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Ferienjobber profitieren (nicht überall) vom leergefegten Arbeitsmarkt

Schüler-Aushilfen immer gefragter

Coesfeld

Sechs Wochen ohne Schule – doch nicht jeder Schüler legt da die Beine hoch. Nicht wenige nutzen die Gelegenheit, ihr Ferien-Budget aufzubessern. Die Auswahl an potenziellen Ferienjobs ist groß. Da es in Gastronomie, Einzelhandel und Co. an allen Ecken und Enden an Aushilfspersonal mangelt, sind Schüler bei vielen Coesfelder Unternehmen nicht nur willkommen, sondern umworben.

Von Romy Wolter und Falko Bastos

Schülerjobber willkommen: Wen ein hohes Laufpensum und Arbeitszeiten am Wochenende nicht erschrecken, kann sich in der Gastronomie etwas Geld hinzuverdienen. Foto: Foto: dpa

So etwa beim Letter Bio-Großhändler Weiling, der regelmäßig Saisonkräfte für die Kommissionierung sucht. Gezielt werbe man vor den Ferien in den Sozialen Medien um Schüler und Studenten, erklärt Unternehmenssprecherin Judith Prenger-Berninghoff. Aber nicht nur während der Ferien sei eine Beschäftigung möglich. Die bisherigen Erfahrungen seien gut, manchmal sei der Schülerjob gar das Sprungbrett zur Ausbildung. Gelegenheit sich zu bewähren, gebe es jedenfalls genug. „Bei uns wird man relativ schnell ins Tagesgeschäft eingebunden“, so Prenger-Berninghoff.

Das gelte auch im Cafe Central, berichtet die Angestellte Vanessa Beinemann. Allein schon weil es wenig Zeit zur Einarbeitung gebe. „Beim vierten Mal müssen sie es einfach draufhaben.“ Der Job in der Gastronomie ist nicht für jeden etwas. Maximal die Hälfte derjenigen, die zum Probearbeiten kommen, bleibe auch, sagt Jorge Silva, Inhaber des Eiscafés San Remo. Altersunabhängig beschäftige er nun mehr Aushilfen und weniger feste Kräfte als vor der Pandemie. Zu denen, die geblieben sind, gehört die 16-Jährige Ronja Nicke. „Ich muss viel stehen und laufen, vor allem wenn es voll ist“, berichtet sie. Dennoch ist sie zufrieden mit ihrem Schülerjob.

Ein Problem für Jugendliche seien die Arbeitszeiten, sagt Rebecca Paul, Inhaberin von Beckys Café. Denn die meiste Arbeit gebe es nun mal am Wochenende, in der Jugendliche oft lieber ihre Freizeit genießen würden. „Das muss man eben mögen“, so die Gastronomin. Wie in der Vergangenheit schon, würde sie aber durchaus wieder Schüler beschäftigen, wenn auch eher aus der Not heraus. Denn auf ihr letztes Gesuch habe es keine einzige Rückmeldung gegeben.

Die Spanne der Verdienstmöglichkeiten für Jugendliche ist groß. Sie reicht von oberhalb des Mindestlohnes bis deutlich darunter. Denn Menschen unter 18 Jahren sind grundsätzlich davon ausgenommen. Insofern geht auch dessen Erhöhung (siehe Infokasten) an so manch einem Schülerjobber vorbei.

Rebecca Paul hat dafür kein Verständnis. 12 Euro plus Trinkgeld gebe es bei ihr unabhängig vom Alter. Zwar würde sie Schüler eventuell häufiger zur Probe arbeiten lassen, das aber bei voller Bezahlung. „Ich war auch mal jung und das Geld war chronisch zu wenig.“ Auch Jorge Silva will bei der Bezahlung von Aushilfen nicht unterscheiden, 11 Euro gebe es hier zum Start. Bei Weiling werde altersunabhängig nach Tarif bezahlt, betont Judith Prenger-Berninghoff.

Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit ist aber nicht überall die Regel. Da fühlt sich manch eine(r) ausgenutzt. 8 Euro bekomme sie für die gleiche Arbeit, für die ältere Angestellte mit 13 Euro entlohnt würden, berichtet eine Schülerin (Name ist der Redaktion bekannt), die in einer Bäckerei arbeitet. Und eine andere erklärt, dass sie als Schülerin oft alleine den Laden schmeiße. Auch bei den Arbeits- und Pausenzeiten, die durch das Jugendarbeitsschutzgesetz begrenzt werden, nehme es ihr Arbeitgeber nicht so genau. „7,50 Euro sind dann irgendwann einfach zu wenig.“ Ihr Vorteil: Auf dem leergefegten Arbeitsmarkt dürfte es nicht allzu schwer werden, eine besser bezahlte Stelle zu finden.

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