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Gemeinden wenden sich mit Briefen an betroffene Eltern

Über 100 Täuflinge in der Warteschleife

Coesfeld

Rund 100 kleine Coesfelder werden üblicherweise pro Jahr in Anna Katharina feierlich in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen. „In diesem Jahr hatten wir bislang erst elf Taufen“, beschreibt Pastor Johannes Hammans eine ganz akute Folge der Coronazeit, die vor allem die beiden großen katholischen Gemeinden in Coesfeld Anna Katharina und St. Lamberti betrifft.

Von Ulrike Deusch

In der Gemeinde Anna Katharina sind noch über 100 Taufen offen, die während der Corona-Zeit nicht stattgefunden haben. Foto: Foto: Pexels

Nicht wegen der Zeremonie in der Kirche haben Familien auf die Taufe verzichtet. Das Sakrament durfte in der Kirche immer coronakonform gespendet werden. Aber weil sie die private Feier nicht angemessen ausrichten konnten, haben viel Eltern das Fest verschoben, berichtete Hammans. Nimmt man die ausgefallenen Termine aus 2020 noch hinzu, stehen in der Gemeinde noch weit über 100 Taufen aus. „Den betroffenen Eltern schreiben wir und lassen ihnen ein Heft zur Vorbereitung der Tauffeier zukommen“, kündigt Hammans an. „Wir hoffen, dass sie in den nächsten Monaten die Taufe nachholen und werden dazu an jedem Wochenende bereit sein.“ Bis zu zwei Täuflinge können pro Feier das Sakrament empfangen. Hammans wünscht sich sehr, dass möglichst viele Familien das Angebot wahrnehmen.

Kein einziges Paar hat sich in diesem Jahr bislang in Anna Katharina das Ja-Wort gegeben. „Jetzt im Juni wird die erste Hochzeit sein“, so Hammans. „Gefrustet“ erlebt er aktuell viele Brautpaare, die ihre Hochzeit zum Teil schon zweimal verschieben mussten – rund 25 sind betroffen. „Manche haben jetzt erstmal keinen neuen Termin mehr gemacht“, bedauert er. Andere hätten die Eheschließung fürs nächste Jahr ins Auge gefasst in der Hoffnung, dass sich die Lage dann deutlich entspannt. Den enttäuschten Paaren hat die Gemeinde ein Heft mit Texten für die kirchliche Trauung zukommen lassen. Hammans würde sich freuen, wenn sie nicht komplett abspringen und ihr Vorhaben einer kirchlichen Eheschließung aufgeben.

Dass das im ein oder anderen Fall durchaus vorkommen kann, glaubt Johannes Arntz, Pfarrdechant von St. Lamberti. Er kann sich vorstellen, dass sich die Lebenswirklichkeit eines Paares etwa durch ein Kind, so verändert hat, dass die kirchliche Feier für sie nicht mehr in Frage kommt. Grundsätzlich stellt er bei den Heiratswilligen noch immer eine große Unsicherheit fest. Auch in Lamberti haben viele Brautpaare schon zweimal absagen müssen. Zehn bis 15 Hochzeiten gab es laut Arntz vor Corona im Durchschnitt pro Jahr – jetzt sind immerhin noch zwei Eheschließungen angemeldet.

Einen massiven Rückgang verzeichnet die Gemeinde auch bei den Taufen – wenn auch nicht annähernd so extrem wie in Anna Katharina. Arntz: „Zehn bis 12 verschobene Tauffeiern sind noch offen.“

Auch in Lamberti sollen die Eltern noch mal angesprochen und eingeladen werden, aber etliche Familien haben ihr Fest auch schon nachgeholt oder für eins der kommenden Wochenenden gebucht. „An manchen Wochenenden stehen sogar zwei Feiern an“, weiß Arntz.

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