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Erster Coesfelder „Preacher Slam“ begeistert trotz Nieselregen beim Berkelsommer

„Segen ist wie Eis essen bei 35° im Schatten“

Coesfeld

„Segen ist geil – Segen ist billig“: Mit einem Dialog aus Schlagworten, bei dem Bene und Anna sich an dem Thema „Segen“ abarbeiten, „als sei er ihnen „auf den Kopf gefallen, wie den Galliern der Himmel“, beginnt ein besonderer Abend beim Berkelsommer. Auf der Bühne über dem Fluss findet der erste ökumenische Coesfelder Preacherslam mit dem Thema „Und ich will dich segnen“ statt, veranstaltet von der Evangelischen Gemeinde auf Initiative von Vikarin Janica Schneider und unterstützt vom Projekt „frei.raum.coesfeld“.

Von Ursula Hoffmann

Das Publikum lässt sich vom Nieselregen nicht abhalten, einen besonderen Abend auf der Berkelbühne zu erleben. Mit persönlichen Texten begeistern es (v.l.) Janica, Jannick, Katrin und Freya. Für musikalische Untermalung zwischendurch sorgt „kaum jemand“ an Gitarre und E-Piano. Foto:

Leider lässt der Sommer Teilnehmer und Publikum im Stich, ein feiner Nieselregen, der auch der Technik Probleme bereitet, begleitet Texte und Musik. Mit Corona, Flutkatastrophe und der Tragödie in Afghanistan im Hintergrund kann das Wetter aber schon fast als Zeichen gesehen werden. Doch zurück zum Thema – vier junge Menschen haben sich intensive und sehr persönliche Gedanken gemacht, die sie mit den Zuhörern, die wie beim Poetry Slam am Ende über den Sieger entscheiden, teilen möchten.

Vorausgegangen ist ein Textworkshop, begleitet von „Bleib Laut“ aus Vechta. Bene (Benedikt Feldhaus) und Peter (Havers) entwickeln mit Leuten Texte und bringen sie auf die Bühne. Sie unterstützen bei der Entwicklung von Ideen, beim Schreibprozess, geben Feedback und üben gemeinsam den Auftritt. Außerdem übernehmen sie die Moderation des Abends. Und das richtig gut. Locker und humorvoll sorgen sie für tolle Stimmung. Umrahmt werden die Wortbeiträge vom Liedermacher „Kaum jemand“ aus Münster, dessen verträumt-melancholische Liedtexte wunderbar das Thema des Abends ergänzen.

Doch im Zentrum stehen vier Beiträge von jungen Leuten, die alle etwas zu sagen haben und sich zum erstem Mal auf diese Weise präsentieren. Die erste Kandidatin ist Janica, die ihren Text mit dem Bestellen von Pizza beginnt – „hast du acht bestellt, bekommst du die nächste umsonst – wie den Segen“. Für sie hängt Segen zusammen mit wollen und brauchen – „Segen ist wie Eis essen bei 35 Grad im Schatten“. Ganz anders die Herangehensweise von Jannick, der sich fragt, wo der Segen ist, wenn sich Naturgewalten und menschliche Gewalten Bahn brechen. In seinen Text fließen eigene Erfahrungen beim Helfen in den Flutgebieten ein. Sein Fazit: „Manchmal kommt der Segen als Impfstoff oder Katastrophen-Hilfe mit Blaulicht.“

Freya beginnt ihren Text mit den Worten „ich finde dich Sch...“ und sinniert philosophisch über Werte und gegenseitige Wertschätzung, auch wenn niemand perfekt ist, denn „trotzdem können wir uns gegenseitig den Segen spenden“. Die letzte Kandidatin Katrin, die auch die Siegerin des Abends wird, schildert voller Poesie einen Ausflug in den idyllischen Wald, in dem plötzlich scheinbar Gefahr droht durch einen gewaltigen Riesen. Alle sorgen für einen wunderbar kreativen Abend, der ein persönliches Gedankenkarussell in Gang setzt. Danke!

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