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Klima-Challenge im Juli: Evelyn Weghake hat sich für bewussten Kleidungskauf entschieden

Nur noch Lieblingsstücke im Schrank

Coesfeld

Evelyn Weghake kennt das Problem aus früheren Zeiten nur zu gut. Man steht vor dem Kleiderschrank, der prall gefüllt ist, und glaubt dennoch, nichts Passendes darin zu finden.

Von Manuela Reher

Ein Winkel in der Hose ist für Evelyn Weghake kein Grund, das Kleidungsstück zu entsorgen. Stattdessen wird zu Nadel und Faden gegriffen, um die Hose zu reparieren. Foto:

In eine solche Situation kommt die zweifache Mutter heute nur noch selten. Denn sie hat ihren Kleiderschrank damals gründlich umgekrempelt und nimmt damit an der Klima-Challenge teil, die die Initiative „Coesfeld for Future“ ins Leben gerufen hat. In ihrem Schrank finden sich neuerdings nur noch Lieblingsstücke und bequeme Kleidung. Manche gut erhaltene Sachen hat die Gescheranerin an Familie, Freunde und Bekannte verschenkt. Andere hat sie an Kleidermärkte verkauft oder im Sozialkaufhaus No. 10 am Kirchplatz in Gescher abgegeben.

„Die zielgerichtete Abgabe war und ist mir sehr wichtig“, sagt sie. Manche verschlissenen Kleidungsstücke landeten aber auch im Restmüll, weil sie aufgetragen waren. Wer allerdings seine Kleidung in den Altkleider-Container werfen wolle, solle darauf achten, ob und wie die Kleidung verwertet oder wiederverwendet wird, rät Evelyn Weghake.

Die Gescheranerin hatte damals viel Garderobe, auch bedingt durch ihren Beruf und ihren Sport. „Seit meiner ersten Schwangerschaft habe ich dann aber kaum neue Kleidung gekauft“, berichtet Evelyn Weghake, Mutter zweier Söhne im Alter von drei und anderthalb Jahren. Sie habe kaum spezielle Umstands- und Stillkleidung gekauft, sondern einfach ihre vorhandene Kleidung weitergetragen.

„Durch den Überfluss bin ich zu mehr Konsumbewusstsein gekommen“, sagt sie heute. Letztlich komme man mit viel weniger Kleidung aus, als man anfangs vermute. Ihr gehe es nicht darum, komplett auf den Kauf von Kleidung zu verzichten, sondern viel bewusster als zuvor zu konsumieren. Deshalb überlege sie vor einer Kaufentscheidung genau, ob sie das Kleidungsstück wirklich benötige. Ihr jüngerer Sohn trage die Sachen des älteren auf. „Das ist bei uns so üblich“, betont die Gescheranerin.

Wenn ein Kleidungsstück beschädigt sei, werde es auch schon mal genäht, damit es weiter genutzt werden könne. Das hätten bereits frühere Generationen so gemacht. „Unsere Eltern und Großeltern waren in der Verwertung richtig gut“, zeigt sie sich beeindruckt. Ein altes T-Shirt konnte dann schon mal zu einem Fensterputzlappen zurechtgeschnitten werden. Evelyn Weghake wirft zum Beispiel alte Bettwäsche nicht weg. Aus dem Stoff schneidert ihre Mutter Sitzpolster für Balkonmöbel. „Sie und auch meine Schwiegermutter setzen meine Upcycling-Ideen immer wunderbar um“, freut sich Evelyn Weghake.

Die Gescheranerin hat stets die indianische Weisheit im Kopf, die da lautet: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt – sondern von unseren Kindern geliehen.“ Und danach richte sie auch ihr Handeln im Alltag aus. „Nicht dogmatisch“, wie sie sagt, aber dennoch mit Nachdruck. Es gehe schließlich um nichts Geringeres, als die Umwelt und das Klima für die nachfolgenden Generationen zu schützen.

Derzeit werden jährlich mehr als hundert Milliarden Kleidungsstücke hergestellt – das sind mehr Kleidungsstücke, als alle Menschen auf diesem Planeten jemals auftragen können. Treiber ist die sogenannte Fast-Fashion-Industrie: Hersteller und Händler, die auf schnelle Kollektionswechsel setzen. Evelyn Weghake bevorzugt die sogenannte Slow Fashion. Darunter verbirgt sich die nachhaltige, entschleunigte, bewusste Mode, die im Gegensatz zur schnelllebigen Massenware steht. Dazu zählen beispielsweise Kleidung, die aus Biostoffen oder recycelten Materialien hergestellt wird, gebrauchte Sachen, Produkte von kleineren Labels, die lokal produzieren oder einfach Stücke, die länger halten und nicht aus der Mode kommen. Das Prinzip, das hier vertreten wird, nämlich seltener und bewusster shoppen zu gehen, steht ebenfalls im Gegensatz zum Prinzip des Wegwerfens und Neukaufens.

7 Im August geht die Klima-Challenge weiter. Ideen und Informationen zur Challenge im Blog von „Coesfeld for Future“ unter | www.wissenmachtklima.de

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