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In 14 Tagen soll das Ergebnis einer Abwasser-Studie zur Westfleisch-Erweiterung vorliegen

Temperatur der Berkel könnte steigen

Coesfeld

(ds). Nein, Fieber bekommen wird die Berkel wohl nicht, sollte Westfleisch nach der geplanten Kapazitätserweiterung etwa 30 Prozent mehr Abwasser als bisher zur Behandlung ins Klärwerk schicken. Aber die Wassertemperatur im Fluss, in den das geklärte Wasser geleitet wird, könnte steigen. Das haben Experten der Büros Tuttahs & Meyer und Koenzen im Rahmen einer Studie berechnet, mit der geklärt werden soll, ob sich die Westfleisch-Erweiterung negativ auf die Qualität des Wassers, von Flora und Fauna an und in der Berkel auswirken würde. Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie darf es nämlich keine Verschlechterung des Zustandes geben. Das Endergebnis der Studie soll in 14 Tagen vorliegen. Zwischenergebnisse, die Mitarbeiter der Büros jetzt im Betriebsausschuss des Abwasserwerks vorstellten, lassen aber erwarten, dass sich die meisten eventuell abzeichnenden Probleme wohl technisch lösen lassen werden – entweder in der Kläranlage oder schon vorher bei Westfleisch.

Die geklärten Abwässer der Firma Westfleisch (im Hintergrund) landen am Ende in der Berkel. Foto:

An fünf Entnahmestellen, direkt bei Westfleisch, am Zu- und Ablauf des Klärwerks sowie ein Stück Berkel auf- und -abwärts haben die Fachleute Proben als Grundlage für die Berechnungen gezogen. An unterschiedlichen Wochentagen. Auch unterschiedliche Wasserstände im Fluss wurden simuliert. Nach 42 Stoffen, die das Gewässer belasten könnten, wurde „gefahndet“. Das Hauptaugenmerk legten die Experten dabei auf Parameter, für die aufgrund des Erweiterungsvorhabens ein höherer Anteil prognostiziert wird: Eisen, Chlorid (Salz), Tenside (Reinigungsmittel), aber auch antibiotikaresistente Keime. MRSA- und VRE-Keime konnten in den Westfleisch-Abwässern nicht festgestellt werden, wohl aber ESBL-Keime und Multi-resistente Gram-negative Stäbchenbakterien. Die gute Nachricht: Diese konnten durch die Kläranlage zu 99 Prozent eliminiert werden. Auch mit den Reinigungsmitteln, die bei Westfleisch verwendet werden, kommt die Kläranlage relativ gut klar. So kommen von Westfleisch 14,25 mg/l an kationischen Tensiden an der Kläranlage an. Im Ablauf konnten die Experten nur noch 0,29 mg/l nachweisen. Eventuell, so ein Vertreter der Büros, könnte dieser Wert durch Verwendung anderer Reinigungsmittel noch gesenkt werden. Sorge bereitet noch die erhöhte Chloridfracht, die nach der Westfleisch-Erweiterung bei der Kläranlage ankommen dürfte: Sie könnte von 36,8 kg/d auf 46 kg/d steigen.

Problematisch ist auch ein erwarteter Anstieg bei den Eisen-, Kupfer- und Zinkwerten im Wasser. „Die Metalle haben teils schon mit dem Tierfutter zu tun. Darauf hat Westfleisch kaum Einfluss“, meinte der Vertreter eines der untersuchenden Büros.

Ja, und der Temperaturanstieg könnte sich negativ auf das Leben in der Berkel auswirken, zumal damit auch eine geringere Sauerstoffkonzentration einhergeht. Während das allgemeine Abwasser aus dem Stadtgebiet mit 11,2 bis 12,8 Grad Celsius ankommt, „liefert“ Westfleisch bis zu 26,8 Grad Celsius warmes Wasser. Bisher kühlt die Kläranlage es insgesamt auf bis zu 14 Grad Celsius herunter. Dieser Wert dürfte aber mit der Erweiterung steigen. Die Gutachten-Ersteller haben schon klargestellt, dass sie für die Bilanzierung dieser Temperaturveränderungen längere Datenreihen benötigen.

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