Weitere Verzögerungen könnten das Lindencarrée-Projekt insgesamt gefährden

Streit eskaliert – Mieter fristlos gekündigt

Coesfeld

Auf der Baustelle des künftigen Lindencarrées herrscht weiterhin Stillstand. Statt einer Einigung im Streit um die seit elf Monaten fehlende Außenwand des Bestandsgebäudes zwischen Süring- und Kapuzinerstraße ist die Auseinandersetzung zwischen der Münsterländischen Bauen und Wohnen und ihrem Mieter weiter eskaliert und landet nun wohl vor Gericht. „Wir haben ihm die Büroräume fristlos gekündigt“, teilte Geschäftsführer Jörg Roling auf AZ-Nachfrage mit. Grund sei, dass er seit September 2020 gar keine Miete mehr gezahlt habe und auch davor schon Außenstände hatte. Ein fünfstelliger Betrag sei offen.

Von Detlef Scherle

Bis hierher und nicht weiter: Auf dem Gelände zwischen Süringstraße und Kapuzinerstraße, wo das Lindencarrée mit 40 Wohnungen und vier Ladenlokalen entstehen soll, ist noch nichts passiert. Das Projekt könnte scheitern, wenn es nicht bald eine Lösung im Mauer-Streit gibt. Foto: Foto: ds

Für Maxim Sugrobov, den Anwalt des Mieters, geht diese Kündigung „ins Leere“. Aufgrund der durch den Abriss der Mauer entstandenen Schäden und der zuvor gemachten Mängelanzeigen („Die Räume können gar nicht mehr genutzt werden.“) habe sein Mandant die Miete zu 100 % gemindert. Auch einer Räumungsklage, die die Gesellschaft mittlerweile eingereicht hat, sieht er gelassen entgegen: „Es handelt sich um eine gesetzlich vorgesehene und ausdrücklich erklärte Mietminderung. Angebliche Mietrückstände gibt es daher keine.“ Die Münsterländische Bauen und Wohnen habe die Mietminderung auch weder zurückgewiesen noch Einwände dagegen erhoben. Sugrobov sieht den Auslöser für das Kündigungsschreiben eher darin, dass er die Gegenseite nach dem letzten AZ-Artikel zu diesem Thema zur Unterlassung von unwahren und ehrenrührigen Äußerungen aufgefordert hatte. Eine solche Unterlassungserklärung wollen die Vertreter der Münsterländischen Bauen und Wohnen aber nicht unterzeichnen. Auch das könnte noch zu einer Klage führen.

Auf AZ-Nachfrage versichern beide Parteien, dass sie ein großes Interesse daran haben, dass die im Juli 2020 abgerissene Trennmauer wieder errichtet wird, und beschuldigen sich gegenseitig, für die Verzögerungen verantwortlich zu sein. Roling bestätigte, dass seine Gesellschaft vor dem Verwaltungsgericht zwar gegen eine Verfügung der Stadt Coesfeld klagt, die sie verpflichtet, die Mauer (Kosten: rund 120 000 Euro) wieder herzustellen. Sie sieht da die SZ Bau in der Pflicht, die ja die Wand zerstört habe. Mit dem Unternehmen sei darüber auch bereits Einigkeit erzielt worden, so Roling. Die SZ Bau wolle die Mauer wieder aufbauen, werde daran aber durch den Mieter gehindert, der sie nicht in seine Räume lasse.

Diese Darstellung ist laut Sugrobov falsch. Die Münsterländische Bauen und Wohnen habe im Gegenteil Aufforderungen des Mieters, die Mauer wieder zu errichten, „bis heute ignoriert“. Verhandlungen über einen Umzug in ein anderes Objekt des Vermieters seien von diesem nicht weiterverfolgt worden. Die SZ Bau habe bislang im Gegensatz zu seinem Mandanten keinerlei Terminvorschläge für die Arbeiten an der Mauer gemacht. Stattdessen lasse sie sich weiter Zeit und stelle „unangemessene Bedingungen“.

Die SZ Bau wollte zu dem Vorgang gegenüber der AZ nicht Stellung nehmen. Roling wies darauf hin, dass der Mieter mit völlig überzogenen Auflagen (u. a. PCR-Tests für alle Bauarbeiter) eine Wiedererrichtung der Mauer bislang verhindert habe. Er appelliert in dem Zusammenhang an die Stadt Coesfeld, einzugreifen und eine Verfügung zu erlassen, dass der Mieter das Betreten seiner Räume für die Bauarbeiten dulden muss. „Der tanzt uns auf der Nase herum“, macht er seinem Ärger Luft. Die Stadt Coesfeld und insbesondere den zuständigen Amtsleiter Schmitz, der alle Vorgänge genau kenne, scheine das aber nicht zu interessieren. Dabei gehe es um ein wichtiges Projekt für die Stadtentwicklung. Bei weiteren Verzögerungen drohe das Aus, weil das Ganze für den Investor dann finanziell nicht mehr zu stemmen sei.

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