1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Coesfeld
  6. >
  7. Mit der Luftwaffe ausgeflogen

  8. >

Familie Alemi hat „privilegierte Flucht“ erlebt

Mit der Luftwaffe ausgeflogen

Lette

Ende Juni sind die letzten Soldaten der Bundeswehr aus Afghanistan ausgeflogen worden. Die Bundeswehr hat dort ihren Einsatz nach fast 20 Jahren beendet. In einem der Flieger nach Hamburg saß auch Mohammad Yasin Alemi mit seiner Familie. Der 40-Jährige Afghane war elf Jahre lang als Sicherheitskraft im Feldlager „Camp Marmal“ in Masar-i-Scharif für die Bundeswehr tätig.

Von Manuela Reher

Mohammad Yasin Alemi (40) ist als ehemalige Sicherheitskraft der Bundeswehr mit seiner Frau (nicht im Bild) und seinen sechs Kindern mit der Luftwaffe aus Afghanistan ausgeflogen worden. Foto: Fotos: Manuela Reher

Seit Anfang Juli lebt Alemi nun mit seiner Frau und seinen sechs Kindern in zwei Wohnungen der städtischen Flüchtlingsunterkunft an der Bruchstraße in Lette. Er sei froh, in Deutschland sicher zu sein, sagt er. Denn in seinem Heimatland hätte er als ehemaliger Mitarbeiter der Bundeswehr „Repressalien“ durch die Taliban befürchten müssen. Er hätte um seine Freiheit oder gar sein Leben fürchten müssen.

Daher seien auch viele seiner ehemaligen afghanischen Arbeitskollegen mit der Luftwaffe ausgeflogen worden. Alles sei vor der Abreise vom Ministerium bestens vorbereitet worden. Alemi hatte Ausweispapiere und Heiratsurkunde bei sich, als er ins Flugzeug stieg und nach neun Stunden in Hamburg landete.

„Damit ist er privilegiert“, sagt Afsana Moradi, die seit geraumer Zeit als Dolmetscherin für ihre Landsleute in Lette tätig ist. Die junge Frau berichtet von der Flucht ihrer eigenen Familie. Vor allem zu Fuß, aber auch mit dem Boot sei sie mit ihren Eltern und Geschwistern geflüchtet und schließlich in Lette gelandet, wo sie schon seit einigen Jahren lebt.

Mohammad Yasin Alemi müsse kein aufwändiges Asylverfahren durchlaufen, sagt Gerold Wilken, der sich gemeinsam mit Christoph Nolte und weiteren Mitstreitern seit Anfang 2016 um die Geflüchteten in Lette kümmert. Das Ministerium habe bereits alle Vorkehrungen getroffen, dass Alemi bleiben könne.

Obwohl sich der Afghane nun sicher fühle, sei er auch ein wenig traurig darüber, seinem Heimatland den Rücken gekehrt zu haben, sagt er. Der Familienvater wünscht sich nichts sehnlicher als eine große Wohnung für seine Familie, wie er immer wieder betont.

Seine ehemaligen Arbeitskollegen und deren Familien hätten in Hamburg bereits Wohnungen zugewiesen bekommen. Auch nach einer Arbeitsstelle wolle er Ausschau halten. Nolte betont, dass es zunächst das Wichtigste sei, dass er und seine Familie möglichst schnell die deutsche Sprache erlernen. Für die älteren seiner sechs Kinder, die ein bis 16 Jahre alt sind, beginne in Kürze der Schulalltag.

Mohammad Yasin Alemi werde vor allem Hilfe bei Behördengängen benötigen, beim Besuch des Jobcenters oder einer Bank, meint Wilken. Nolte macht ihm klar, dass die Flüchtlingshelfer keine Wohnung auf dem normalen Wohnungsmarkt „hervorzaubern“ können. Auch für einheimische Familien sei das ein schwieriges Unterfangen, betont er und dämpft damit zu hohe Erwartungen.

Startseite