzeugnisse machen den Besuch des Stadtmuseums für Jung und Alt zu einer lehrreichen, eindrucksvollen und kurzweiligen Zeitreise von der Gegenwart zurück zu den Anfängen der Stadtgeschichte, die man noch dazu an einem authentischen Geschichtsort erleben kann. Besonderer Clou ist der neue Medientisch im Erdgeschoss, der einen virtuellen Rundgang ermöglicht und auf weitere Museen in der Region aufmerksam macht.

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