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KATiELLi-Theater sorgt mit „Festgepoppt“ auf der Freilichtbühne für Lachsalven

Verklemmtes Musical als schräger Spaß

Coesfeld

So schnell kann ein Quickie in eine unerquickliche Situation führen – Sie und Er lernen sich in einem Club kennen und wollen sich spontan auf der Toilette miteinander vergnügen. Doch dann passiert etwas Hochpeinliches, sie kommen nicht mehr voneinander los, haben sich „festgepoppt“. So auch der Titel der zweiten Produktion, mit der das KATiELLi-Theater aus Datteln nach „Ewig Jung“ das Publikum in diesem Sommer auf der Coesfelder Freilichtbühne erfreuen möchte.

Von Ursula Hoffmann

Pianist und Arzt (Mario Stork), Sie (Rosaly Oberste-Beulmann) und Er (Stuart Sumner) und die resolute Krankenschwester (Bernd Julius Arends) bereiten dem Publikum auf der Freilichtbühne einen köstlich-frivolen Abend mit der „verklemmten“ Komödie „Festgepoppt“. Foto: Foto: ho

Den Akt auf der Toilette, bei dem im Takt der Musik gestöhnt und gehechelt wird, erleben die Zuschauer diskret als Schattenspiel, doch dann bleibt den Akteuren – „zusammengepoppt wie perverse siamesische Zwillinge“ – nur der Weg ins Krankenhaus. Und was ihnen dort im Verlauf dieses laut Untertitel „verklemmten Musicals“ widerfährt, ist ein herrlich frivol-schräger Spaß, der nie ordinär oder peinlich wird. Auf einer fahrbaren Pritsche müssen Sie (Rosaliy Oberste-Beulmann) und Er (Stuart Sumner), die verhakten Körperteile züchtig von einem Bettlaken bedeckt, lange ausharren. Wann der Arzt (Mario Stork, am Piano) kommt – das kann auch die resolute Krankenschwester (Bernd Julius Arends) nicht sagen, denn „würde er jetzt kommen, wäre unser Stück ja vorbei und wir fangen doch gerade erst an“ – bringt sie die Situation mit schlecht versteckter Schadenfreude auf den Punkt.

Zum Glück fürs Publikum klebt also der Arzt am Piano fest, begleitet die schwungvollen Songs voller Elan und sorgt für zusätzliche Erheiterung, indem er sich immer mal wieder im Eifer des Gefechts in andere Musicals wie „König der Löwen“ oder „Starlight-Express“ verirrt. Das wiederum wird begeistert von der Krankenschwester aufgegriffen, die etwa mit Rollschuhen über die Bühne stöckelt. Überhaupt ist KATiELLi-Chef Bernd Julius Arends mit seinem komödiantischen Talent der Knüller des Abends. Immer wieder fällt er, beziehungsweise sie, aus der Rolle, gibt Regieanweisungen, verpasst Auftritte und sorgt mit forscher Frauenpower für ordentliche Strapazierung der Bauchmuskeln.

Beim natürlich hochnotpeinlichen Besuch der Mütter (beide gespielt von Arends) im Krankenhaus wird das Spiel im Spiel allerdings etwas übertrieben und ziemlich klamaukig. Das stört aber den Gesamteindruck nur unwesentlich, schaffen es die beiden Hauptprotagonisten doch mit ins Ohr gehenden Songs, auf den Punkt gebrachten Pointen, köstlich sprechender Mimik und sportlichen Höchstleistungen – wie sie ihre Positionen auf der schmalen Liege wechseln, zeugt von erstaunlicher Sportlichkeit, Sitz- und Liege-Choreografien mit einbezogen – sich im Laufe der Zeit einander humorvoll anzunähern, sodass sich aus dem anfängliche Gezicke („Dein Prügel dick wie’n Dübel“) eine vorsichtige Liebesgeschichte entwickelt. Das Publikum feiert die Akteure für diesen rundum vergnüglichen Abend mit stehenden Ovationen.

7 Weitere Vorstellungen von „Festgepoppt“ gibt es am 25./26. Juni und am 2. Juli.

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