1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Coesfeld
  6. >
  7. Rückenwind für den Radverkehr

  8. >

Neues Förderprogramm hilft bei der Verwirklichung von Fahrradstraßen

Rückenwind für den Radverkehr

Coesfeld. Die Fotos, die Verkehrsplaner Holger Ludorf (Stadt Coesfeld) an die Wand des Ratssaals warf, machten den Mitgliedern des Umweltausschusses den Mund wässrig. „Man schaut schon ein wenig neidisch zu den Nachbarn, wenn man sieht, wie sich die Radfahrer da bewegen können“, meinte etwa Dr. Heiner Kleinschneider (CDU) mit Blick auf die Fahrradstraßen, die in Holland seit vielen Jahren Standard sind. Dem möchte Coesfeld nacheifern. Nicht erst seit gestern. Ideen für innerörtliche Fahrradstraßen gibt es längst, doch bisher fehlten die Mittel, diese in die Tat umzusetzen.

Christine Tibroni

Nach dem Vorbild der Fahrradstraßen in Münster sollen auch in Coesfeld Straßen umgestaltet werden, um umweltschonende Mobilität zu fördern. Konzepte gibt es längst und nun auch Fördermittel. Foto: Stadt Münster/Patrick Schulte

Das ändert sich jetzt. Denn aufgrund der Klimadiskussion rückt die Fahrradmobilität in den Fokus. So hat die Bundesregierung im Rahmen ihres Klimaschutzprogramms 2030 das Sonderprogramm „Stadt und Land“ zur Förderung des Radverkehrs aufgelegt. „Und wir haben gute Chancen, da rein zu kommen“, so Ludorf, der vor diesem Hintergrund die Gelegenheit ergriff, den neuen Ratsmitgliedern seine Überlegungen vorzustellen. Diese gehen deutlich darüber hinaus, einfach nur das entsprechende Verkehrszeichen für Fahrradstraße zu installieren. Nein, Bedeutung und Vorrang des Radverkehrs sollen für jedermann gut sichtbar und sofort erkennbar sein: Nach dem Vorbild von Holland und der Fahrradstadt Münster sollen die Coesfelder Fahrradstraßen möglichst durchgängig in rotem Asphalt erstellt werden. In einigen Bereichen ist ein stufenweiser Ausbau vorgesehen. In der ersten Stufe erfolgt die entsprechende Beschilderung und Markierung, lediglich die Einmündungsbereiche werden rot gefärbt. In der zweiten Stufe folgt dann der Vollausbau mit rotem Asphalt.

Für den ruhenden Verkehr strebt Coesfeld „pragmatische Lösungen“ (Ludorf) an. Parken soll danach auf den Fahrradstraßen möglich sein, allerdings in definierten Bereichen.

Noch unbeantwortet ist die Frage der Anbindung an übergeordnete Straßen, hier insbesondere die Frage der Überquerbarkeit. Beigeordneter Thomas Backes betonte in der Sitzung, dass es sich um erste Ideen handele. Weitere Planung und Priorisierung sei ebenso nötig wie Gespräche mit Versorgungsträgern und Behörden und nicht zuletzt die Information der Bürger.

Immerhin: Im aktuellen Haushaltsplan sind erste Maßnahmen vorgesehen, etwa Planungskosten für die Fahrradstraße Stadtwaldallee, der erste Bauabschnitt für die schnelle Radwegeverbindung Coesfeld-Süd (Verbindung vom Teigelkamp bis Unterführung B 525) sowie der Anschluss an die RadBahn Münsterland (Coesfeld-Billerbeck).

„Ich bin sehr angetan von dem, was Sie uns vorgestellt haben“, sagte Norbert Vogelpohl (Grüne), der sich vor allem darüber freute, „dass endlich die Anbindung an die RadBahn in Angriff genommen wird. Das ist seit zehn Jahren überfällig. Gut, dass jetzt endlich in die Speichen gegriffen wird.“

Nachfragen zu möglichen Anliegerbeiträgen stellten Dr. Heiner Kleinschneider (CDU) und Josef Schulze Spüntrup (Pro Coesfeld). Ein Thema, mit dem sich Verwaltung und Politik laut Uwe Dickmanns (Stadt Coesfeld) noch beschäftigen müssen, wenn die Planung weiter vorangeschritten ist. Dickmanns: „Das muss man im Einzelfall genau betrachten.“

Startseite