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Agility: Andrea Fosse führt ihre Hunde sicher durch den Parcours

Klarer Doppelsieg für den „Pudelsalat“

Coesfeld

Morgens früh um sechs: Peter Fosse packt den E-Rollstuhl seiner Ehefrau ins Auto, die vier Hunde, die den Spitznamen „Pudelsalat“ tragen, haben es sich bereits bequem gemacht in ihrer Box. Auf geht’s nach Ibbenbüren, wo die Para-Bundessiegerprüfung des DVG (Deutscher Verband der Gebrauchshundsportvereine) im Agility ausgetragen wird. Andrea Fosse ist nervös. Übernervös. „Ich bin so aufgeregt“, erklärt sie, „in meinem Magen tanzen die Schmetterlinge.“

Andrea Fosse mit ihren Hunden „Pixel“ (vorn) und „Nano“ (verdeckt).

Die 55-jährige Coesfelderin, die an einer unheilbaren Muskelkrankheit namens HMSN leidet, erzählt, dass ihr im Vorfeld einige Stolpersteine in den Weg gelegt worden sind. „Aufgrund der neuen Tierschutzverordnung brauchen unsere Hunde bis auf ‚Flocke’, der in ‚Hunde-Rente’ ist, ein Gesundheitszeugnis, was mir erst vier Tage vorher per Anruf mitgeteilt wurde.“ Auf die Schnelle habe sie einen Untersuchungstermin beim Tierarzt bekommen. Mit positivem Ergebnis: Sie sind topfit! Alles gut gegangen.

Das wechselhafte Wetter bereitet ihr Kopfzerbrechen. „Bei Regen“, scherzt sie, „würden meine Hunde in den Streik treten.“ In Ibbenbüren treffen sie das Para-Team, das einheitlich gekleidet ist dank des Sponsorings der Schmidt Gruppe Service GmbH aus Coesfeld sowie Agilitini Sportswear aus Recklinghausen. Mit ihren Jacken in leuchtendem Lila und neongelber Schrift sind Andrea Fosse & Co. nicht zu übersehen.

Die Spannung steigt. Jumping, ein vom Leistungsrichter festgelegter Parcours, steht auf dem Programm. Andrea Fosse ist in ihrem Element. Mit ihr rollern abwechselnd „Nano“, „Pixel“ und „Buddy“ fehlerfrei ins Ziel. „Wow“, staunt der Moderator, „ein Hattrick!“ Die Hundefachfrau aus Coesfeld ist hin und weg: „Unglaublich“, bemerkt sie leise, „das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.“ Die Zuschauer sind gerührt, bereiten ihr und den Hunden „Standing Ovations“.

Riesengroß ist der Druck, der nunmehr auf ihren Schultern lastet. „Ich muss die Führung verteidigen“, rattert es in ihrem Kopf, „das wird schwer, ganz schwer.“ Vor dem A-Lauf, der letzten und entscheidenden Prüfung, redet sich Andrea Fosse immer wieder Mut zu. „Keep cool! Du schaffst das.“ Allmählich kommt auch die Sonne heraus. Alles fühlt sich so toll an, als „Frauchen“ mit ihrem „Pudel-Salat“ ran muss. „Pixel“ macht den Anfang. Im Slalom vergisst Andrea Fosse, ihrem Vierbeiner ein eindeutiges Signal nach Slalom-Ende zu geben. Unerbittlich ist die Jury und entscheidet auf Verweigerung, was Punktabzug bedeutet. „Nano“ macht es besser, denn er kommt ohne Schnitzer durch. Und „Buddy“? Er nimmt eine Hürde von der falschen Seite. Dumm gelaufen. Gleichwohl ertönt donnernder Applaus von den Rängen.

Andrea Fosse ist happy über ihr Gesamtresultat. „Ich bin stolz, dass ich fünf meiner sechs Läufe durchgebracht habe, davon vier sogar fehlerfrei.“ Peter Fosse bekommt gleichfalls ein Lob. „Mein Mann hat jeden Hund zur Chipkontrolle geführt, sodass ich mich auf den nächsten Start vorbereiten konnte“, erzählt sie freudestrahlend, „wir sind super eingespielt.“ Alles geht Hand in Hand. Nach fehlerfreien Läufen wird „Nano“ in der Kombiwertung Bundessieger in der Kategorie „Para 1 small“. Seine Hundeschwester „Pixel“ folgt knapp geschlagen auf Rang zwei. Andrea Fosse holt tief Luft, sie ist heilfroh, dass dieser Wettkampf ein schönes und erfolgreiches Ende genommen hat. „Der Akku von meinem E-Rollstuhl pfiff schon beim sechsten Lauf aus dem letzten Loch“, berichtet sie noch immer etwas aufgeregt, „dadurch wurde ich von Minute zu Minute langsamer und hab’ es mit ‘Buddy’ gerade noch ins Ziel geschafft.“ Ihre Bilanz fällt rundum positiv aus: „Ich habe mich drei Mal im Jumping platziert, zwei Mal im A-Lauf und zwei Mal in der Kombiwertung. Viel mehr, als ich erhofft habe.“

Der größte Stress ist die anschließende Siegerehrung. „Ach du grüne Neune“, staunt sie über den Berg an Geschenken, denn neben sieben Pokalen gibt es noch Futtersäcke für die Hunde und anderen Schnickschnack. „Wer, bitteschön“, fragt sie in die Runde, „soll das alles schleppen und nach Hause tragen?“ Peter Fosse, ihr Göttergatte, wer sonst! „Ich bin sooo dankbar für seine tolle Unterstützung“, sagt Andrea Fosse, die nach der langen Pandemie-Pause überaus glücklich ist, dass sie Hundesportler und -sportlerinnen aus allen Teilen Deutschlands endlich wiedergesehen hat: „Wir hatten uns jede Menge zu erzählen, auch wenn man durch die sozialen Medien in Kontakt geblieben ist.“ Ein Extra-Kompliment hält sie für die „Tecklenburger Sportpfoten“ bereit: „Sie haben die Bundessiegerprüfung hervorragend organisiert.“ Auf ihren Lorbeeren werden sich Andrea und Peter Fosse mitsamt ihrer pfiffigen Hunde gewiss nicht ausruhen. „Das war nur der Vorlauf für die Deutsche Meisterschaft im Para-Agility in der Dortmunder Westfalenhalle.“ Bis zum 16. Oktober bleibt ihnen reichlich Zeit, fleißig weiter zu trainieren. Ihr Ziel: „Auch dann möchte ich die Zuschauer in meinen Bann ziehen und feuchte Augen bei ihnen sehen.“ Wetten, dass ihr das gelingen wird...?

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