Muslime feiern heute den Abschluss des Ramadans

Nach dem Festgebet gibt’s Süßes

Coesfeld. Im Eingangsbereich des Gebetshauses steht ein Einkaufswagen voller Bonbons und Schokoriegel. „Ich hab gerade schon eingekauft“, schmunzelt Sener Bozdere. Der Vorsitzende des Türkisch-Islamischen Kulturvereins freut sich schon auf das Ramadan-Fest, das für Muslime heute den traditionellen Abschluss des Fastenmonats bildet.

Florian Schütte

Für Kinder ist der Abschluss des Fastenmonats das Zuckerfest – wegen der vielen Süßigkeiten. Die Erwachsenen nennen das Fastenbrechen schlicht Ramadan-Fest, wie (v.l.) Sener Bozdere, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, und Imam Ali Özdogan erklären. Fotos: Florian Schütte Foto: az

In den Räumen an der Fabrikstraße riecht es noch ein wenig nach Farbe und frischem Holz. „Wir konnten ja letztes Jahr leider nichts machen, da haben wir das Jahr für Renovierungen genutzt“, sagt Bozdere und führt in den Gebetsraum mit seinem Teppich in einem leuchtenden Türkis. Dort wartet schon Imam Ali Özdogan, der die vergangenen drei Jahre für den Türkisch-Islamischen Kulturverein tätig war. Am Samstag fliegt er wieder in seine Heimat, die Türkei, zurück. „Ich sollte erst nur für zwei Jahre hier bleiben, aber wegen Corona durfte ich ein Jahr verlängern“, sagt der Geistliche. „Der neue Imam soll sogar für fünf Jahre bleiben“, verrät Özdogan, während Sener Bozdere schon mal eine Servierplatte mit Süßigkeiten vorbereitet.

Überall sind kleine Stücke rot-weißes Flatterband auf dem Boden angebracht. An der Wand hängt eine digitale Tafel, die minutengenau den Beginn für jedes Gebet während des Tages anzeigt. „Am Donnerstag treffen wir uns um 5 Uhr hier zunächst zum Morgengebet“, erklärt Bozdere. „Dann gehen alle wieder nach Hause und ziehen sich festlich an.“ Um 6.30 Uhr folgt dann das Festgebet zum Fastenbrechen. Dieses dauert rund 20 Minuten. Beim Verlassen des Gebetsraums dürfen sich alle Anwesenden etwas von den Süßigkeiten auf der Servierplatte mitnehmen. „Danach frühstückt man mit der Familie. Normalerweise würden wir im Anschluss noch Verwandte besuchen“, berichtet Bozdere. „Aber in diesem Jahr werden wir nach dem Frühstück wohl zum Telefon greifen müssen“, bedauert er.

Der Begriff „Zuckerfest“ gelte vor allem für die Kinder. „Für uns Erwachsene ist es einfach das Ramadan-Fest“, erklärt Bozdere. Danach werden die Mahlzeiten, die während des Fastenmonats nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang eingenommen werden durften, wieder regulär stattfinden. „Man gewöhnt sich daran“, antwortet Bozdere auf die Frage, ob es nicht hart sei, einen ganzen Monat während des Tages nichts essen und trinken zu können. „Wenn man rechtzeitig aufsteht, kann man noch ein kleines Frühstück zu sich nehmen. Ich trinke vor Sonnenaufgang zumindest immer zwei Gläser Wasser“, sagt Bozdere. „Im Sommer ist es schon hart, nichts trinken zu dürfen“, gesteht Ali Özdogan. Aber: „Das Essen schmeckt abends im Ramadan umso besser“, lächelt der Imam.

Und wie sieht es mit dem Vatertag aus, der heute an Christi Himmelfahrt von Christen gefeiert wird? Gibt es da auch ein ähnliches Fest im Islam? „Nein, Vatertag und Muttertag ist bei uns jeden Tag“, schmunzelt Sener Bozdere.

Startseite