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Coesfelder Markus Köchling engagiert sich ehrenamtlich für Auswilderungsprojekt in Polen

Magische Momente mit fast ausgestorbenen Tieren

Coesfeld

(fs). Auf Tuchfühlung mit den größten Landsäugetieren Europas gehen – diese Erfahrung hat Markus Köchling kürzlich im nördlichen Polen gemacht. In seinem Instagram-Beitrag steht der Coesfelder in einer Kiefernschonung – umgeben von rund 50 ausgewilderten Wisenten. „Und schaut mal dort hinten, da ist kein Zaun, nichts als Wisente“, sagt der Tierpflegemeister, während die Kamera durch den Wald schwenkt. Seit drei Jahren engagiert sich der 31-Jährige schon ehrenamtlich für die Westpommersche Naturschutzgesellschaft, die sich auch dem Schutz einer weiteren fast ausgestorbenen Tierart verschrieben hat: dem Luchs.

Drei Tage war Markus Köchling in Polen und hat sich dort vom Erfolg des Auswilderungsprogramms für Wisente überzeugt. Foto:

Angst habe er keine mitten in der Herde dieser Europäischen Bisons, wie die Wisente auch genannt werden, gehabt. Faszination trifft es schon eher. „Das sind wirklich magische Momente, zwischen diesen Tieren zu stehen, die eigentlich schon ausgerottet waren und nur mithilfe von Zoos gerettet wurden“, schwärmt Köchling. Auch einen Luchs auf Biberjagd hat er auf seiner dreitägigen Polenreise gesehen, deren Quintessenz eine wichtige Erkenntnis war: Das polnische Modell für ein Auswilderungsprogramm habe Beispielcharakter. Denn in Westpommern sei man zunächst der Ursache für die Ausrottung von Wisent und Luchs auf den Grund gegangen. Antwort: Weil die Menschen die Tiere als Gefahr gesehen haben. Also habe man zunächst die Menschen für die Tiere wieder begeistern müssen. „Es wurden alle in der Region mit ins Boot geholt und mit Notfallnummern für den Wildlife Service ausgestattet“, berichtet Köchling. Erst danach habe man mit der Auswilderung begonnen. Wenn es also mit den Tieren mal Probleme geben sollte, wissen die Menschen direkt, zu wem sie Kontakt aufnehmen müssen. „Die Population wird gemanagt und alle Wisente mit einem GPS-Sender versehen“, nennt Köchling, der selbst einen Wildlife Service betreibt, ein Beispiel. „Wenn die Wisentherde nun zu nah an der Autobahn ist, lockt sie ein Ranger direkt von dort weg.“ Wie das geht bei einer Herde, die doch eigentlich wild sein soll? „Zwei Kühe sind zahm, die sind die Chefinnen, und wenn man die weglockt, folgt ihnen auch die Herde“, lüftet Köchling das Geheimnis. Dieser Erfolg beweise, dass – vielen Unkenrufen zum Trotz – eine Auswilderung von Zootieren durchaus erfolgreich sein kann. „Ich fand dieses Konzept so sympathisch, dass ich gesagt habe: Bei den Luchsen helfe ich euch“, erklärt Markus Köchling. Also habe er bei sämtlichen Zoos und Tierparks aus seinem Kundenkreis nachgefragt, ob diese überzählige Luchse für ein Auswilderungsprogramm zur Verfügung stellen könnten. „Man muss jedoch vorher die Genetik prüfen, ob die Tiere für eine Auswilderung überhaupt geeignet sind“, erläutert Köchling. Denn auf die Unterart komme es an. Für die Auswilderung in Westpommern kommen nur der Nordluchs und der Karpatenluchs infrage.

Von den knapp über 60 Luchsen, die 2019 ausgewildert wurden, habe Köchling rund die Hälfte vermitteln können. 52 Luchse haben überlebt. Denn, auch das gehört zur Wahrheit: „Man hat natürlich auch kleine Verlustraten“, schildert Köchling. „Aber eine Überlebensquote von über 80 Prozent ist enorm“, findet er. Nach zwei Jahren ist die Luchspopulation in Westpommern nun auf über 200 wilde Katzen angestiegen.

Auch in Deutschland gebe es genug Lebensräume. Im Harz und im bayrischen Wald sind Luchse bereits wieder heimisch. Bei den Wisenten im Rothaargebirgen klappt es hingegen weniger gut. Immer wieder kommt es dort zu Konflikten mit Waldbauern. „Solche Populationen müssen gemanagt werden. Ohne geht es nicht“, wiederholt Köchling.

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