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Illegale Reuse mit fast 300 Tieren entdeckt – Fleisch bei Gourmet-Köchen beliebt

Krebs-Wilderei an der Berkel

Coesfeld

Bei Naturschützern ist der Signalkrebs gar nicht gern gesehen, verdrängt der Einwanderer aus Nordamerika doch schon seit rund sechs Jahren den Deutschen Edelkrebs in unseren Flüssen und Bächen. „Bei uns gibt es die heimische Art schon lange nicht mehr“, berichtet Hubert Rietmann, Vorsitzender des Sportfischereivereins Coesfeld 1934, auf Anfrage der AZ über die Situation in Berkel und Co. Der Grund: Der Edelkrebs sei gegen die Krebspest, die der Signalkrebs überträgt und die ihm selbst aber nichts ausmacht, nicht gewappnet gewesen. Sie raffte ihn massenhaft dahin. Der Nordamerikaner hat dagegen keine natürlichen Feinde. Nur den Menschen. Sein Fleisch steht nämlich bei Feinschmeckern hoch im Kurs. Er wird in China-Restaurants, aber auch von deutschen Gourmet-Köchen gerne zu leckeren Gerichten verarbeitet. Die zahlen je nach Qualität 60 bis 80 Euro pro Kilogramm Frischware.

Von Detlef Scherle

Die Signalkrebse stammen ursprünglich aus Nordamerika. Seit rund sechs Jahren breiten sie sich invasiv in Deutschland aus. Im Coesfelder Raum haben sie den Deutschen Edelkrebs schon komplett verdrängt. Bei Gourmet-Köchen ist das Fleisch des Einwanderers beliebt. Foto:

Das Recht, diesen Krebs zur wirtschaftlichen Verwertung aus der Berkel zu fischen, hat allerdings nur der Sportfischereiverein Coesfeld, der den Fluss bis zur Grenze nach Gescher neben einigen Teichen und dem „Kalki“ gepachtet hat.

Da die Krebse so begehrt sind, treten in jüngster Zeit Wilddiebe auf den Plan. Vor ein paar Wochen sorgte ein besonders dreister Fall von Krebs-Wilderei für Aufsehen. Ein noch Unbekannter hatte unweit von Ahlers Mühle (Futterwerk) eine Reuse – wahrscheinlich mit einem Fischköder – ausgelegt und mehrere Tage, ohne sich darum zu kümmern, im Wasser gelassen. Ein Passant entdeckte sie und meldete den Vorfall dem Ordnungsamt der Stadt Coesfeld. Dieses wiederum verständigte den Sportfischereiverein. „Wir haben die Reuse sofort entfernt und den Fall zur Anzeige gebracht“, berichtet Rietmann. Diese Tiere so zu fangen, sei „definitiv nicht in unserem Sinne“, betont er. Rund 300 Krebse saßen darin, berichtet er. Mehrere Tage lang. Eine Reuse könnten Berechtigte allenfalls so einsetzen, dass sie dabei blieben und diese nach einigen Stunden sofort entleerten. Aber so: „Das geht gar nicht.“ Das sei Tierquälerei. Irgendwann, berichtet Rietmann hätten die Schalentiere nämlich die ausgelegten Köderfische gefressen und dann setze, weil sie ja weiter Nahrung brauchten, Kannibalismus ein – „eine schlimme Sache“. Der Sportfischereiverein lege höchsten Wert auf tierschonendes Angeln und Fangen: „Beim Tierschutz sind wir aus gutem Grund sehr pingelig.“

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