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Hardy Schlingschröder kennt sich aus

Porsche fahren ist wie Fliegen

Coesfeld

Einmal Porsche, immer Porsche! Eberhard Schlingschröder (57), den alle Hardy rufen, ist Fan der Premiummarke aus dem Schwabenland. „Das hat bei mir ganz früh angefangen“, sagt er und lacht, „den Virus wurd’ ich nicht mehr los, ich bin Porsche-infiziert.“

Auf dem AMS-Werkstattgelände von Hardy Schlingschröder stehen einige teure Schätzchen der Marke Porsche (hinten von links): 996 Turbo Cabrio (Baujahr 2005), 964 Carrera 4 Cabrio (Bj. 1990), 911 Carrera 3.0 G-Modell (Bj. 1976), 911 Targa F-Modell (Bj. 1971), ein edles Exemplar, 914 2.0 und (vorn) sein 944 Turbo (Bj.1986), der 249 000 km auf dem Tacho hat.

Und das kam so: Als „Klein-Hardy“ neun Jahre jung war, wohnten zwei Gebrüder auf der Walkenbrückenstraße, wo auch die Schlingschröders zu Hause waren. „Der eine hatte einen gelben Porsche RS 2.7, der andere einen dunklen“, erinnert er sich. „Wenn sie die Garage geöffnet und den Zündschlüssel umgedreht haben, schallte ein ohrenbetäubender Sound durch die Nachbarschaft.“ Wer’s eh schon mit den Ohren hatte, war bei dem Lärm arm dran.

1973 war das spartanisch ausgestattete Coupé das schnellste deutsche Serienauto, das den berühmten Heckspoiler trug, der im Volksmund „Entenbürzel“ genannt wurde. 210 Pferdestärken sorgten für eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h, was in jenen Tagen sensationell war.

„Der Porsche RS 2.7 hatte mehr Leistung durch mehr Hubraum minus Gewicht“, erläutert der Porsche-Experte das Konzept. „Der luftgekühlte Sechszylinder-Boxermotor machte einen Krach, dass du meintest, das Walkenbrückentor würde in sich zusammenstürzen.“

Schwer beeindruckt war er von diesem Kult-Elfer, der erstmals den Schriftzug „Carrera“ erhielt, angelehnt an das legendäre Straßenrennen „Carrera Panamericana“ in Mexico. „Ich wusste sofort: Wenn du groß bist, fährst du Porsche.“ Auch wenn sein Papa einen schicken Mercedes-Benz 220 Cabrio kutschierte, träumte der Filius seinen Traum weiter. Für ihn war klar: „Porsche, sonst nichts!“ Da ließ er nicht mit sich reden.

Nach dem Schulabschluss absolvierte Hardy Schlingschröder von 1980 bis 1983 seine Ausbildung als Kfz-Mechaniker bei Ford Borgmann, war anschließend bei der Bundeswehr in Dülmen und wechselte dann zur Porsche AG, einem Weltkonzern, der als Inbegriff für höchste Qualität steht. In der exklusiven Sportwagen-Manufaktur in Zuffenhausen im Stuttgarter Norden wird auch heute noch jeder Motor mit einem hochmodernen Produktionssystem hergestellt. „Hier war ich von 1986 bis 1994 tätig“, berichtet er, „direkt an der Quelle.“ In der Geburtsstätte hat Schlingschröder in der Produktion, der Nacharbeit und in der Werkstatt geschraubt, montiert und gewerkelt. „Alle 911-er wurden in Zuffenhausen gefertigt“, betont er. „Ich war bei den G-Modellen beteiligt, dem 993 und der kompletten 964-er Baureihe, einschließlich des Speed-sters, von dem bloß 2100 Stück hergestellt wurden.“

Es sei zunächst nicht einfach gewesen für ihn, den zugereisten Münsterländer, wie einige Kollegen scherzten. „Erst mal musste ich mich in der Produktion bewähren und Sonderschichten schieben, um mir den Respekt der Schwaben zu verdienen.“ Mit Fleiß, Talent, Inspiration und Sachverstand ging er seinen Weg und legte 1993 erfolgreich seine Meisterprüfung ab. „Das war an der Wilhelm-Maybach-Schule in Bad Cannstatt“, schaut Schlingschröder zurück, „wenige hundert Meter entfernt von dem Ort, wo Gottlieb Daimler gemeinsam mit Wilhelm Maybach den Verbrennungsmotor erfunden hat.“ Mit dem Meisterbrief in der Tasche zog es ihn 1994 zurück in die Heimat. Am jetzigen Standort Lübbesmeyerweg 89 betreibt der Coesfelder sein Unternehmen „Auto & Motorrad Schlingschröder“, kurz „AMS“, „wo Liebe zu Automobilen, Freude am Fahren und jahrzehntelange Erfahrung aufeinandertreffen“, erzählt er. „Ich habe eine freie Kfz-Werkstatt mit Porsche-Spezialisierung und bin kein Vertragshändler.“ Unterstützt wird er von Ehefrau Annete, mit der er zwei Kinder hat: Pia (26) und Christian (22). Seine bessere Hälfte kümmert sich um die Buchführung, er ist für Wartung, Inspektion und Service zuständig. Mit Jan Friedrich (27) hat er einen Kollegen an seiner Seite. „Ein cleverer Bursche, der bei mir in die Lehre gegangen ist“, lobt der Chef den eifrigen Gesellen.

Die Kundschaft kommt vornehmlich aus der Region, wobei das Einzugsgebiet größer und größer wird. „Wir haben Porsche-Modelle aus Düsseldorf, Oberhausen, Kassel oder Westerstede.“ Westerstede? Wo ist das denn? „In Niedersachsen“, antwortet Hardy Schlingschröder, „die Leute sind durchs Internet und Mund-zu-Mund-Propaganda bei mir gelandet.“ Die zweitürige Porsche-Fraktion, meistens Elfer, ist mehrheitlich vertreten. „Ich habe selbst einen 944 Turbo“, deutet er auf seine vierrädrige Sahneschnitte. „1985, als der 944 Turbo vorgestellt wurde, war es der beste Porsche seiner Zeit.“ Kein Schaustück wie der 928, kein exzentrischer 911 Turbo, sondern ein zuverlässiges Auto mit hoher Effizienz – und das nicht nur wegen seiner Transaxle-Bauweise. „Die Gewichtsverteilung liegt bei 50:50“, erklärt Schlingschröder die Besonderheit, „vorn ist der Motor, hinten befinden sich das Getriebe an der Hinterachse und der Tank, der maximal 80 Liter fassen kann.“

Auch mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Premiere ist der 220-PS-Motor der ersten Serie ein alltagstauglicher „Oldie“, der seinen Besitzer noch nie im Stich gelassen hat. „Der Wagen stand mal 15 Monate in der Tiefgarage“, erzählt Schlingschröder. Probleme? Nein! „Die Batterie anklemmen, aufladen, den Schlüssel rein und losfahren.“ So einfach ist das.

Der 944 Turbo, den manch einer als Hausfrauen-Porsche abtut, ist ein echter Sportwagen. Kein jähzorniges Biest wie der 911 Turbo, dem sein ausgeprägtes Turboloch zu zweifelhaftem Ruhm verholfen hat.

Der 2,5-Liter-Vierzylinder mit dem hochwertigen KKK-Lader hat bereits einen Drei-Wege-Katalysator mit Lambdaregelung. „Dadurch war er auf der Höhe der Zeit.“ Auch erhielt der 944 Turbo ständig Komplimente aufgrund der sanften Leistungscharakteristik. „Du spürst den Lader beim Beschleunigen kaum“, weiß Schlingschröder, „auch bei niedrigen Drehzahlen schiebt der Motor mit kräftigem Drehmoment an. Ab 3000 Umdrehungen merkt man zwar, wie der Druck zunimmt, doch von einem Turboloch ist der Motor weit entfernt.“ Dann zitiert er einen Satz von Rallye-Altmeister Walter Röhrl, Repräsentant und Versuchsfahrer bei Porsche: „Bei vollem Leistungseinsatz ist’s mit der Sanftheit jedoch vorbei! Da gibt’s einen Tritt ins Kreuz, als wenn einem jemand hinten drauf fährt.“ Knapp über 80 000 DM kostete sein „schwarzer Blitz“ neuwertig und mit allem Drum und Dran an die 90 000 DM. „Heute werden so Autos mit 20 000 Euro aufwärts angeboten“, kennt Schlingschröder die Preisspirale, „das ist erschwinglich. Kein Vergleich mit dem Elfer, der Porsche-Ikone, der wesentlich teurer ist, auch im Unterhalt.“ Er hat Spaß an seinem 944 Turbo – eine Spritztour durch die Baumberge mit dem Kurvenräuber ist das pure Vergnügen. Porsche fahren ist wie Fliegen.

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