Bilder von Letteranerin Claudia Dreier auf Hof Schoppmann zu sehen

Sehnsuchtsfotos mit sanften Farben

Lette/Darup. Es sind Fotos voller Sehnsucht, von großer Weite, sanften Farben. Von Sonne, Meer und Salzwiesen an der Nordseeküste. Claudia Dreier schaut zufrieden ihre gerahmten Fotos an, die jetzt im Alten Hof Schoppmann in Darup hängen und für alle sichtbar sind. Was diese Fotos bei den Menschen auslösen, die auf den Hof kommen und sie sich anschauen, wird vielleicht die Sehnsucht nach Urlaub sein, nach Ruhe und Erholung. Für Claudia Dreier war es das Ende einer ungewollten Achterbahnfahrt, die ihr Leben einige Monate zuvor auf den Kopf gestellt und verändert hatte.

Iris Bergmann

Fotos von Sonne, Meer und Salzwiesen an der Nordseeküste, die die Letteranerin Claudia Dreier nur mit ihrem Smartphone gemacht hat, hängen für alle sichtbar im Alten Hof Schoppmann in Darup aus. Foto: Iris Bergmann

Claudia Dreier ist Finanzbuchhalterin und seit fast zehn Jahren für den Verein für Interkulturelle Begegnungsprojekte (IBP) in Coesfeld tätig. Sie hat schon immer gern im Urlaub fotografiert. Allerdings muss sich der geneigte Fotobetrachter nun nicht vorstellen, dass sie mit einem großen Rucksack voll mit teurem Fotoequipment losgezogen ist. Weit gefehlt. Seit es die Möglichkeit gibt, macht sie Fotos mit dem Mobiltelefon. Alle Fotos der Ausstellung sind mit ihrem Smartphone entstanden und – bis auf eines – gänzlich ohne irgendwelche Filter oder Fotobearbeitungen vergrößert worden.

Die Fotos, die nun in der Ausstellung zu sehen sind, hat Claudia Dreier im vergangenen November um St.-Peter-Ording herum gemacht. Aber keineswegs mit der Absicht, eine Ausstellung zu machen. Im Gegenteil. Es war eine Art ungeplante Therapie in der Therapie. Zu dem Ort an der Nordsee führte sie nämlich nicht ein Urlaub, sondern die Reha-Maßnahme nach einer Krebserkrankung. Aus heiterem Himmel hatte die Erkrankung die Letteranerin erwischt und es war danach nichts mehr so, wie es vorher war. Obwohl Claudia Dreier alles dafür tat, um es wieder so werden zu lassen. Eigentlich wollte sie nach der erfolgreichen Behandlung einfach nur wieder ihren Alltag zurück haben, ganz normal wieder ihrer Arbeit nachgehen, für die Familie da sein, Freunde treffen, etwas unternehmen. Letztere zwei Punkte machte die Corona-Pandemie zunichte, die auch noch zu Veränderungen im Alltag beitrug.

Irgendwann aber spürte Claudia Dreier, dass es nicht wirklich „rund“ lief, dass doch noch etwas Unverarbeitetes in ihrem Kopf kreiste. Schließlich ließ sie sich auf eine Reha-Maßnahme in St.-Peter-Ording ein. „Du musst auch mal auf dich selbst achtgeben“, wurde ihr gesagt.

Mitten in der Pandemie und dem allgemeinen „Lockdown“ traf sie an der Nordsee ein, lernte Menschen kennen, die Ähnliches durchgemacht hatten und positiv in die Zukunft schauten. Aber vor allem: „Ich wurde auf mich selbst reduziert“, beschreibt Claudia Dreier die Situation. Und sie musste sich mit sich selbst und ihrer Krankheit auseinandersetzen. Nicht zuletzt haben da auch die Spaziergänge am und zum Meer dazu beigetragen – und natürlich die Augenblicke, in denen sie das Handy zückte und fotografisch festhielt, was sie gerade sah. „Hier, dieses Foto von den Salzwiesen“, zeigt sie. „Ich erinnere mich ganz genau an den Moment. Es war der Augenblick, in dem sich bei mir der Knoten gelöst hat, der Kopf endlich den Körper eingeholt hatte.“

Alle Fotos, die jetzt im Alten Hof Schoppmann hängen, drücken in unterschiedlichen Sichtweisen dieses Ankommen aus. Das findet auch Dreiers Chef, IBP-Geschäftsführer Martin Althoff, der seiner Mitarbeiterin „den Schubs gab“, die schönen Fotos auszustellen. Leider sei eine öffentliche Vernissage ja zurzeit nicht möglich, bedauert Althoff. „Aber wenn es wieder möglich ist, machen wir etwas dazu“, verspricht er. Solange bleiben sie hängen, die wunderbaren Sehnsuchtsfotos von Weite, Meer und Salzwiesen.

Startseite