1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Coesfeld
  6. >
  7. Spuren bis in die USA verfolgt

  8. >

Volker Schwan erarbeitet Ortsfamilienbuch

Spuren bis in die USA verfolgt

Coesfeld. Weit zurück bis ins 18. Jahrhundert, weit hinaus über den Atlantik bis in die USA – wer sich mit der Geschichte seiner Ahnen beschäftigt, der stößt auf viele spannende Biografien. Bestes Beispiel ist der gebürtige Wuppertaler Volker Schwan, der seit 1994 in Coesfeld lebt und seit seiner Pensionierung 2008 damit begonnen hat, ein Ortsfamilienbuch (OFB) über Coesfeld und seine Umgebung zu erstellen, das inzwischen über 230 000 Namen enthält und damit das drittgrößte in Deutschland ist.

Ursula Hoffmann

Die alten Büchlein stammen von seinen Vorfahren, auf dem Laptop zeigt Ahnenforscher Volker Schwan einen Auszug aus dem Kirchenbuch der St.-Nikolaus-Pfarrei Darfeld, mit dem er im Moment arbeitet – in beiden Medien gilt es, die alten Handschriften zu entziffern. Foto: Ursula Hoffmann

Begonnen hat alles mit seinem Vater, einem Journalisten, der bereits in den 1960er-Jahren angefangen hat, Ahnen zusammenzutragen. Schwan verwahrt die Unterlagen. Erst nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst findet er die Zeit, sich intensiv damit auseinanderzusetzen und sein Interesse an der Ahnenforschung wächst schnell. Eine Spur führt in die USA. Schwan holt ein altes Büchlein seines Urgroßvaters hervor, der Prediger war und mit winzig kleiner Schrift akribisch ordentlich Gedanken und Ereignisse notiert hat. „Einen Teil habe ich bestimmt von ihm geerbt, sonst hätte ich nicht die Ausdauer, so systematisch zu arbeiten“, schmunzelt Schwan.

Einer der Brüder des Predigers wanderte im 19. Jahrhundert nach Amerika aus. Mit dessen Nachfahren nimmt Schwan natürlich Kontakt auf, „dabei frische ich dann auch mein Englisch auf“, erklärt er.

Eine andere Spur führt tief ins 18. Jahrhundert zurück. Aus einer im Internet gefundenen Doktorarbeit geht hervor, dass ein Ernst Carl Schwan (1735-1806) als Samt- und Seidenschaumeister bei Friedrich dem Großen gearbeitet hat. Damals wurde zu Hause gewebt und der Vorfahre war dafür zuständig, die Stoffe, aus denen etwa Uniformen geschneidert werden sollten, zu überprüfen. „Vielleicht hat er ja auch die Gobelins im Schloss Sanssouci begutachtet“, mutmaßt Schwan augenzwinkernd.

Einen ganzen Ordner hat er gefüllt mit Informationen zu den Ahnen der eigenen Familie – ein wahres Schatzkästchen für die eigenen Nachfahren. Ein Schatzkästchen für alle ist sein Ortsfamilienbuch, das seit 2011 im Internet einsehbar ist und jedem Interessierten weltweit kostenlos zur Verfügung steht. Für die dort alphabetisch aufgelisteten Namen hat Schwan 26 Kirchenbücher von Ahaus bis Velen durchforstet, Adressenlisten aus den Bauerschaften gelesen, ist im Stadtarchiv Unterlagen, die ihm Norbert Damberg vorlegte, durchgegangen. Eine ehrenamtliche Arbeit, die Ausdauer und Systematik erfordert, vor allem, da anfangs die Daten nur abgeschrieben werden durften. Heute ist vieles digitalisiert, was Schwans Arbeit enorm erleichtert.

Neben dem persönlichen Interesse treiben ihn mehrere Aspekt an, sich täglich mehrere Stunden seinem Hobby zu widmen. Wichtig ist es ihm, die Erinnerungskultur zu ergänzen. „Wenn ich Nachrufe übertrage, ist das für mich ein Zeichen, dass der Mensch nicht vergessen wird“, nennt Schwan eine Motivation. Aber auch die Auswanderungsbewegungen nach Brasilien oder in die USA finden ihren Niederschlag. Von da aus kommt man automatisch auf die jüdischen Auswanderer. Dabei sind nicht nur die Verfolgten, sondern auch die Täter festgehalten. „Sie können ja nicht irgendwo aufhören, das ist alles im Fluss, verzahnt sich miteinander, ich bin der Forschertyp, der gerne Sachen zusammenträgt“, beschreibt Schwan den Reiz, Menschen zu helfen, wobei sich auch oft persönliche Kontakte ergeben, die die Archivsuche bunt machen.

Viele Familien schicken ihm detaillierte Auflistungen, die er dann in sein Buch überträgt. Fast 18 Millionen Aufrufe – das sind im Schnitt 5500 am Tag – hat sein OBF inzwischen. Ein Fazit von Volker Schwan: „Wir führen ein schönes Leben, sind gefordert, können uns weiterentwickeln, indem wir unsere Hobbys weiterführen!“

Startseite