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Blick in die Vergangenheit: der frühere Ortskern in Lette, das damalige Pastorat und der Hof König

Mauerreste wecken Erinnerungen

Lette. Pflastersteine sind in mehreren Blöcken gestapelt und warten darauf, zu einem Gehweg verlegt zu werden. Der Brunnen am Gemeindeplatz ist längst verschwunden. Stattdessen prägen in diesen Wochen Bauzäune, Sandhügel und Bagger das Bild des Platzes in Lette. „Dort“, sagt Klaus Fels und zeigt über den Gemeindeplatz in Richtung Seniorenwohnanlage, „hat früher das alte Pastorat gestanden. Und rückwärtig gelegen, wo heute die Florianstraße ist, war der alte Hof König.“

Leon Seyock

Erinnern sich gemeinsam an vergangene Zeiten und die Nutzung des heutigen Gemeindeplatzes: (von links) Hubert Brinkschulte, Heinz Scharlau, Klaus Fels, Josef Brinkschulte und Paul Schmitz. Foto: Leon Seyock

Ein mit Sand beladener Lkw biegt in diesem Moment vom Gemeindeplatz ab. Von der damaligen Nutzung des heutigen Gemeindeplatzes – zentraler Ort für Geselligkeit in Lette – ist nicht mehr viel übriggeblieben. Und doch erinnerten zu Beginn der Umgestaltungsarbeiten Mauerreste im Boden, die in der Nähe der Parkplätze zum Vorschein kamen, an vergangene Zeiten.

Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung und der Archäologie des LWL hieß es zunächst, dass diese Mauern von dem alten Pastorat zeugen könnten (wir berichteten). „Das Pastorat hat zwar auch hier gestanden, aber die Mauerreste müssen vom alten Hof König sein“, weiß Fels. Er selbst ist in der Nachbarschaft groß geworden und kann sich deshalb gut an die damalige Nutzung des Areals erinnern. Genauso wie Heinz Scharlau, Paul Schmitz, Hubert Brinkschulte und Josef Brinkschulte, die gemeinsam in Erinnerungen schwelgen.

„Ich sehe noch heute die Jungs, wie sie mit ihren lauten Treckern über den Hof fuhren“, sagt Klaus Fels lachend. Das alte Bauernhaus, ein schönes Fachwerkgebäude, wie es Bilder belegen, muss auf der vom Gemeindeplatz aus gesehen anderen Seite der Florianstraße gestanden haben, „und der Schweinestall, von dem übrigens die gefundenen Mauerreste stammen, stand etwas weiter in Richtung altes Pastorat“, wirft Paul Schmitz ein.

Auf dem Weg zur Schule, zu Freunden oder nachmittags zum Spielen: Schon damals sei der Platz ein zentraler Ort des Dorfes gewesen. „Wo heute die Florianstraße ist, war früher nur ein Pättken mit vielen Bäumen, in die wir immer geklettert sind“, sagt Schmitz. „Und auf dem Hof haben wir früher Schweine gefangen. Und auch mal Wäsche geklaut“, bringt Klaus Fels grinsend hervor. „Wir hatten nun mal auch Unsinn im Kopf“, gibt er zwinkernd zu.

Zwischen dem Gehöft König und dem Pastorat habe es damals außerdem eine große Obstwiese gegeben. „Die Brücke, die heute am BHD über den Bühlbach führt, war früher viel kleiner, und ein Tor führte dahinter direkt auf diese Wiese des Pastors“, erinnert sich Heinz Scharlau. Obst gepflückt haben die heimatverbundenen Männer früher zwar nicht, „aber spielen konnte man dort sehr gut“, so Klaus Fels. Auch die Familie König habe eine große Wiese auf ihrem Anwesen besessen.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist auf ebendieser Wiese eine Luftmine explodiert, wie Scharlau schildert. „Das gesamte Dach des Bauernhauses der Familie König wurde dadurch zerstört und musste neu aufgebaut werden.“

Aber schon rund 15 Jahre später sollte der Hof König Geschichte sein, zumindest auf dem heutigen Gemeindeplatz. „Durch ein Flurbereinigungsverfahren wurde die Familie im Jahr 1959 in den Letter Bruch umgesiedelt“, erläutert Paul Schmitz. Grundstücke wurden neu geordnet, und auch das zentrale Areal in Lette sollte neu genutzt werden. Noch heute lebt die Familie im Bruch nahe des Quarzwerkes, sie muss aber aufgrund von Erweiterungsabsichten in der nahen Zukunft erneut umziehen – nun verschlägt es sie zum Wulferhook.

Unterdessen laufen auch die Arbeiten am Gemeindeplatz weiter, die nach Abschluss für mehr Aufenthaltsqualität sorgen sollen. Auch wenn die Mauerreste bereits nicht mehr zu sehen sind – die Erinnerungen, die die Mauern hervorgerufen haben, leben weiter.

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