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Turbulenzen im Kulturausschuss: Plötzlich gibt es Ideen für eine Fortsetzung der ehrenamtlichen Trägerschaft

Neuer Vorschlag fürs Puppenmuseum

Coesfeld

Eine kurze Einleitung – dann lässt Rosemarie Niemeier, sachkundige Bürgerin für die CDU im Kulturausschuss, die Bombe platzen – und trifft viele Ausschusskollegen, Verwaltungsvertreter und Mitglieder des Trägervereins für das Puppen- und Spielzeugmuseum ins Mark: „Wir sind der Ansicht, dass ein Museum dieser Art ehrenamtlich geführt werden sollte.“ Man habe Gespräche geführt, auch mit Mitgliedern des Trägervereins. „Es gibt Leute, die Interesse haben, das zu machen.“

Von Ulrike Deusch

Was wird aus dem Puppen- und Spielzeugmuseum? Am 29. September soll im Kulturausschuss die Entscheidung fallen. Der Runde Tisch, der eigentlich eine Lösung finden sollte, ist krachend gescheitert. Foto: Fotos: Florian Schütte

Ungläubiges Staunen, Achselzucken, fragende Blicke – und dann fliegen die Fetzen. Schließlich ist der Ausschuss zusammengekommen, um den, so wörtlich, „Vorschlag des Runden Tisches“ zur Anfrage des Puppen- und Spielzeugmuseums auf Übernahme durch die Stadt offiziell zur Kenntnis zu nehmen. In diesem reichlich verschwurbelt formulierten Text ist von umfangreichen Vorbereitungen – unter anderem juristischer Art – durch die Stadt zu lesen, damit dem Ausschuss im September die Empfehlung für eine Entscheidung vorgelegt werden könne. Dass der Runde Tisch damit keineswegs den Weg für eine Übernahme durch die Stadt frei machen will, wird vielen Ausschussmitgliedern erst im Lauf der Sitzung klar. Wer von der überraschenden Alternative wusste, auch.

Museumsleiterin Marlene Langehanenberg jedenfalls nicht. Immer wieder versucht sie, vom Zuschauerraum aus sich Gehör zu verschaffen. Und immer wieder erinnert Ausschussvorsitzender Tobias Musholt (CDU): „Sie haben hier kein Rederecht.“

„Wir hampeln seit zweieinhalb Jahren mit dem Runden Tisch herum und jetzt gibt es eine neue Idee“, ist Sami Bouhari, der die SPD vertreten hat, irritiert. Wie Martina Vennes (Pro Coesfeld): „Saß die CDU nicht mit am Runden Tisch?“, versteht sie Niemeiers Vorschlag nicht. „Warum wurde die Idee nicht da thematisiert?“ Keine Antwort. Kirsten Fabry (FDP) ist richtig sauer: „Die Stadt bereitet hier offenbar gerade etwas vor, das nun im September Makulatur sein dürfte. Wir verschwenden Geld und Ressourcen“, schimpft sie.

Tobias Musholt, auch Mitglied des Runden Tisches, versucht sich in Erklärungen: „Wir haben bei den beiden ersten Treffen keine Lösung gefunden. Wir wollten endlich etwas präsentieren. Der öffentliche Druck wurde immer größer“, erklärt er die Widersprüche. Unterdessen macht Fachbereichsleiterin Dr. Mechtilde Boland-Theißen (saß auch am runden Tisch) deutlich, dass die Verwaltung an der Position festhält, dass sie aus Kostengründen eine Übernahme des Museums durch die Stadt nicht empfiehlt. Georg Veit (Pro Coesfeld) redet Tacheles: „Der Runde Tisch hätte vielleicht einfach sagen sollen, dass er zu keinem Ergebnis gekommen ist.“

Veit ist es auch, der sich bemüht, das Thema wieder auf die Sachebene zu bringen. Er listet viele offene Fragen für den Fall einer Übernahme des Museums durch die Stadt auf, wirbt dafür, die einst vom Rat beschlossenen Kriterien für die Übernahme privater Sammlungen zu beachten und die Kostenfrage zu bedenken. Ähnlich hat auch Niemeier argumentiert. Angesichts dieser Entwicklungen kündigt Boland-Theißen an, die Vorbereitungen der Stadt für die Entscheidungsfindung im September „auf ein Minimum“ zu reduzieren.

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