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Kunstverein Münsterland zeigt ab Sonntag Linolschnitte von Philipp Hennevogl

Reizvolle „Randgestalten“

Coesfeld

Es sind die vermeintlichen Kleinigkeiten, die Nebensachen, die Randgestalten, die Philipp Hennevogls Interesse wecken. Ein Essigbäumchen, das sich zwischen Asphalt und Beton behauptet. Oder die Spur einer Efeupflanze am Mauerwerk. Eine Distel am Wegesrand, eine Malve, ein außergewöhnliches Blatt. Das sind die Dinge, die Philipp Hennvogls Aufmerksamkeit erregen, die er fotografiert, mit akribischer Genauigkeit auf Linolplatten überträgt und per Linoldruck zu Papier bringt. Das Ergebnis: Ganz feinnuancierte, filigrane Kunstwerke in Schwarz, Weiß und unzähligen Grautönen, die rein gar nichts mit den sehr groben, holzschnittartigen Bildern gemein haben, die man landläufig mit Linolschnitt in Verbindung bringt. Von Ferne könnte man meinen, man hätte es mit Schwarz-Weiß-Fotografien zu tun, bei genauem Hinsehen erkennt man jedoch die Drucktechnik, die Hennevogl wahrlich meisterhaft beherrscht.

Von Christine Tibroni

Philipp Hennevogls Interesse gilt den wenig beachteten, weil alltäglichen und selbstverständlichen Randerscheinungen, die er in Linolschnitt-Technik zu Papier bringt. Foto: Foto: Christine Tibroni

Genaues Hinsehen ist ab Sonntag (5. 9.) in der Ausstellungshalle des Kunstvereins Münsterland möglich, der eine Auswahl von Hennevogls Arbeiten unter dem Titel „Randgestalten“ präsentiert. Neben den Pflanzenporträts ziehen auch die Stadtszenen die Blicke auf sich, die der Künstler in seiner Heimatstadt Berlin eingefangen hat. Und auch hier sind es nicht die bekannten Plätze und berühmten Sehenswürdigkeiten, die Hennevogl auf Papier bannt. Eine Gasse, eine Baustelle, eine Industriebrache, der Blick auf den Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee – allesamt beeindruckend große Formate, die umso beeindruckender sind, wenn man bedenkt, dass jede noch so kleine Linie von Hand in die Druckplatte geschnitten wurde. Und es gibt hunderte, ja tausende Linien in Hennvogls Arbeiten.

So auch in den „Haufen“-Bildern. Ein Haufen Beton, ein Haufen Holz, ein Haufen Was-auch-immer, verborgen unter einer Kunststoffplane – Philipp Hennevogl begeistern selbst diese Randerscheinungen. „Meine Themen sind auch Chaos und Ordnung“, erzählt er. Auf den ersten Blick ist der Holzhaufen das pure Chaos, und doch steht er für Ordnung, etwa für die fein säuberliche Trennung von Rohstoffen bei jedem Gebäudeabbruch. „Faszinierend finde ich auch den Kabelsalat, der sich unter so manchem Schreibtisch findet. Ziemlich chaotisch, und doch sind es letztlich geordnete Verbindungen von A nach B“, so Hennevogl, der schon mit 14 Jahren den Linolschnitt ausprobierte, diese Technik aber erst nach seinem Studium der Freien Kunst an der Uni Kassel als seine Ausdrucksform entdeckte und perfektionierte. Hennevogl: „Es macht mir einfach unheimlich viel Spaß.“ 7 Die Ausstellung wird morgen um 17 Uhr eröffnet und ist danach bis zum 31. Oktober zu sehen. Für den Besuch gilt die 3G-Regel.

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