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Circus Casselli kann weiterhin nicht auftreten und ist dankbar für jede Unterstützung

„Uns fehlt jeder Tag“

Coesfeld

Der ganz normale Alltag fehlt Janett Kaselowsky am meisten. Schon morgens hat sie sich auf die Vorstellung gefreut. „Man hat alles vorbereitet, sich fertig gemacht und um 14.30 Uhr hat die Kasse geöffnet“, sagt die Circus-Chefin. Um 15 Uhr hieß es dann „Manege frei!“. Doch diese Aufforderung ist im Circus Casselli schon seit anderthalb Jahren nicht mehr zu hören. „Wir wissen noch nicht, ob wir wieder auftreten können, wir bekommen ja keinen Platz“, sagt die Circus-Dame mit Blick auf die aktuelle Situation. Die Perspektive ist mau.

Von Florian Schütte

Janett Kaselowsky und ihr Enkel Kiano vom Circus Casselli sind dankbar für jede Unterstützung, da der Circus zurzeit keinen Platz für einen Auftritt bekommt. Foto: Foto: Florian Schütte

Gestrandet sind die fünf Familien des Circus’ seit März im Dreischkamp, wo sie froh sind, unter den Photovoltaikanlagen der Firma S & Z Überdachungen zumindest ein trockenes Plätzchen gefunden zu haben. Zuvor hatten sie in Heinsberg überwintert. „Wir treten schon in siebter Circusgeneration auf“, sagt Janett Kaselowsky und Stolz blitzt in ihren Augen auf. Nur allzu verständlich, dass sie dies nicht leichtfertig aufgeben will. „Wir wollen nicht alles verkaufen, der Circus ist unsere Welt“, sagt die ehemalige Drahtseil-Artistin, die jedoch seit einer Erkrankung nicht mehr auftreten kann und die Leitung des Circus’ an ihre Söhne als Juniorchefs abgegeben hat.

Die Schausteller leben von der Artistik. „Uns fehlt jeder Tag“, bringt es Janett Kaselowsky auf den Punkt. Um wenigstens ein paar Einnahmen zu generieren, fehlte es dem Circus jedoch nicht an Ideen. „Wir wollten eine Hüpfburg aufbauen und Ponyreiten anbieten. Aber auch das war nicht möglich“, zeigt sich Enkel Kiano Kaselowsky enttäuscht.

Doch ganz die Hoffnung aufgeben will Janett Kaselowsky nicht. „Vielleicht können wir im März nächsten Jahres wieder auftreten, wenn Corona bis dahin nicht wieder aufflammt“, wagt sie einen vorsichtigen Blick in die Glaskugel.

Froh sind die Kaselowskys über jede Unterstützung – ob Grünfutter-Spenden aus dem Mietgarten Mehring, Heu-Spenden von Bauern oder auch Geldspenden. „Jede kleine Spende hilft uns“, sagt Kiano Kaselowsky, und seine Großmutter ergänzt: „Und wenn es nur ein Cent ist.“ Auch Lebensmittel-Spenden für die Schausteller hätten einige schon vorbeigebracht. Alles, was hilft. Damit es auch noch in der achten Generation des Circus Casselli heißt: „Manege frei!“

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