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Fabian Spork wagt sich mit dem Anbau von Süßlupinen auf eher unbekanntes Terrain vor

„Soja des Nordens“ blüht in Harle

Coesfeld

Es ist eine wahre Eiweißbombe, die dort auf drei Hektar in Harle wächst. Ökologisch wertvoll, vielseitig verwendbar und obendrein mit einem blass-lila Blütenmeer noch „ein total schöner Anblick“, findet Fabian Spork. Der Landwirt versucht sich als einer von nur zwei im Coesfelder Raum in diesem Jahr auf einer kleinen Fläche am Anbau von Süßlupinen. Das sogenannte „Soja des Nordens“ hat es ins sich – in vielerlei Hinsicht.

Von Florian Schütte

Fabian Spork (r.) hat auf drei seiner 70 Hektar Ackerland in Harle in diesem Jahr versuchsweise Süßlupinen angebaut. Sein Auszubildender Tim Völker (l.) greift dem Landwirt bei allen Arbeiten auf dem Hof tatkräftig unter die Arme. Foto: Fotos: Florian Schütte

„Süßlupinen sind super geeignet, um einen hohen Eiweißgehalt ins Futter zu kriegen“, erklärt Spork. In seinem familiengeführten Schweinemast- und -zuchtbetrieb werde er daher die Ernte wohl vor allem im Futter einsetzen. „Dadurch können wir zunehmend auf Sojaschrot verzichten“, nennt Spork einen weiteren Vorteil. Denn Soja braucht viel Wasser und muss zu einem Großteil importiert werden – schlecht für die Klimabilanz. In der Fruchtfolge fügen sich die Süßlupinen als sogenannte Körnerleguminosen laut Spork gut ein. Zu dieser Gattung zählen zum Beispiel auch Ackerbohnen, Erbsen und Linsen. Da das Land NRW Vielfalt fördert, hat Fabian Spork gleich sieben Pflanzen in der Fruchtfolge: Mais, Weizen, Gerste, Triticale, Raps, Ackerbohnen und eben Süßlupinen. „Monokultur“ ist daher für ihn ein Unwort.

„Das Besondere bei diesen Körnerleguminosen ist, dass man auf stickstoffhaltigen Dünger verzichten kann, weil die Pflanzen sich selbst mit Stickstoff aus der Luft versorgen.“

Wie das geht, demonstriert Spork, indem er kurzerhand eine Süßlupine aus dem Boden zieht und auf die Wurzeln zeigt. „Dort bilden sich Knöllchen, worauf sich Bakterien ansiedeln, die den Stickstoff aus der Luft ziehen. Im Gegenzug profitieren die Bakterien vom Zucker der Pflanze“, erläutert Fabian Spork die Symbiose. „Für die Biodiversität sind Lupinen unglaublich wichtig“, weiß der Landwirt. Zudem hinterließen sie eine super Bodengare – lockern also den Ackerboden mit ihren Pfahlwurzeln auf.

In Lette gibt es lediglich einen weiteren Hof im Umkreis, der ebenfalls Süßlupinen anbaut. Wenn es doch eine solche Wunderpflanze ist, wieso springen dann nicht mehr Landwirte auf den Zug auf? „Das Saatgut ist relativ teuer und lange hatte sich bei Lupinen die Krankheit Anthraknose etabliert, wodurch der Anbau unwirtschaftlich wurde“, erläutert Spork, warum Lupinen immer noch selten im Landschaftsbild sind. „Mittlerweile sind sie jedoch so gezüchtet, dass sie dagegen resistent werden.“ Und doch geriert sich die Ernte Anfang August als Wundertüte. „Ich würde mich über vier Tonnen Ertrag pro Hektar freuen“, sagt Spork lachend. Freuen würden sich darüber sicherlich auch seine 140 Zuchtsauen und 1100 Mastschweine.

An einigen Pflanzen erwachsen aus den bestäubten Blüten bereits kleine Schoten. Fabian Spork bricht eine auf. Wie kleine Erbsen liegen die Körnerleguminosen dort in Reih und Glied. „Für Tauben und Rehe scheinen die Lupinen auch ganz schmackhaft zu sein“, verweist Spork auf eine kahle Stelle im Feld. „Aber das ist halt so, wenn man mit der Natur arbeitet“, zuckt er mit den Schultern. Und apropos schmackhaft: Als angepriesenes Superfood sind die Süßlupinen auch in der Lebensmittelbranche im Kommen. „Vielleicht sollte ich mich da auch mal um einen Kontakt bemühen“, überlegt Fabian Spork lachend.

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