Mieter will Arbeiter wegen Corona nicht in seine Büroräume lassen

Lindencarrée: Schon acht Monate Baustopp

Coesfeld. Die weißen Kalksandsteine sind angeliefert. Das Gerüst ist aufgebaut. Eigentlich könnten jetzt die Bauarbeiter anrücken, um die bisher nur provisorisch im Trockenbau errichtete Außenwand der Bestandsimmobilie in der Süringstraße, neben der das ambitionierte Lindencarrée-Wohnprojekt entstehen soll, durch eine feste Mauer zu ersetzen. Doch niemand ist zu sehen. Seitdem vor acht Monaten die Archäologen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe abgerückt sind (wir berichteten), tut sich nichts mehr auf der Baustelle.

Detlef Scherle

Das Gerüst ist aufgebaut, die weißen Kalksandsteine stehen bereit: Maurer konnten aber bisher noch nicht zur Tat schreiten, weil es Streit mit einem Mieter gibt. Der verweigert für die Bauarbeiten den Zutritt. Foto: Detlef Scherle

„Die Mauer könnte längst fertig sein“, klagt Bauleiter André Niewerth vom Investor SZ Bau (Borken), als die AZ nachhakt, was da los ist. Viel kann oder will er nicht sagen zu den Gründen. Nur: „Ein Mieter legt uns Steine in den Weg.“ Es ist offensichtlich derselbe, mit dem der Investor schon im Zusammenhang mit dem Abriss des „Weißen Riesen“ immer wieder über Kreuz lag (wir berichteten). Im Hintergrund, so Niewerth, seien Anwälte aktiv – man hoffe auf eine schnelle Einigung.

Der Mieter wollte zu dem Streit gegenüber unserer Zeitung keine Stellung nehmen. Dr. Christian Bernd Hüsken von der Münsterländischen Bauen und Wohnen als Besitzer der Bestandsimmobilie bestätigte, was die Spatzen schon von den Dächern pfeifen: dass es um das Betretungsrecht für die Mieträume geht. Damit die Mauer hochgezogen werden kann, müssen die Bauarbeiter zeitweise dort hinein. Alle Mieter des Gebäudes seien damit auch einverstanden. Nur einer, der dort Büroräume hat, eben nicht. Er begründe das mit dem Schutz vor Corona für sich und seine Mitarbeiter, erklärt Hüsken. Es seien schon mehrere Gespräche geführt worden, um eine Lösung zu finden – leider vergeblich.

Die Stadt Coesfeld sieht sich derzeit noch nicht in der Pflicht, in den Streit einzugreifen. „Die Behebung des Schadens ist originär eine privatrechtliche Sache zwischen den Beteiligten: a) den beiden benachbarten Grundstückseigentümern und b) dem Eigentümer des Geschäftshauses im Verhältnis zu seinen Mietern“, erklärt Stadtsprecherin Andrea Zirkel. Die Bauordnungsbehörde werde erst einschreiten müssen, „wenn sich die Beteiligten nach entsprechenden Einigungsversuchen nicht einig werden“.

Welches Prozedere ist in dem Fall vorgesehen? „Zunächst wird ein Anhörungsverfahren durchgeführt: Der oder die Mietparteien, deren Mitwirkung bisher nicht zu erreichen ist, müssten dann erläutern, warum sie ihrem Vermieter den Bau der Außenwand verwehren“, so Zirkel. „Nächster Schritt nach der Anhörung wäre dann gegebenenfalls nach Wertung der Stellungnahme und Vorliegen der Voraussetzungen eine ordnungsbehördliche Duldungsverfügung.“

Ob es soweit kommen muss, bleibt nun abzuwarten. Es gibt allerdings auch noch einen weiteren Grund dafür, dass sich die Bauarbeiten am Lindencarrée verzögern. Der Investor hat zwischenzeitlich noch einmal Änderungen bei der Planung der Tiefgaragen auf dem Gelände vorgenommen. Dass die SZ Bau dafür noch keine Genehmigung hat, liegt aber nicht an der Stadt Coesfeld. „Der Bauherr hatte im Planungsamt zwar angekündigt, dass er eine Änderung der Tiefgarage erwägt“, so Zirkel, der Antrag als Nachtrag zur Baugenehmigung sei aber erst am Mittwoch dieser Woche eingereicht worden.

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