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Freizeitmöglichkeiten für ungeimpfte Erwachsene werden auch in Coesfeld immer kleiner

Trotz Kontroverse: 3G wackelt auch hier

Coesfeld

Wenn am kommenden Donnerstag die neue Spielzeit im Konzert Theater startet, müssen ungeimpfte Erwachsene draußenbleiben. Genauso sieht es im Letter Glasmuseum aus. Einzig Kinder und Jugendliche kommen noch mit einem Test rein. Die Häuser der Ernsting-Stiftung machen den Anfang, aber auch anderswo werden die Möglichkeiten für Ungeimpfte kleiner.

Von Falko Bastos

Der Impfnachweis wird im Konzert Theater zur zweiten Eintrittskarte. Mit dem Start der neuen Saison gilt hier die 2G-Regel. Foto: Foto: Falko Bastos

Die 2G-Debatte ist angekommen in Coesfeld und auch hier gehen die Meinungen über den Umgang mit Ungeimpften weit auseinander. Der Vorstand der Ernsting-Stiftung argumentiert mit der Verantwortung gegenüber der gebeutelten Kulturszene der und fürchtet, Kultureinrichtungen könnten angesichts steigender Inzidenzen erneut von Zwangsschließungen bedroht sein.

Überwiegend positiv fielen die Reaktionen des Publikums aus, berichtet Ingrid Ullrich-Beer von der Stiftung: „Einige wenige sind enttäuscht, aber 80 Prozent finden es gut.“

Gar nicht gut fände Memet Arif Sucu, Geschäftsführer des Extrablatt Coesfeld, eine gesetzliche 2G-Regel. „Hoffentlich kommt das nicht“, sagt er. Man müsse auch Verständnis für die Ängste derjenigen haben, die sich nicht impfen lassen wollen.

Noch deutlicher positionierte sich bereits im Januar sein Gastronomen-Kollege Markus Kleyer vom Restaurant Keull. In einem viel beachteteten Facebook-Post schrieb er über eine mögliche Ungleichbehandlung von Geimpften und Ungeimpften: „Sollte das so angeordnet werden, wird unser Restaurant geschlossen bleiben. So einen Blödsinn machen wir nicht mit.“ Auf Nachfrage bekräftigt Kleyer nun: „Wenn das zur Wahl steht, würden wir 2G nicht mitmachen“. Er wolle keine Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Ungeimpfte.

Raushalten aus der Diskussion möchte sich Karl Hövel, Inhaber des Cinema Coesfeld. „Wir machen das, was die Regierung möchte“, so Hövel. Ein wirtschaftlicher Vorteil durch Einführung einer 2G-Regel, entsteht für die Betreiber in NRW anders als beim Hamburger Wahlmodell ohnehin nicht. „Wir könnten auch mit 3G schon alle Plätze besetzen, machen es aber nicht“, erklärt der Kino-Inhaber.

Mit Einführung der 3G-Regel vor knapp zwei Wochen sei das Geschäft im Innenbereich spürbar zurückgegangen, berichtet Sucu. „Die Leute haben keine Lust, einen Test zu machen, um eine Tasse Kaffee zu trinken“, stellt er fest. Wem schon kostenlose Tests zu viel Mühe darstellen, dürfte die Einführung der Kostenpflicht ab dem 11. Oktober, dann erst recht abschrecken. Das heißt: Während die Testmöglichkeit in der Theorie weiter besteht, dürfte sie in der Praxis kaum noch wahrgenommen werden. Das dritte „G“ wackelt – so oder so.

Besonders in der Fabrik. Denn auf den Konzerten sowie im Disco-Betrieb gilt die verschärfte Variante von 3G. Statt eines Schnelltests müssen Besucher, die nicht geimpft oder genesen sind, einen aktuellen PCR-Test vorlegen. Kostenpunkt für Selbstzahler: 70 bis 100 Euro.

„Wir sind schon bei 2G“, sagt Geschäftsführer Richard Aupers vom Fabrik-Team. Denn wer mache schon einen PCR-Test, um in die Disco zu kommen? In der zunehmend emotionalen Debatte könne er durchaus beide Seiten verstehen, aber wirtschaftlich schmerze vor allem die Beschränkung. „Da fällt ein großer Teil der Leute weg. Dadurch stehen wir wieder mal mit dem Rücken an der Wand.“

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