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Hohe Erwartungen an Getreideernte enttäuscht

Leichtes Korn senkt den Ertrag

Kreis Coesfeld

Sorgfältig aufgereiht liegt das geschnittene Stroh auf dem Acker, den die Familie Schering aus Goxel in Stevede bewirtschaftet. Während der Trecker über die sogenannten Schwaden fährt, nimmt die angehängte Ballenpresse das Stroh auf und spuckt nach kurzer Zeit einen mit Kunststoffgarn fest verzurrten Quader aufs Feld. Marcel Uesbeck hält an und springt vom Traktor. „Wir haben für die Strohernte in diesem Jahr nur ein kurzes Zeitfenster“, sagt der Ortslandwirt gut gelaunt trotz der vielen Arbeit an diesem späten Mittwochnachmittag. Während das Stroh ungeachtet des wechselhaften Wetters von guter Qualität ist, habe man sich von der Getreideernte mehr versprochen. „Die war letztendlich doch eher durchschnittlich, sogar etwas schlechter als 2020“, bilanziert Uesbeck.

Von Florian Schütte

Ortslandwirt Marcel Uesbeck nutzt das trockene Wetter am späten Mittwochnachmittag, um die letzten Strohballen auf dem Acker zu pressen, den die Familie Schering aus Goxel in Stevede bewirtschaftet. Das Stroh, dessen Feuchtigkeit er hier misst, hat Uesbeck für den Eigenbedarf erworben und nun selbst mit seinem Vater geerntet. Foto: Fotos: Florian Schütte

„Der Schnee im Februar hat dem Getreide aber nicht zugesetzt“, sagt der Coesfelder. Im Gegenteil: „Das Getreide ist super ins Frühjahr gegangen. Deswegen waren wir alle guter Hoffnung, dass wir eine Top-Ernte bekommen.“ Die Ernüchterung war dann groß, als zwar das Volumen stimmte, das Korn aber sehr leicht war und die Erträge nach unten korrigierte. Über die Gründe dafür gehen die Meinungen auseinander. Die einen machen ein heißes Juniwochenende verantwortlich, an dem das Getreide einen Sonnenbrand bekommen und dadurch „dichtgemacht“ habe. Andere sehen die Ursache im stetigen Wechsel zwischen nass und trocken. „Wasser war in diesem Jahr genug da. Man kann nur spekulieren“, zuckt Uesbeck mit den Schultern.

Getreideübergreifend haben die Landwirte sieben bis acht Tonnen pro Hektar eingefahren – Gerste war etwas besser als das übrige Getreide. Zum Vergleich: In Rekordjahren sind es auch schon mal zehn Tonnen. „Wir hatten aber auch mal nur fünf oder sechs Tonnen“, relativiert Uesbeck. Dafür lief die Grasernte mit einem Ertragsplus von 30 Prozent beim ersten Schnitt schon sehr gut. „Da konnten viele Milchviehbetriebe mal wieder einen Jahresvorrat anlegen.“ Das Gras sei zu Heu gepresst oder zu Silage für Milchviehbetriebe und Heulage für Pferdebetriebe verarbeitet worden.

Ein weiterer Lichtblick im Erntejahr 2021 dürfte der Maisertrag werden. „Die Prognosen sind wahnsinnig gut, sowohl in Masse als auch in Qualität“, schwärmt Uesbeck von teilweise drei Kolben pro Pflanze. Einziges Risiko: ein feuchter Herbst, der die Bauern von der Ernte abhält.

Marcel Uesbeck nimmt einen Messstab und steckt ihn an verschiedenen Seiten ins Stroh, während sein Vater Hermann Uesbeck im Hintergrund die Strohballen auf den Ballenwagen schichtet. „Die Feuchtigkeit im Stroh muss unter 16 Prozent liegen, damit es lagerfähig ist“, erklärt Uesbeck. „Sonst kann es anfangen zu schimmeln und die Tiere krank machen“, weiß der Fachmann. 9,9 zeigt der Messer an, das Maximum sind 12,5 Prozent. „Alles im grünen Bereich“, meint Marcel Uesbeck zur Qualität des Roggenstrohs.

Apropos Roggen: Weil der weniger Wasser braucht als Weizen, haben viele Landwirte nach den Dürresommern der vergangenen Jahre nun vermehrt auf dieses eher rar gewordene Getreide gesetzt. „Richtung Billerbeck raus, wo der Boden weniger sandig ist, kann man auch wieder Weizen anbauen“, sagt Uesbeck. Triticale – eine Kreuzung aus Weizen und Roggen – seien weniger gefragt, genauso wie Hafer. Und: „Alles geht in die Fütterung“, sagt Uesbeck. Genau wie ein Teil des erworbenen Strohs, das er an diesem Abend noch in Stevede für den Eigenbedarf einfahren muss.

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