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70 Prozent der Nistkästen gegen Eichenprozessionsspinner waren belegt

Raupenplage hielt sich in Grenzen

Coesfeld. Wo schon Corona die Menschheit gebeutelt hat, hielt sich 2020 eine andere Plage immerhin in Grenzen: Der Eichenprozessionsspinner ist in diesem Jahr in Coesfeld nicht so aggressiv in Erscheinung getreten wie noch 2019. „Vielleicht hat sich hier das kühlere Wetter im Frühjahr positiv ausgewirkt. Wenn direkt nach dem Schlüpfen der Raupen eine nass-kalte Wetterlage herrscht, entwickelt sich die Population nicht so stark“, vermutet Baubetriebshofleiter Theo Reckert. Jedenfalls waren er und sein Team in diesem Jahr nicht so stark damit befasst, Nester von Eichenprozessionsspinnern zu beseitigen wie 2019. Waren es im vergangenen Jahr etwa 270 Einsätze, so hat sich das in 2020 auf etwa 200 Einsätze verringert.

Florian Schütte

Foto: az

Insgesamt war der Baubetriebshof etwa 120 Arbeitsstunden damit beschäftigt. Die von der Stadt im Frühjahr zusätzlich aufgehängten 100 neuen Nisthilfen für Singvögel sind gut angenommen worden: „Etwa 70 Prozent sind genutzt worden, das haben unsere Kontrollen im Herbst gezeigt“, berichtet Reckert. „Damit haben wir die natürlichen Feinde der Raupen wirkungsvoll unterstützt.“

Das Augenmerk richtet sich jetzt zusätzlich darauf, vermehrt nicht nur Singvögel, sondern auch Fledermaus-Populationen zu unterstützen. Denn Fledermäuse jagen Nachtfalter und gehören damit zu den natürlichen Feinden der ausgewachsenen Spinner. Diese Strategie werde nun auch kreisweit verfolgt, wie Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde bestätigt. Zusätzlich könnte im Kreis eine Technik zum Einsatz kommen, die in Lüdinghausen in diesem Jahr erfolgreich getestet wurde: die Heißwasserbehandlung der Nester – ganz ohne Chemie. Denn möglich wäre auch – wie es in Ascheberg und Senden ausprobiert wurde – eine Behandlung der Baumkronen mit einem Biozid. Dabei wird ein Bazillus angebracht, der bereits im Frühstadium den Raupen den Garaus macht. Jedoch ist diese Methode mit Vorsicht zu genießen, da sie auch andere Falterarten vernichtet.

„Unser Vorgehen bleibt im nächsten Jahr dasselbe wie in den Vorjahren: Wenn Nester an öffentlichen Plätzen auftreten, wo sich viele Menschen aufhalten – vor Kindergärten, Schulen oder auf Spielplätzen etwa –, werden sie im Einzelfall vom Baubetriebshof entfernt, und zwar durch Hitzebehandlung“, erklärt Reckert. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht, auch und besonders für unsere Mitarbeitenden ist das ein sicheres und schnelles Verfahren“, beschreibt der Bauhofleiter das Abflammen der Nester. „Wichtig ist weiterhin, dass wir Menschen lernen, mit den Eichenprozessionsspinnern umzugehen, denn sie werden über die Jahre hinweg immer wieder auftreten, mal stärker und mal weniger stark.“

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