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Neuer Steuerungskreis will Thema noch umfassender in den Blick nehmen

Nicht nur „Fairtrade“ – auch nachhaltig

Coesfeld

Coesfeld bleibt „Fairtrade-Stadt“. Im Rahmen der Kampagne Fairtrade-Towns ist sie erneut für zwei Jahre zertifiziert worden. Die Kriterien werden erfüllt (siehe Kasten). Doch seit dem letzten Mal hat sich so gut wie keine Veränderung ergeben, so dass Bürgermeisterin Eliza Diekmann jetzt beim ersten Treffen der neuen Steuerungsgruppe ankündigte, dass es danach nur weitergehen sollte, „wenn wirklich etwas dahinter steht“. Will heißen: Die Stadt sollte sich nur dann mit dem Fairtrade-Schild am Ortseingang schmücken, wenn Coesfeld nicht nur die Grundbedingungen erfüllt, sondern deutlich mehr tut. Dass dafür durchaus Rückhalt vorhanden ist, wurde bei dem Treffen deutlich, an dem rund 15 Vertreter des örtlichen Handels, von Schulen, Gruppen, Vereinen, Kirchengemeinden und freien Trägern teilnahmen. Allerdings signalisierten viele auch, dass ihnen „fairer Handel“ vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen allein nicht ausreicht, auch Regionalität und Nachhaltigkeit sollten hinzukommen.

Von Detlef Scherle

Die Mitglieder der Steuerungsgruppe freuen sich über Rosen aus fairem Handel, die Sylvia Wenniges (Praktikantin beim Stadtmarketing) verschenkt: Dirk Waterkamp (l., Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg) und Anita Wolthaus (r., Coesfeld for Future). Foto: Foto: ds

Als Gast war online Albert Röhl, ein Referent der Fairtrade-Organisation, zugeschaltet, der vielfältige Möglichkeiten aufzeigte, wie Coesfeld noch weiter aktiv werden könnte. So gibt es zwar einen regelmäßigen Verkauf fair gehandelter Produkte in der St. Lamberti-Gemeinde und auch örtliche Händler sowie Initiativen in Schulen bieten punktuell solche Waren an – ein „Weltladen“ wie in vielen anderen Städten mit einem umfassenden Sortiment fehlt in Coesfeld aber noch. Das, so Röhl, könnte „ein Ankerprojekt“ sein. Bei einer Bestandsaufnahme stellten die Teilnehmer auch fest, dass die Kampagne von der hiesigen Gastronomie noch gar nicht aufgenommen wurde. „Fair gehandelten Kaffee kann man noch nirgendwo in Coesfeld trinken“, konstatierte Diekmann. Auch dort wären Initiativen sinnvoll. „Best practise-Beispiele“, wie andere Kommunen mit dem Thema umgehen, nannte Röhl. So habe es in Ahaus schon eine Fahrradtour mit Stationen bei gastronomischen Betrieben gegeben, die fair gehandelte Produkte auf ihrer Karte führen. Gewinnen könne man Gastronomen vielleicht mit einem Seminar mit einem „Kaffee-Sommelier“. In Rheda-Wiedenbrück machte eine „Faire Fastenaktion“ Furore. Und in gleich mehreren Städten wurden „faire Fußballturniere“ mit fair gehandelten Bällen veranstaltet. Für sinnvoll hält auch Röhl, bei allen Aktionen nicht nur auf „fair“ zu setzen, sondern auch regional und bio mitzudenken: „Man sollte versuchen, diese Verbindung hinzubekommen.“

Ideen hatte er auch im Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen: Da sollte man versuchen, die Kandidaten dazu zu bewegen, sich für „fairen Handel“ einzusetzen. Und in einigen Städten sei es auch schon gelungen, dass Parteien nach der Wahl Aufsteller zur Verfügung stellten, um sie mit Plakaten mit „Fairtrade“-Botschaften zu bestücken. Flashmobs für Weltläden seien schon in Dülmen und Billerbeck durchgeführt worden, verwies er auf erfolgreiche Aktionen in der Nachbarschaft.

In Coesfeld soll es nun in der bundesweiten „Fairen Woche“ vom 10. bis 24. September mit den Planungen weitergehen. Diekmann will dann den Steuerkreis erneut zusammenrufen.

| fairtrade-towns.de

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