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Leergefegte Regale in Supermärkten / Öl und Mehl knapp

Ölkrise: Déjà-vu mit dem Hamster

Coesfeld

Leergefegte Regale und Kunden, die hamstern, was sie noch kriegen können. Nicht nur Markus Ruschke, Markleiter im Edeka-Center an der Borkener Straße erlebt derzeit ein Déjà-vu. Fast genau zwei Jahre nach der Klopapier-Krise hat sich auf den ersten Blick nur eines geändert: die Produkte.

Von Falko Bastos

Duplizität der Ereignisse: AZ-Schlagzeile im März 2020, Supermarktregal im März 2022. Vor allem Mehl und Speiseöl sind in den Märkten derzeit kaum zu bekommen. Foto: Foto: fab

„Also Klopapier habe ich noch“, sagt Ruschke in einem Anflug von Humor. Vor allem Speiseöl und Weizenmehl sind es diesmal, die den Händlern praktisch von der Palette weggekauft werden. „Wir kriegen mit jeder Lieferung 100 Pakete Weizenmehl“, so Ruschke. „Die halten aber nicht lange.“

Bei Martin Pommerenke, Marktleiter im K+K-Markt an der Daruper Straße sieht das nicht anders aus. „Mehl bestellen wir zweimal die Woche, aber ich weiß nie, ob wir welches bekommen“, so Pommerenke. Auch seine Frau habe für den Haushaltseinkauf schon erfolglos mehrere Supermärkte abgeklappert. Immerhin die dunklen Sorten seien in seinem Markt noch teilweise verfügbar. Knapp ist vor allem das Weizenmehl. Ähnlich schlecht sieht es beim Speiseöl aus. „Da kommt im Moment fast gar nichts“, sagt Markus Ruschke.

Einen entscheidenden Unterschied zur Situation vor zwei Jahren gibt es dann doch. Denn die Klopapier- und Nudelknappheit damals war vor allem ein selbstverstärkender massenpsychologischer Effekt. Die Hamsterkäufer führten die Engpässe, die sie befürchteten, selbst herbei. Diesen Effekt mag es heute auch geben, wenn Kunden Vorräte bunkern. Aber vor allem mittelfristig sind auch echte Versorgungslücken auf dem Weltmarkt zu befürchten.

Denn die Ukraine und Russland gehören zu den größten Weizenproduzenten weltweit, zusammen produzieren sie rund ein Viertel des Weltmarkts. Noch extremer ist der Anteil bei Sonnenblumenöl. Der größte Produzent: die Ukraine. Der zweitgrößte: Russland. Zusammen sorgen die beiden Länder für fast 60 Prozent der globalen Produktion.

„Darauf war die Industrie nicht vorbereitet“, sagt Ruschke. Die richtigen Engpässe würden erst noch kommen, fürchtet er – und verweist auf unbestellte Felder in der Ukraine. Was jetzt nicht gesät wird, kann später nicht geerntet werden, so die einfache Logik.

Und wie gehen die Märkte mit den Hamsterkäufen um? In seinem K+K-Markt werde nun rationiert, berichtet Pommerenke. Für Kunden gelte bei Mehl und Speiseöl nun eine Begrenzung auf zwei Pakete und Flaschen. „Damit nicht alle anderen leer ausgehen“, so der Marktleiter.

Davon hält Markus Ruschke nichts. „Das macht keinen Sinn.“ Zu viele Möglichkeiten gebe es, solche Beschränkungen zu umgehen. „Dann kommen die Leute zu viert“, so Ruschke. Ohnehin führt er die zuletzt gestiegene Nachfrage nicht allein auf egoistische Hamsterkäufer zurück. „Es wurden auch viele Lebensmittel gekauft, um sie in die Ukraine zu spenden.“

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