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Vatikanische Glaubenskongregation spricht sich gegen Segnung homosexueller Paaren aus

„Können das Verbot nicht akzeptieren“

Coesfeld. Dass die Kirchengemeinde St. Lamberti „mit Entsetzen“ auf eine Erklärung aus dem Vatikan regiert hat, zeigt sich deutlich, wenn man an der „Schmiede“ der Gemeinde in der Bernhard-von-Galen-Straße vorbeischlendert. Bilder von Regenbogenfahnen hängen dort in den Fenstern. Weltweit symbolisiert die Fahne Aufbruch, Veränderung und Frieden. Sie gilt als Zeichen der Toleranz und der Vielfalt von Lebensweisen. Die Regenbögen hängen dort, seitdem die vatikanische Glaubenskongregation in der vergangenen Woche klargestellt hat, an dem Verbot der Segnung von homosexuellen und unverheirateten Paaren festzuhalten. Die drei Kirchengemeinden vor Ort reagieren darauf unterschiedlich.

Leon Seyock

Um auch nach außen hin zu zeigen, dass die St.-Lamberti-Gemeinde das Verbot der Segnung von homosexuellen Paaren nicht akzeptiert, hat sie Bilder von Regenbogenfahnen in die Fenster der „Schmiede“ an der Bernhard-von-Galen-Straße gehängt. Darauf steht geschrieben: #meingottliebtjedenmenschen. Foto: Leon Seyock

„Dieses Segnungsverbot können wir nicht akzeptieren“, positioniert sich Pfarrdechant Johannes Arntz klar gegen die Aussage des Vatikans. Begründet sei ebendieses Verbot „mit Traditionstexten“. In der Erklärung heißt es unter anderem, Gott könne „Sünde nicht segnen“. Die Berücksichtigung der Entwicklung von unterschiedlichen Lebenspartnerschaften in der aktuellen Zeit, so Arntz, bleibe dabei komplett außen vor. Die St.-Lamberti-Gemeinde habe sich daher an einer Unterschriftenaktion gegen das Segnungsverbot beteiligt. „Wir sind jederzeit offen für Anfragen zur Segnung homosexueller Paare“, macht der leitende Pfarrer der St.-Lamberti-Gemeinde auf Nachfrage deutlich.

Kritisiert wird das vatikanische Veto auch von Felix Genn, Bischof von Münster. Er plädiert für eine „Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre“. Das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Münster ruft zu „pastoralem Ungehorsam“ auf. „Eine Partnerschaft, die von Liebe und Verantwortung getragen ist, steht unter dem Segen Gottes“, wird Kerstin Stegemann, Vorsitzende der Laienvertretung, in einem Pressetext zitiert.

Der Aufstand gegen diese Erklärung der römischen Behörde sei das Ergebnis davon, dass der Vatikan „an einer Sexualmoral festhält, die nicht an die Wirklichkeit der Menschen angepasst ist“, kommentiert Johannes Hammans, Dechant in der Anna-Katharina-Gemeinde. „Als Seelsorge-Team haben wir eine eindeutige Meinung. Wir halten weiterhin daran fest, dass bei uns alle Menschen eine Segnung bekommen.“ Dieses Statement habe er auch im Pfarrbrief formuliert. Denn es sei etwas Gutes daran, wenn sich zwei Menschen lieben und die Treue schwören – „und dabei spielt die sexuelle Orientierung keine Rolle.“ In der Vergangenheit habe Hammans homosexuell lebende Paare gesegnet, „und Anfragen sind auch in der Zukunft weiterhin willkommen.“ Sein Wunsch ist es, dass sich der Vatikan über dieses Thema mehr Gedanken macht – bezugnehmend auf die heutige Lebensrealität der Menschen. „Die Segnung von homosexuellen Paaren muss offiziell anerkannt werden“, so die Forderung von Hammans.

Zurückhaltender äußert sich auf Nachfrage Stephan Wolf, Pfarrer in der Gemeinde St. Johannes Lette. Wenn er von einem homosexuellen Paar gefragt werde, ob eine Segnung möglich ist, müsse es erst ein längeres Gespräch dazu geben. „Ich bin dem gegenüber grundsätzlich offen. Es muss aber die Absicht hinter dem Vorhaben deutlich werden“, so Wolf. Unterbinden würde er beispielsweise eine Segnung, wenn in dem vorherigen Gespräch klar werde, dass eine Segnung „aus reiner Provokation“ angestrebt werden würde. Auch wolle er diese aus der Öffentlichkeit heraushalten, „und es darf nicht ehe-ähnlich sein.“ Er begründet dies damit, dass „die Kirche seit Urzeiten die Ehe zwischen Mann und Frau“ definiere. Zwar sehe er die Notwendigkeit, dass sich Kirche in Zukunft wandeln muss, „wir dürfen aber nicht auseinanderdriften“, warnt er. Die Frage, ob er in der Vergangenheit bereits homosexuelle Paare in Lette gesegnet habe, ließ Wolf unbeantwortet. | Kommentar

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