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Rund 80 Bürger bei Auftaktveranstaltung zur Entwicklung einer Innenstadtstrategie

Lockerer Austausch für lebendige City

Coesfeld

Es ist keine leichte Aufgabe, mit der Nicole Bodem ins neue Amt der City Managerin startet. Doch gähnende Leere in mehreren Ladenlokalen mitten in der Innenstadt erfordern dringenden Handlungsbedarf. „Das kann Ihre City-Managerin aber nicht alleine“, sagt Ute Marks vom Planungsbüro Stadt + Handel aus Dortmund. „Weder ist sie 24/7 noch von den Avengers.“ Und Bodem kann bei ihrer Arbeit auf die Mithilfe der Coesfelder setzen. Rund 80 Interessierte sind der Einladung der Stadt zur Auftaktveranstaltung „Stadt machen“ am Montagabend an der Freilichtbühne gefolgt. 80 Prozent von ihnen – das zeigt eine digitale Live-Umfrage – wollen mithelfen, die Coesfelder Innenstadt zukunftsfähig aufzustellen.

Von Florian Schütte

Mit lockeren Gesprächen vorm Hexenhäuschen klingt der Auftakt-Abend zur Entwicklung einer Innenstadt-Strategie aus. Hier spricht Bürgermeisterin Eliza Diekmann (vorne rechts) mit einer jungen Teilnehmerin, der in der ganzen Untersuchung die Jugend ein wenig zu kurz kommt. Foto: Fotos: fs

Unter ihnen sind viele bekannte Gesichter aus der lokalen Wirtschaft, Politik und Kultur, wie auch Bürgermeisterin Eliza Diekmann zu Beginn feststellt, bevor sie zur neuen City-Managerin Nicole Bodem überleitet. „Ich brauche Sie und die Ziele, die wir verfolgen, um Coesfeld nach vorne zu bringen“, lädt Bodem die Gäste zum Mitgestalten ein. Ihre erste Einschätzung nach drei Wochen: Die City muss weiter belebt, aber nicht wiederbelebt werden.

Das bestätigt auch Ute Marks, die mit ihren Kolleginnen Katharina Ruhr und Friederike Blum humorvoll die Ergebnisse ihrer Untersuchung vorstellt. „Coesfeld geht es vergleichsweise gut“, betont Marks. Umso besser sei es, dass Coesfeld sich frühzeitig auf den Weg mache. Viele moderne Schlagworte fallen bei der Analyse des Ist-Zustands. Von Wertewandel, demografischem Wandel, Individualisierung und Hybridisierung ist da die Rede. Klassisches Beispiel für Letzteres wäre der Bäcker, der nicht nur Brötchen verkauft, sondern auch ein Café betreibt. Alles auch im Kontext der Corona-Krise betrachtet.

Und natürlich komme man am Online-Handel nicht vorbei, dem Corona noch einmal Auftrieb verliehen hat. Plattformen wie Amazon, das allein auf dem deutschen Markt 229 Millionen verschiedene Artikel vertreibt, fordern stationäre Einzelhändler auf, flexibler zu agieren – zum Beispiel über Pop-up Stores, die vorübergehend in leeren Ladenlokalen errichtet werden. Marks ermuntert die Einzelhändler und Gastronomen, die Digitalisierung zu nutzen und das Prinzip der digitalen Speisekarte, wie sie viele Restaurants in der Coronazeit eingeführt haben, weiterzudenken. Strukturen müssen aufgebrochen werden. Marks bringt hier „multifunktionale Bauanträge“ ins Spiel, mit denen Bürokratie bei Umnutzungen abgebaut werden könne.

26 Ladenleerstände im März 2021 sprechen eine deutliche Sprache. Eine konkrete „Quartiersabgrenzung“ sei erforderlich, wie Katharina Ruhr betont. „Wir können keine Maßnahmen entwickeln, die für die gesamte Innenstadt zielführend sind“, hebt sie hervor. Gemeinsam mit der City-Managerin soll nun eine „Task Force Innenstadt“ aufgebaut werden, die in einem nächsten Schritt Handlungsempfehlungen erarbeitet.

„Es wird nirgends deutlich, wie Sie die Jugend einbeziehen wollen. Das finde ich schade“, sagt bei der offenen Fragerunde eine junge Zuhörerin. Ute Marks würde es jedoch begrüßen, wenn sich auch möglichst viele junge Menschen beteiligen. „Ihr seid die Stadt-Experten von morgen!“

Und dann geht es an die Smartphones. Bei der Live-Abstimmung liegt Coesfeld in der Zustimmung zu den vorgegebenen Aussagen meistens bei drei von fünf Sternen. Mit Blick auf ein „vielfältiges Gastronomie-Angebot“ macht sich wohl der viel beschworene, aber immer noch fehlende Italiener bemerkbar. Hier gibt es mit zwei von fünf nur eine geringe Zustimmung. „Und auch im Bereich der digitalen Erreichbarkeit ist noch Luft nach oben“, stellt Katharina Ruhr fest. Mit lockeren Gesprächen vorm Hexenhäuschen klingt der Sommerabend aus.

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