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80 Teilnehmer bei Afghanistan-Demo

„Lasst uns zusammenhalten!“

Coesfeld

Immer wieder rinnen Tränen über ihre Wangen, die Stimme stockt, als Narges Hosseini vom Schicksal ihrer Landsleute erzählt. Zwölfjährige Mädchen würden aus den Häusern geholt, vergewaltigt und zwangsverheiratet. „Ich bin selber 15“, sagt sie. „Du wirst nicht respektiert, nur weil du eine Frau bist“, klagt sie die Taliban an, aber auch die internationale Gemeinschaft, die tatenlos zuschaut: „Was ist das für eine Welt?“ Sie sei froh, in Deutschland in Sicherheit zu sein, hat aber auch hier schon negative Erfahrungen gemacht: „Ich werde in der Klasse ausgelacht.“ Es ist die wohl eindrucksvollste und gleichzeitig bedrückendste Rede, die bei der Kundgebung am Samstag auf dem Markt gehalten wird – zum Abschluss eines Demonstrationszuges durch die Innenstadt.

Von Detlef Scherle

Narges Hosseini (l.), ein mutiges 15-jähriges Mädchen, prangerte die Gewalt an, die die Taliban Frauen antun. Mit im Bild: Demo-Organisatorin Noria Jahari. Foto:

Wie auf Bestellung heulen um 12 Uhr Sirenen, als sich die etwa 80 Teilnehmer, darunter etwa ein Dutzend Deutsche (die meisten aus der Pax-Christi-Gruppe und von der Flüchtlings-Initiative), sich an der Jakobi-Kirche treffen. Dem Probealarm folgt Glockenschlag – und dann setzt sich der Zug hinter dem Transparent „Frieden für Afghanistan“ langsam in Bewegung. Während Sprechchöre Menschenrechte fordern, beäugen etliche Passanten die Protestierenden skeptisch. Es gibt auch ein paar abfällige Bemerkungen vom Rand: „Geht doch nach Hause und demonstriert da.“

Auf selbst gestalteten Pappschildern fordern die Demonstranten „Stop Taliban“ und „Rechte für afghanische Frauen“. „Steh auf für Menschenrechte“, rufen sie. In der geschäftigen Fußgängerzone bleibt die Aufforderung ohne Wirkung, auch als sie an den Ständen der wahlkämpfenden Parteien vorbeiziehen. Nur der stellvertretende Bürgermeister Erich Prinz (Grüne) geht mit.

Am Marktplatz angekommen legen die Teilnehmer Rosen für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Afghanistan nieder. Dechant Johannes Arntz (St. Lamberti) betet gemeinsam mit ihnen für den Frieden. „Das ist nicht nur Abwesenheit von Krieg“, betont er, sondern dass Menschen die Möglichkeit haben, sich frei zu entfalten.

Ludger Schulte Roling von der Flüchtlings-Initiative fordert, allen gefährdeten Menschen einen sicheren Fluchtweg zu eröffnen.Der Familiennachzug müsse einfacher und schneller werden. Auch Coesfeld könne mehr aufnehmen. Menschen, die derzeit geduldet würden, sollten als asylberechtigt anerkannt werden. Und: „Die Afghanen hier in Coesfeld brauchen unsere Solidarität, unser Mitgefühl und unsere Unterstützung. Lasst uns zusammenhalten!“

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