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Planverfahren zur Erweiterung nimmt Hürde im Bauausschuss des Stadtrates nur ganz knapp

Politiker ärgern sich über Westfleisch

Coesfeld

Die Änderung des Bebauungsplans Heerdmer Esch, mit der eine Erweiterung von Westfleisch ermöglicht werden soll, bleibt ein politischer Zankapfel. Nur ganz knapp mit sechs zu fünf Stimmen ist jetzt im Bauausschuss die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit im Rahmen des Aufstellungsverfahrens beschlossen worden. Die Ja-Stimmen kamen von CDU, Aktiv für Coesfeld und FDP. Die SPD, bisher eigentlich auch immer auf Seiten des Unternehmens, enthielt sich. Grüne und Pro Coesfeld votierten dagegen. Die endgültige Entscheidung fällt am 16. September im Stadtrat.

Von Detlef Scherle

Die Erweiterung des Geltungsbereiches des Bebauungsplans ist eigentlich nur minimal, aber für Westfleisch entscheidend: Ein kleiner Streifen wird im Osten zugeschlagen. Rote gestrichelte Linie: bisheriges Gebiet, blaue: geplantes. Foto:

„Wie kann man dieser Firma vertrauen?“ fragte Jens Keull (Grüne) angesichts neuer „Ungereimtheiten“, die die Politiker in den rund 700 Seiten umfassenden Plan-Unterlagen entdeckt haben wollen. Irritationen lösten unter anderem die möglichen künftigen Schlachtzahlen aus. „Früher war von 70 000 Schlachtungen pro Woche die Rede, heute von 80 000. Das sind 10 000 mehr“, schüttelte Thomas Stallmeyer (SPD) mit dem Kopf. Wie Josef Schulze Spüntrup von Pro Coesfeld und Keull konnte er auch nicht nachvollziehen, warum künftig an sechs Tagen die Woche fast rund um die Uhr (20 Stunden) geschlachtet werden soll – optional auch sonntags. Bisher waren es 18 Stunden werktäglich. Die Erhöhung sei „eine enorme Belastung für die Anlieger“, hatte Schulze Spüntrup schon tags zuvor im Umweltausschuss festgestellt.

„Da ist in den Papieren einiges versteckt“, ärgerte sich Schulze Spüntrup darüber, dass das Unternehmen noch immer nicht transparent über seine Absichten aufkläre. So war den Kommunalpolitikern auch nicht mitgeteilt worden, dass schon im Oktober die Schweineschlachtung in Gelsenkirchen eingestellt werden soll. Westfleisch will diese in Coesfeld konzentrieren.

„Wir wollen nicht, dass dieses Verfahren weiter geht“, hat Keull eine klare Position zur Erweiterung. Er beklagte, „dass jede Woche mehr als doppelt so viele Tiere geschlachtet werden sollen, wie Coesfeld Einwohner hat“. Und er sprach von einer „enormen CO2-Belastung“, die von dem erweiterten Betrieb ausgehen werde. „Das kann doch nicht wahr sein, dass wir einfach so weiter machen“, sagte er mit Blick auf den Klimawandel. Mit der Erweiterung von Westfleisch werde „eine Massenviehwirtschaft gefördert, die dazu beiträgt, dass Arten aussterben und sich Pandemien entwickeln“.

„Die Zahlen werden wir klären können“, äußerte sich Gerrit Tranel (CDU) gelassen zur Kritik. Er plädierte dafür, „eine sachliche Entscheidung zu treffen“ – „ohne Ideologie“. Er betonte, dass sich alle Unternehmen in Coesfeld, die sich an die gesetzlichen Regeln halten, auch entwickeln können müssten. Jeder, der Fleisch essen wolle, solle Fleisch essen. Und wer nicht, der nicht. Das habe aber mit dem Bebauungsplan nichts zu tun, sagte er mit Blick auf Keulls Anmerkungen. Der konterte: „Es ist auch unsere Aufgabe, die Meinung der Bürger hier zu vertreten.“

Stadtbaurat Thomas Backes erläuterte nach kurzer Recherche, dass eine Zahl von 80 000 Schlachtungen als „rechnerische Obergrenze“ auch früher schon von Westfleisch genannt worden sei. 70 000 sollen es im Regelbetrieb sein: „Daher kommen die unterschiedlichen Zahlen“, sagte er. An die 80 000 konnten sich Stallmeyer und Schulze Spüntrup aber nicht erinnern.

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