Fahrschulen kämpfen mit Rückstau wegen der Corona-Pandemie

Sturm auf Prüfungsplätze

Coesfeld

Als „Katastrophe“ bezeichnen Dieter Kock und Christian Dieker, beide Inhaber von Fahrschulen in Coesfeld, die aktuelle Situation für ihre Fahrschüler. Der Rückstau in der Ausbildung und bei den Prüfungsterminen sei kaum zu bewältigen, kommentiert Dieter Kock.

Von Manuela Reher

Viel Geduld müssen die Fahrschüler aktuell aufbringen, bis sie die Fahrprüfung ablegen können. Foto: Foto: Archiv

Schließlich habe er von Mitte Dezember bis Mitte März gar nicht arbeiten können. Nun sei es enorm schwierig, Prüfungstermine für die Fahrschüler zu bekommen, so Kock. Auch diejenigen, die sich jetzt für die Fahrausbildung anmelden würden, müsse er vertrösten. Einigen Fahrschülern habe er bereits mitgeteilt, dass er ihnen nicht garantieren könne, dass sie noch in diesem Jahr ihren Führerschein machen können.

Christian Dieker beklagt, dass der Technische Überwachungsverein (TÜV) grundsätzlich weniger Fahrschüler pro Prüfungstag prüfe, damit für den Prüfer eine ausreichende Maskenpause verbleibe. Warnstreiks seitens des TÜVs hätten im April und Mai auch stattgefunden, wobei ganze Prüfungen unangekündigt ausgefallen seien, die auch so nicht nachgeholt werden könnten.

Der TÜV Nord Mobilität Region Westfalen teilt in einem Schreiben an die Fahrschulen mit, dass die Situation im Bereich Fahrerlaubnis im Augenblick „angespannt“ sei. Der Nachholbedarf im Ausbildungsbetrieb schlage sich in sehr hohen Prüfungsanforderungen nieder. In Kombination mit den nach wie vor bestehenden Hygieneanforderungen (Tragepausen aufgrund von FFP2-Masken) und der durch die Corona-Pandemie geschuldeten Ausfälle, komme es momentan „leider zu einer zeitlich verzögerten Abarbeitung der von den Fahrschulen beantragten Prüfungen“. Die Unstimmigkeiten bei der Umsetzung der bundesweiten Notbremse sowie der Streik hätten die Situation noch weiter verschärft, heißt es in der Begründung des TÜV. Dieser kündigt aber an, zu versuchen, zeitnah Ersatztermine anzubieten. Es werde intensiv an der Verbesserung der Situation gearbeitet.

An verschiedenen Standorten seien bereits neue Mitarbeiter im Fahrerlaubnisbereich eingesetzt. Die Besetzung an vielen TÜV-Stationen werde auf ein Minimalniveau reduziert, um die Sachverständigen im Fahrerlaubnis-Bereich einzusetzen. Der TÜV bittet die Fahrschulen um Verständnis, bei der Planung der Prüfungen nicht alle zeitlichen Wünsche erfüllen zu können.

Gleichzeitig bittet der TÜV um Unterstützung der Initiative „Macht mit: Zusammen gegen Corona“. Damit könne sichergestellt werden, dass man auch morgen noch sicher prüfen könne. Der TÜV Nord ruft in einer Gemeinschaftsaktion alle Führerscheinprüflinge dazu auf, mit einem aktuellen negativen Corona-Test zur Theorie- und zur Praxisprüfung zu erscheinen.

Gerhard Bünker, Teamleiter für das Fahrerlaubniswesen in der Region Westfalen, erläutert das Ziel der Gemeinschaftsaktion: „Wir sitzen zu dritt in einem Fahrzeug; von einem Coronatest profitieren doch alle gleichermaßen. Das senkt das Infektionsrisiko und macht unsere Prüfung noch ein Stück sicherer und auch entspannter.“

Fahrschulinhaber Christian Dieker betont, dass er diesen Appell konsequent umsetze. Sein Berufskollege Dieter Kock bietet aus Sicherheitsgründen weiterhin digitalen theoretischen Unterricht an. Wer seine theoretische Prüfung abgelegt habe, habe ein Jahr lang Zeit, seine praktische Prüfung abzulegen. Kock hofft, dass dieser Zeitraum angesichts des „Sturms auf die Prüfungsplätze“ nicht überschritten wird. „Die Fahrschüler müssen Geduld haben“, kommentiert er. Denn in unserer Region habe nun einmal der TÜV eine Monopolstellung, was die Abnahme von Führerscheinprüfungen betrifft.

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